Chefredaktoren und Verlag trauern um Helmut Schmidt

Die Zeit - Auch SRG-Generaldirektor Roger de Weck äusserte sich zum Tod des langjährigen Herausgebers.

Die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" trauert um ihren langjährigen Herausgeber Helmut Schmidt. "Helmut Schmidt ist tot und wir, die ihn überlebt haben, müssen jetzt erwachsen werden. Ob wir es wollen oder nicht", sagte Chefredaktor Giovanni di Lorenzo am Dienstag in Hamburg.
 
Über 32 Jahre lang bei der "Zeit"
 
Der Geschäftsführer des Verlages, Rainer Esser, ergänzte: "Ich bin sehr glücklich, dass ich einen so klugen, liebenswürdigen und immer hilfsbereiten grossen Mann über 16 Jahre regelmässig treffen durfte. Wir werden ihn unendlich vermissen." Als Herausgeber, zeitweise auch als Verleger und Geschäftsführer, habe Schmidt 32 Jahre lang über die Geschicke des Blattes gewacht, teilten Redaktion und Verlag mit.
 
"Mit ungebrochener Schaffenskraft und nie versiegender Wissbegier hat Helmut Schmidt bis in seine letzten Lebenswochen an der Redaktionsarbeit Anteil genommen. Er hat sich lebhaft an unseren Konferenzen beteiligt, hat in unsere Diskussionen eingegriffen und Themen angeregt. Er hat nie aufgehört zu arbeiten und ist deshalb jung geblieben", schrieben die Blattmacher über den 96-Jährigen. "Sein kluges Urteil, seine Weisheit und seine Warmherzigkeit werden uns fehlen."
 
"Mehr als ein Pragmatiker"
 
Auch SRG-Generaldirektor Roger de Weck äusserte sich zum Tod von Helmut Schmidt. Als Redaktor und - von 1997 bis 2001 - Chefredaktor der "Zeit" habe er mit dem Altkanzler aufs engste zusammengearbeitet, hiess es in einer Stellungnahme vom Dienstag. Schmidts Definition linker Politik sei "pragmatisches Handeln in sittlicher Absicht" gewesen.
 
Als Staatsmann wie als Herausgeber der "Zeit" sei Schmidt aber viel mehr als ein Pragmatiker gewesen. "In Diskussionen hatte er die Gabe, vom ganz und gar Handfesten auszugehen, es zu überhöhen, neu zu betrachten und zu ordnen, um aus intellektueller Flughöhe wieder auf dem Boden der Tatsachen zu landen und realpolitische Schlüsse zu ziehen", schreibt de Weck weiter. (sda/dpa)