In einem Interview mit dem "TagesAnzeiger" gibt Cablecom-Chef Rudolf Fischer zu, die Reaktion der Kunden auf die Digitalisierung unterschätzt zu haben. Nicht ohne Folgen: Durch die Abschaltung analoger Sender hat der Kabelnetzbetreiber einige Tausend Anschlüsse eingebüsst. Dies hat die Cablecom nun zum Umdenken bewogen: "Heute sehen wir das analoge Fernsehen nicht mehr als Auslaufmodell, sondern als Wettbewerbsvorteil, so Fischer. In der Schweiz habe jeder Haushalt im Schnitt 2.3 TV-Geräte. Nirgends sonst bekomme man ohne Zusatzgerät noch rund 40 Kanäle auf jedem Fernseher.
Diese Erkenntnis regt die Cablecom zu einer Kehrtwende an: Man habe nicht mehr vor, das analoge Angebot bis 2010 abzustellen. Es bleibe so lange, wie es ein breites Bedürfnis sei, oder es keine analogen TVs mehr gebe, erklärt Fischer. Die Hoffnung, dass die abgeschalteten Sender wieder ins analoge Programm aufgenommen werden, zerschlägt der CEO aber: "Wir werden das jetzige Angebt nicht wieder ausbauen". Man benötige Platz für die Weiterentwicklung des Digital-TV mit HDTV.
Auch auf ein anderes Ärgernis für die Kunden -- die Flut an Werbung -- hat die Cablecom reagiert. "Wir haben die Frequenz auf die Hälfte reduziert, sagt Fischer. Aus dem Haustürverkauf will die Cablecom aber nach wie vor nicht aussteigen: Man gewinne dadurch schliesslich einen Fünftel der Kunden. Um die Kunden aber nicht mehr als nötig zu belästigen, hat Cablecom ein Qualitätssicherungssystem eingeführt.
Wenn sich jemand beschwere, so könne das im Extremfall zur Entlassung des Mitarbeiters führen. Ausserdem werde jeder neue Kunde angerufen, um den Haustürverkauf zu bestätigen und um zu überprüfen, ob Versprechungen gemacht wurden, wie etwa eine Gratisinstallation oder ein Gratisfernseher. Eigene Shops als Alternative zu den Hausverkäufen zieht Fischer nicht in Betracht. Evaluationen hätten ergeben, dass es sich nicht lohne. Man arbeite aber weiterhin mit Händlern wie Interdiscount oder Fust zusammen.