Clinch um Madame Etoile

SRF - Gehört Astrologie zum Service Public?

Ob die Sterne Sie vor diesem Ärger gewarnt hatten? Seit kurzem ist eine Online-Petition am Laufen, welche die Absetzung der SRF-Radio-Sendung von Monica Kissling fordert. Es ist dies nicht das erste Mal, dass Kritiker die Astrologie-Tipps aus dem Programm von SRF kippen wollen. Bei SRF scheint man nicht genau zu wissen, wie man darauf reagieren soll. Ebenfalls herrscht Verwirrung darüber, weshalb Madame Etoile 1991 eigentlich ins Programm aufgenommen wurde. Gegenüber Tagesanzeiger.ch begründete SRF-Sprecher Marco Meroni dies mit dem "grossen Ansehen in der hiesigen Astrologenszene". Kissling liefere "in wenigen Minuten die wichtigsten Informationen rund um die Sterne für die nächsten paar Tage".

Wenig später betonte Meroni dann jedoch gegenüber der "NZZ", dass SRF die Astrologin nichtsdestotrotz keineswegs als glaubwürdig einstufe. Auf eine erneute Nachfrage von Tagesanzeiger.ch erklärte Meroni dann schliesslich, dass es an den Hörern sei, die Glaubwürdigkeit von Frau Kissling zu beurteilen. Das Hin und Her des SRF-Sprechers gibt Hinweise auf das Dilemma, in welchem das Unternehmen sich befindet: Astrologie wird von der akademischen Wissenschaft als unseriös abgelehnt, und das Meroni selbst gibt zu: "Astrologie ist eine Glaubensfrage. Die Aussagen haben nicht den Anspruch, wissenschaftlich oder empirisch überprüfbar zu sein".

Bleibt nur noch die Sparte "Unterhaltung", um den Astro-Talk in das Programm des Service public zu retten. Ganz zum Ärger von Kissling: Sie sieht sich als seriöse "Erfahrungswissenschaftlerin", deren Prognosen ernst genommen werden sollten. Bei den Sendeverantwortlichen löst das wissenschaftliches Selbstbewusstsein der Astrologin ein merkliches Unbehagen aus, wie Tagesanzeiger.ch weiter schreibt. "Es ist nicht Sache von SRF zu beurteilen, ob Frau Kissling Erfahrungswissenschaften betreibt", so Sprecher Meroni und betont nochmals, dass Kissling als Unterhalterin angestellt sei. (tagesanzeiger.ch/cb)