"Chancen massiv gestiegen"

Roger Schawinski - Radio 1-Chef im Interview.

Herr Schawinski, die Vernehmlassung zu den UKW-Radio-Konzessionsgesuchen ist abgeschlossen. Wo steht Ihr Sender heute im Rennen um die begehrten Konzessionen?

Herr Schawinski, die Vernehmlassung zu den UKW-Radio-Konzessionsgesuchen ist abgeschlossen. Wo steht Ihr Sender heute im Rennen um die begehrten Konzessionen?

Als wie gross erachten Sie heute Ihre Chance, dass der Bundesrat Ihrem Sender die Konzession erteilt?

Unsere Chancen sind aufgrund dieser Vernehmlassung massiv gestiegen. Was nun passiert ist, sollte man auf keinen Fall unterschätzen, auch wenn dies unsere Konkurrenten in ihren öffentlichen Erklärungen aus purem Eigeninteresse sicher tun werden. Bisher mussten alle Mitarbeiter von uns immer zuerst die Frage beantworten: "Kriegt Ihr überhaupt eine Konzession?" Nun müssen vor allem andere dazu die Antworten liefern. Im Gegensatz zur Aargauer Regierung, die nur eine Ergebenheitsadresse an Monopol-Verleger Wanner abgeliefert hat, liegen nun relevante Aussagen von vier Regierungen vor. Auch andere Gruppen -- etwa die Werbeindustrie -- möchte auf keinen Fall eine weitere Angebotskonzentration im Medienwesen. Auch dies kommt uns entgegen.

Sie haben den Support von Stadt und Kanton Zürich. Worauf führen Sie das zurück: Haben Sie einfach besser lobbyiert als die anderen Sender?

Lobbying ist keine Kernkompetenz von mir und ist es nie gewesen. Ich wollte nie Teil des Establishments werden -- bis heute nicht. Aber es rührt mich, dass man heute offenbar an entscheidender Stelle meine Leistungen für die Schweizer Medien honoriert, vor allem meinen Einsatz für kritischen Journalismus und für Inhalte. Wir werden uns bei Radio 1 bemühen, diesem Vertrauensvorschuss gerecht zu werden. Nächste Woche gehen wir auf Sendung, und das wird zu Beginn sicher eine Zitterpartie. Bis unsere Maschinerie auf Touren kommt wird es einige Zeit dauern. Ich bitte bereits jetzt um eine gewisse Nachsicht. In etwa zwei Monaten werden wir unsere Flughöhe erreicht haben.

Sie haben früher stets gegen die Behörden und Regierungen angekämpft. Nun plötzlich stehen diese auf Ihrer Seite. Werden Sie nun gegenüber den staatlichen Instanzen weniger kampfeslustig auftreten?

Das ist es ja gerade, was mich begeistert. Alle wissen, dass wir auch unbequem sein werden -- und dies auf alle Seiten gleichermassen. Offenbar schätzen die Regierungen dies jedoch mehr als inhaltsleere Angebote, produziert zum Teil von Menschen ohne genügend Sach- und Fachkenntnis. Ja, wenn sie so wollen, ist das hier ein Kompliment an die Regierungen. Dies heisst jedoch nicht, dass wir ihnen ab 17. März nicht ganz genau auf die Finger schauen werden. Denn das betrachten wir als eine unserer zentralen Aufgaben.

Was tun Sie, wenn der Bundesrat Ihnen die Konzession nicht erteilen wird? Werden Sie den Entscheid anfechten?

Ich schlage allen Mitbewerbern hier ein Gentleman's Agreement vor, dass man gegen einen Entscheid nicht rekurrieren wird. Ich empfinde eine Haltung, bei der man den Gang zu den Gerichten bereits im Vorfeld ankündigt -- und sogar noch andeutet, dass man die Verfahren möglichst lange hinauszögern will -- als im höchstem Masse unsympathisch. Damit tut man einem bereits angezählten Radio übrigens keinen Gefallen. Man verlängert so nur die Agonie, sowohl bei den Mitarbeitern als auch bei den Kunden und den Hörern.

Abschlussfrage: Wie würden Sie sich eigentlich fühlen, wenn das von Ihnen gegründete Radio 24 keine Konzession erhielte?

Ich würde es sehr bedauern, wenn Radio 24 keine Konzession erhalten würde. Deshalb habe ich der Tamedia empfohlen, sich alternativ auch für die kleinere Konzession Zürich zu bewerben, so wie wir es getan haben. Doch dies hat man ignoriert, weil man sich offensichtlich sehr sicher fühlte. Mehr konnte ich wirklich nicht tun. Wenn Radio 24 also leer ausgehen sollte, was ich nicht hoffe, so beruht dies teilweise auf Selbstverschulden.

(Interview: David Vonplon)

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