Von der geplanten Schliessung der Zeitungsdruckerei der Basler Zeitung Medien AG (BZM) erhofft sich CEO Rolf Bollmann für die "Basler Zeitung" Einsparungen in Millionenhöhe. Bollmann zählt die umstrittene BaZ zu den drei besten Regionalzeitungen der Schweiz. Aus der "Basler Zeitung" solle eine Qualitäts-Kaufzeitung werden, die eine "vernünftige Rendite" erzielt, sagte Bollmann am Freitag in einem Interview mit dem Basler Nachrichtenportal "OnlineReports". Dem ehemaligen Tamedia-Kadermann, der im vergangenen Herbst mit 64 Jahren die Führung der BaZ-Gruppe übernommen hatte, peilt eine Ebit-Marge von 12 bis 15 Prozent an.
Eine solche Rendite sei mit der "Basler Zeitung nackt" sicher möglich, sagte Bollmann. Die führenden guten Regionalzeitungen bewegen laut dem CEO ebenfalls in diesem Bereich. Mit "Basler Zeitung nackt" ist das von alt Bundesrat und SVP-Nationalrat Christoph Blocher angestrebte Modell einer unabhängigen Zeitung ohne unnötige andere Konzernteile gemeint. Auf dem Weg zu diesem Ziel will die BZM-Gruppe per Ende März ihre Zeitungsdruckerei schliessen, was zu 74 Entlassungen führen soll. Bis zum 22. Januar läuft dazu die Konsultationsfrist.
Weitere Bereiche zur Disposition
Nach der Schliessung der schwer defizitären Druckerei soll die BaZ bei Tamedia in Zürich gedruckt werden. Dieser Schritt als wirkungsvollste Massnahme seines Sanierungskonzepts führt laut Bollmann zu Einsparungen in der Höhe von mehr als sechs Millionen Franken. Zur Diskussion stehen bei der BaZ-Gruppe derzeit auch die Auslagerung der Abo-Verwaltung und des Call-Centers sowie der Verkauf der Druckerei Birkhäuser. Einzelne weitere Entlassungen liessen sich nicht ganz vermieden, sagt Bollmann dazu. Der CEO räumte im Interview ein, dass die BaZ 2012 eine "sehr, sehr hohe Abo-Erodierung im hohen einstelligen Prozentsatz" erlitten hatte. Er verstehe allerdings nicht, dass die Basler die BaZ als rechte Postille oder SVP-Parteiblatt betrachten, sagte der CEO weiter. Für ihn ist sie eine Forumszeitung.
Mit der Verlegung des BaZ-Druck zu Tamedia rücken "Basler Zeitung" und "Tages- Anzeiger" noch enger zusammen. Ein Mantelkonzept mit dem "Tages-Anzeiger" oder einer andern Zeitung kommt indes laut Bollmann für die BaZ nicht in Frage, weil die Eigentümer eine unabhängige, bürgerliche Zeitung bewahren wollten. Ohne Christoph Blocher wäre die BaZ längst Teil eines grossen Mediensystems, sagte Bollmann.
Bollmann nimmt im Interview auch Stellung zu seinen Aussagen im Gespräch mit persoenlich.com vom 15. Dezember 2012. Dort bezeichnete er Journalisten unter anderem als "Kollegenschweine" und "Charakterlumpen". "Ich würde heute einiges differenzierter und nicht in diesem harten Ton ausdrücken", sagt er. "Es tut mir heute leid, wenn ich Gefühle von guten Journalisten verletzt habe." (sda/ct)