Der Einfluss der Politik auf die Tageszeitungen nimmt nach Ansicht von Chefredaktoren führender Medienhäuser nicht zu. Die Rückkehr der politischen Presse in der Schweiz stehe trotz gegenteiliger Anzeichen nicht auf der Agenda.
Unabhängigkeit bleibe für den Journalismus ein zentraler Pfeiler, sagten Felix E. Müller, Chefredaktor der "NZZ am Sonntag", Res Strehle, Chefredaktor des "Tages-Anzeigers", und Markus Somm, Chefredaktor der "Basler Zeitung", am Dienstag an einem Podiumsgespräch in Zürich übereinstimmend. Das Gespräch fand im Rahmen der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien statt. Eine Zeitung dürfe eine politische Haltung haben. Und natürlich setze ein Verleger einen Chefredaktor seines Vertrauens ein. Aber ein kluger Verleger mische sich nicht ins journalistische Alltagsgeschäft ein. Pluralität auf einer Redaktion sei enorm wichtig, sagten Strehle und Somm übereinstimmend auf eine entsprechende Frage des Moderators Norbert Neininger.
Somm dementierte, je gesagt zu haben, er sei ein Statthalter von Christoph Blocher. Er habe noch nie eine Weisung von Blocher erhalten. Für ihn sei die Meinungsvielfalt auf einer Redaktion wichtig - nicht wer für oder gegen Blocher sei. Eine politische Haltung gebe es bei allen Zeitungen. Das sei gut so.
Müller machte keinen Hehl daraus, dass er immer eine liberale Grundhaltung vertreten habe. Das sei konform mit den NZZ-Statuten. Somm hatte unlängst Gespräche mit dem NZZ-Verwaltungsrat für die Nachfolge in der Chefredaktion der NZZ geführt, sich später aber zurückgezogen. Er ist FDP-Mitglied.
Für Strehle, der die politische Haltung des "Tages-Anzeigers" mit ökosozialliberal umschrieb, ist die Trennung von Fakten und Kommentar wichtig. Aufgabe des Journalismus sei es, die Mächtigen zu kontrollieren. Das gelte auch für den rot-grün dominierten Zürcher Stadtrat, der nicht immer sehr glücklich über die kritische Berichterstattung des "Tages-Anzeigers" sei. (sda)
Bild: Keystone
06.01.2015
Schweizer Medien
Chefredaktoren glauben nicht an die politische Presse
Markus Somm sagt, er habe noch nie eine Weisung von Blocher erhalten.
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