ComCom entscheidet sich für die Swisscom

Handy-TV - Swiss Mobile TV geht leer aus.

Die Swisscom hat den Zuschlag für die landesweite Konzession für Handy –TV erhalten. Dies hat die Eidgenössische Kommunikationskommission ComCom gestern Donnerstag entschieden. Das von zwei grossen Telekom-Unternehmen unterstützte Startup Swiss Mobile TV (MoTV) geht dagegen leer aus. Der unterlegene Gesuchsteller bezeichnet das Verfahren als Farce.

Entscheidend für den Zuschlag sei gewesen, dass die Swisscom alleine Gewähr dafür bieten würde, rechtzeitig zur Euro 08 30 Prozent der Bevölkerung mit einer DVB-H-Abdeckung erreichen zu können, da nur die Swisscom Broadcast die notwendigen Antennenanlagen besitzen würde, erklärte die ComCom.

Die Swisscom wird somit Netzbetreiberin für das Handy-TV im digitalen Broadcasting-Verfahren, das bis zur Euro 2008 in den Städten Bern, Basel, Zürich und Genf erfolgen soll. Vorgesehen ist, dass bis Ende 2012 eine Netzabdeckung von 50 Prozent erreicht wird. Die Konzession beinhaltet Frequenzen für die Übertragung von TV- und Radioprogrammen sowie von Diensten, die auf Daten-Broadcasting basieren.

"Wir freuen uns über die Konzession und werden mit Hochdruck am Aufbau des Netzes arbeiten", erklärt Swisscom-Sprecher Christian Neuhaus auf Anfrage von "persoenlich.com". Ziel sei, bis zum Start der Euro 08 44 Prozent der Bevölkerung abzudecken. Welche Inhalte die Konsumenten erwarten dürfen, ist noch offen: "Swisscom Mobile ist derzeit daran, detailiierte Angebote für die Endkunden auszuarbeiten", so Neuhaus. Zugleich führt Swisscom Broadcast gegenwärtig Gespräche mit den Mobilfunkanbietern Orange und Sunrise über die Netzbenutzung und die Ausgestaltung der Programmangebote.

Konzessionsverfahren eine Farce?

ComCom-Präsident Marc Furrer attestierte laut MoTV ihrer Eingabe beachtliche Vorteile im inhaltlich medialen Konzept. Da von allem Anfang an der Medienvielfalt lediglich 20 Prozent Bedeutung beigemessen worden sei, schlug das für den Entscheid aber nicht zu Buche. Bei MoTV bedauert man den Konzessions-Entscheid in einer Stellungnahme ausserordentlich. Die Verantwortlichen sind davon überzeugt, dass ihr Konzept für die Schweiz und deren Medienvielfalt das bessere ist. Es handle sich hier nicht um eine Konzession für die Dauer einer Euro 08, sondern um ein Kapital intensives neues Geschäft für die nächsten 10 Jahre.

Zudem stelle sich die Frage, inwieweit der ganze Kriterienwettbewerb nicht einer Farce gleichkomme, wenn man der in Europa in der Sache am besten aufgestellte Firma nicht zutraue auch in der Schweiz erfolgreich zu sein. Hinter dem Startup stehen als Partner die südkoreanische SK Telekom, die seit 2004 Handy-TV betreibt und T-Systems Media & Brodcast. Die Tochter der Deutschen Telekom hat bereits Handy-TV-Netze in Berlin, Katar und Abu Dhabi aufgebaut.

Die Vergabe erfolgte mit einem Kriterienwettbewerb. Die Gesuchsteller mussten einerseits den Beweis erbringen, dass sie das Projekt finanzieren können und andererseits ein glaubwürdiges Konzept zur Umsetzung, Versorgung und zum Service einreichen. Die ComCom schrieb dabei keine spezifischen Inhalte für die digitalen Programme vor. Vorgabe war jedoch, einen Beitrag zur Medienvielfalt zu leisten und 70 Prozent der Übertragungskapazität zur Verbreitung von Radio- und Fernsehprogrammen zu nutzen.