Der Weltzeitungsverband und das Weltforum für Chefredaktoren verlangen von China die Freilassung aller inhaftierten Journalisten und anderer Autoren bis zu den Olympischen Spielen in Peking. Wie der Sprecher des Weltforums, George Brock, am Dienstag in der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" angab, sind derzeit 30 chinesische Journalisten sowie 50 Internet-Blogger in Haft, weil sie Alarm geschlagen hätten wegen mangelhafter Information, Korruptionsverdachts oder inkompetenter Behörden.
Beim 61. Welt-Zeitungskongress in Göteborg meinte Brock weiter, China habe bei der Bewerbung um die Olympischen Spiele weitreichende Versprechungen mit Blick auf die Respektierung der Pressefreiheit gegeben. Jetzt müssten Regierung und Behörden zeigen, dass sie "reif genug sind, Kritik am eigenen Regime zu akzeptieren".
Preisträger darf nicht reisen
Zur Eröffnung des viertägigen Kongresses hatte der Verband am Vortag seinen Pressefreiheits-Preis "Goldener Stift" ("Golden Pen") an den Chinesen Li Changqing vergeben. Chinas Behörden verweigerten dem Preisträger einen Pass und damit die Teilnahme an der Verleihung in Anwesenheit von Schwedens König Carl XVI. Gustaf.
Li Changqing musste drei Jahre im Gefängnis verbringen, nachdem er über den Ausbruch einer ansteckenden Fieberkrankheit im südlichen China berichtet hatte. Die Dankesrede des Preisträgers wurde verlesen von der chinesischen Journalistin Li Jianhong, die wegen kritischer Artikel im Internet ebenfalls inhaftiert war.