Axel Springer Schweiz ("Handelszeitung", "Bilanz", "Tele", "TV-Star" und "Beobachter") ist bereit, sich in der Frage um die Abtretung der Nutzungsrechte freier Journalisten mit Vertretern der Berufsverbände an einen Tisch zu setzen. "Wir werden uns deren Vorstellungen anhören", erklärt Springer Schweiz-Chef Ralph Büchi auf Anfrage von "persoenlich.com". Damit kommt das Medienhaus der Forderung von impressum und comedia nach, die Verhandlungen mit Springer gefordert hatten.
Axel Springer Schweiz hatte seinen freien Journalisten vergangene Woche ein Schreiben zugesandt. Darin verlangt der Medienkonzern, dass diese weitgehende Nutzungsrechte ihrer Werke an den Verlag abtreten. So will der Verlag künftig Texte und Fotos beliebig oft verwenden, ohne für die Mehrfachveröffentlichung eine Entschädigung zu bezahlen. Zugleich kann er die Werke an beliebige Publikationen weiterverkaufen und ohne Rücksprache mit dem Autor Änderungen am Text vornehmen. Die Journalistenverbände und Gewerkschaften schalteten sich ein, nachdem bei ihnen zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.
Nach Angaben von Springer Schweiz-Chef Ralph Büchi gab es kaum Widerstand gegen die neue Regelung: "Eine grosse Zahl unserer freien Mitarbeiter hat sie bereits unterzeichnet und uns mit freundlichen Grüssen zurückgeschickt". Der Verlag wolle mit der neuen Reglung "klare Verhältnisse schaffen", wie dies bei den festen Mitarbeitern schon längst der Fall sei: Die Frage nach den Nutzungsrechten stelle sich in der heutigen multimedialen Zeit täglich.
Die Kritik, dass Springer mit der neuen Regelung just bei jenen Mitarbeitern die Schraube anzieht, die ohnehin am wenigsten Rechte geniessen würden und oft unterbezahlt seien, lässt Büchi nicht gelten. "Wer für Axel Springer Schweiz schreibt, wird fair entlöhnt. Wir zwingen ja niemanden, für uns journalistisch tätig zu sein." Springer Schweiz unterhalte zahlreiche, langfristige Partnerschaften mit freien Journalisten. "Diese Beziehungen hätten kaum Bestand, wenn der Verlag den Journalisten keine fairen Honorare bezahlen würden."
Auf Anfrage von "persoenlich.com" kritisiert Marek Szer vom Journalistenverband Impressum das Vorgehen von Springer. Ein Dorn im Auge ist ihm insbesondere die Frist zur Unterzeichnung der neuen Regelung, die Springer den Journalisten gesetzt habe; diese sei viel zu kurz. Die freien Journalisten erhielten den Brief vergangene Woche und wurden von Springer aufgefordert, die neue Regelung bis spätestens zum 16. Mai zu unterschreiben. Nach Angaben von Szer verletzt Springer damit das Änderungsrecht. "Der Verlag müsste für die Vertragsänderung ein Zeitfenster erlauben, das der Kündigungsfrist entspricht."
Er vermutet ein taktisches Kalkül von Springer dahinter: "Unterschreiben viele Journalisten innerhalb der kurzen Frist, haben die Gewerkschaften bei den Verhandlungen weniger Handlungsspielraum." So setze Springer darauf, dass sich niemand wehre -- womit eine neue Usanz geschaffen werde. Die Berufsverbände wollen dafür sorgen, dass die Journalisten wissen, worauf sie sich einlassen und ihr Recht auf Mitbestimmung einforderten. Er empfiehlt den Betroffenen deshalb, die neue Regelung vorerst nicht zu unterschreiben.