Die NZZ feiert ihr 225-jähriges Jubiläum. Manche gratulieren und manche "mörgeln" am "freisinnigen Gotti" herum. Christoph Mörgeli zum Beispiel sieht in seiner Kolumne in der Weltwoche die NZZ nicht als das "liberale Gewissen" auftreten, das "den verwirrten Zögling wieder sanft auf bürgerliche Bahnen" geleitet. Wobei er mit dem "verwirrten Zögling" notabene die FDP meint.
NZZ-Inlandredaktor Martin Senti habe geschrieben: "Es ist das Wesen der Demokratie, dass sie gestaltend auf die Gesellschaft einwirkt" und nennt die Presse- und Meinungsfreiheit als Beispiele. Damit habe er den Liberalismus der heutigen Realität angepasst. Historiker Mörgeli fragt sich, ob diese Freiheitsrechte tatsächlich nichts anderes als ein "staatlicher Gnadenakt" seien.
Ludwig von Mises, liberaler Denker des 20. Jahrhunderts, habe sich gegen diese Theorie verwahrt: "Der schwerste politische Irrtum unserer Zeit ist die Verkennung der Wurzeln der modernen Freiheitsrechte. Man glaubt, dass Rede- und Pressefreiheit [...] ihren Ursprung und Bestand Staatsgrenzen verdanken. Doch was Gesezte in dieser Hinsicht vollbringen können, ist allein das, dass sie die Freiheiten vor Angriffen seitens des behördlichen Staatsapparates schützen."
Gemäss Mörgerli muss man Sentis Herleitung nach Mises nicht als "gedanklichen Fehlgriff", sondern als den "schwersten politischen Irrtum" der Gegenwart sehen. Wenn Senti seine "Freiheit zum Staat" Ludwig von Mises' "Freiheit ist hauptsächlich Freiheit vom Staat" entgegensetze, zeige dies "das allgemeine Begriffsbabylon".

