Vergangenen Montag strahlte die SRF-Tagesschau einen Beitrag aus, in dem die Kampagnen zu den Abstimmungsvorlagen vom kommenden Sonntag unter die Lumpe genommen wurden. Dazu legte die Redaktion unter anderem Curdin Janett, CEO von Publicis Schweiz und Werber des Jahres, zwei Sujets zur Beurteilung vor: Das zum Hakenkreuz verzerrte Schweizerkreuz, das für Furore gesorgt hatte (persoenlich.com berichtete) und das Grossmutter-Sujet der Gotthard-Befürworter.
Nach der Ausstrahlung des Beitrags meldete sich Janett mit einem öffentlichen Kommentar bei persoenlich.com und äusserte seinen Unmut über die Arbeitsweise der «Tagesschau»-Redaktion (Kommentar hier in voller Länge).
Heftige Vorwürfe
Die Tagesschau habe ihn am Montag kontaktiert um seine Meinung zum Hakenkreuz-Sujet einzuholen. Er habe sich folgendermassen geäussert: «Das geht eben so wenig wie schwarze Schafe, Ratten und Messerstecher-Sujets. Die Abstimmungskampagnen erinnern leider stark an die 30er Jahre in Deutschland - kein Ort, wo man sich bedienen sollte.» Janett habe dann noch angefügt, dass ein Tourist der in diesen Tagen die Schweiz besucht denken könnte, hier finde eine «Outdoor-Austellung nazionalsozialistischer Plakate» statt.
Die «Tagesschau»-Redaktion habe diese Aussage im Beitrag gestrichen, laut Janett mit der Begründung, sie sei «eine einfache Schuldzuweisung an die Adresse der SVP.» Janett schreibt in seinem Kommentar: «Komisch genug, habe ich ja beide Seiten gleichermassen kritisiert.»
Das ist aber nicht das einzige Ärgernis für Janett. Seine Antworten, die dann gesendet wurden, hätten sich nicht auf die Frage nach dem Hakenkreuz-Sujet bezogen, sondern auf die Frage nach dem «Gotthard-Grosi»-Sujet.
Als er nach Ausstrahlung der «Tagesschau»-Redaktion seinen Unmut kundgetan habe, war die Antwort, diese Aussagen hätten die Frage ja auch beantwortet, und seine eigentlichen Antoworten hätten «den Fokus des Beitrages verschoben.»
Über dieses journalistische Selbstverständnis könne er nur den Kopf schütteln: «Wenn man meine Meinung nicht haben will, kann man mich ganz einfach nicht fragen.»
SRF wehrt Vorwürfe ab
Beim SRF kontert man, eine interviewte Person habe keinen Anspruch darauf, dass ihr der ganze Beitrag vorab präsentiert werde. «In der Regel kann davon ausgegangen werden, dass dem Interviewpartner bewusst ist, dass nur Ausschnitte des Gesprächs verwendet werden», sagt SRF-Mediensprecher Stefan Wyss auf Anfrage von persoenlich.com.
Der Autor eines Beitrags solle die Stellen auswählen, in denen sich der Befragte zum zentralen Sachverhalt am klarsten äussert. «Curdin Janett wurde bereits bei der Interviewanfrage darüber informiert, dass die «Tagesschau» von ihm eine generelle Einschätzung zum Stil der laufenden Abstimmungs-Kampagnen wollte.»
Wurden Janetts Antworten aus dem Kontext gerissen? «Wer den Beitrag anschaut, sieht, dass das nicht der Fall ist. Im Beitrag werden sowohl das Hakenkreuz-Sujet zur DSI als auch das Grossmutter-Sujet zur Gotthard-Abstimmung vorgestellt und man sieht auch, dass der Werber beide Sujets anschaut», heisst es bei SRF.
Zwar sei die publizierte Aussage von Janett tatsächlich ursprünglich eine Antwort auf die Frage nach dem Gotthard-Plakat gewesen, da er aber darauf geantwortet habe «Auch hier: Ich denke, es geht nicht, ich meine, der Mahnfinger und das Drohen funktioniert grundsätzlich schlecht in der Kommunikation. Angstmacherei auf diesem Niveau für eine Abstimmungsvorlage finde ich höchst bedenklich» sei die Autorin davon ausgegangen, dass die Aussage für beide Kampagnen Gültigkeit habe.