Der Verwaltungsrat der SRG stimmte dem Verkauf am Mittwoch zu. Beide Käuferinnen verpflichten sich, die musikalische und inhaltliche Ausrichtung der Sender während mindestens zwei Jahren beizubehalten. Die Programme bleiben unmoderiert, der Anteil Schweizer Musik liegt weiterhin bei mindestens 50 Prozent, und auch die Verbreitung über DAB+, Streaming- und Drittplattformen sowie Kabelnetze ist für diese Frist gesichert. Nach Ablauf der zwei Jahre entscheiden CH Media und Digris eigenständig über Programmgestaltung, Verbreitung und Vermarktung.
CH Media stärkt führende Position im Radiomarkt
Für CH Media ist Radio Swiss Pop der fünfte Musikspartensender im Portfolio: Das Unternehmen betreibt bereits sieben Regionalradios sowie die Musikspartensender Radio Melody, Virgin Radio Switzerland, Flashback FM und Radio Eviva. «Mit der Übernahme stärken wir unsere führende Position im Schweizer Radiomarkt und bauen unsere digitale Reichweite weiter aus», sagt Florian Wanner, Leiter Regionale Elektronische Medien bei CH Media. Die Digris AG betreibt DAB+-Netze in der Schweiz, Frankreich und Grossbritannien und verbreitet über 50 Prozent aller Schweizer DAB-Radiosender; seit 2011 führt sie zudem das Radio Open Broadcast.
Gemäss der Mediapulse-Semesterpublikation Radio (1. Semester 2025, Deutschschweiz) erreichte Radio Swiss Pop im Tagesdurchschnitt eine Nettoreichweite von rund 471'000 Personen, Radio Swiss Classic von rund 64'000 und Radio Swiss Jazz von rund 27'000.
Gehören nicht zum Grundauftrag der SRG
Der Verkauf ist Teil des Transformationsprojekts «Enavant», mit dem sich die SRG unter anderem auf die vom Bundesrat beschlossene Senkung der Medienabgabe einstellt. Als reine Musiksender ohne Wort- und Informationsanteil gehören Swiss Pop, Classic und Jazz nicht zum Grundauftrag der SRG gemäss Konzession. Bereits im September 2025 hatte persoenlich.com über die Ausschreibung berichtet: Damals bezifferte die SRG das Sparpotenzial des Verkaufs selbst auf lediglich den tiefen einstelligen Millionenbereich – bescheiden gemessen an den rund 270 Millionen Franken, die der Konzern bis 2029 insgesamt einsparen will.
Den politischen Anstoss gab bereits 2017 ein Vorstoss der nationalrätlichen Verkehrskommission (KVF-N): Die Motion «Reduktion Spartensender im Radiobereich» forderte den Bundesrat auf, RTVG und SRG-Konzession so anzupassen, dass Spartensender ohne eigentlichen Service-public-Auftrag eingestellt werden. Die SRG selbst signalisierte daraufhin im März 2018, im Umfeld der No-Billag-Abstimmung, Offenheit für einen Verkauf der drei Sender, sofern ein Käufer sie im bisherigen Sinne weiterführen würde. Anstelle der geforderten Einstellung wählte die SRG damit den Weg des Verkaufs.
Steulet wollte kaufen, liess es aber bleiben
Konkret wurde es 2020: Die SRG verkaufte Radio Swiss Pop an die Westschweizer Firma BNJ Suisse des jurassischen Radiounternehmers Pierre Steulet. Der Vertrag wurde jedoch 2021 vor dem eigentlichen Vollzug storniert, nachdem BNJ wegen der coronabedingten Einbrüche im Werbemarkt auf die Übernahme verzichtete (persoenlich.com berichtete); die SRG betrieb den Sender daraufhin weiter. Der jetzige Verkauf ist damit der erste, der tatsächlich zustande kommt.
Im Oktober 2025 verschickte die SRG eine 25-seitige Verkaufsdokumentation an rund 100 Radioveranstalter und die vier grossen Radioverbände; eine DAB+-Verbreitung war darin ausdrücklich keine Pflicht, sondern nur eine bevorzugte Option. Mehrere angefragte Privatradios – darunter Radio Basilisk, Radio Top, Radio 1 und Radio BeO – sagten öffentlich ab; sie sahen für die überregional verstreute Hörerschaft der Spartensender kein tragfähiges Geschäftsmodell. Die Bespoke Media Group, Betreiberin von James FM, hatte zunächst früh Interesse an Radio Swiss Pop bekundet, zog sich später aber aus dem Verfahren zurück – den Zuschlag erhielt schliesslich CH Media.