15.05.2006

"Da stehen reale Menschen und lesen unsere Zeitung. Hurra!"

Pünktlich um 16 Uhr ist am Montag die neue Abendzeitung heute erschienen. 32-Seiten zählt das Blatt, das in einer Auflage von 200'000 Exemplaren in den Städten Basel, Bern und Zürich verteilt wurde. Für das Redaktionsteam von heute endet damit eine Vorbereitungsphase, die vor allem von einem geprägt war: Stress. Wie heute-Chefredaktor Bernhard Weissberg die letzten Stunden vor der Lancierung der Pendlerzeitung erlebt hat, schildert er exklusiv auf "persoenlich.com".
"Da stehen reale Menschen und lesen unsere Zeitung. Hurra!"

"Montag, 16.40 Uhr. Es ist vollbracht. Freue ich mich? Irgendwie will vor lauter Adrenalin dieses Gefühl von Erfüllung und Erleichterung noch nicht bis ins Zentrum von mir dringen. Fakt 1: Die Zeitung ist erschienen, in drei Städten, in drei Ausgaben. Fakt 2: Es war Stress.

Begonnen hatte der gestern. Am Nachmittag arbeitete rund die Hälfte der heute-Leute in der Redaktion. Letzter Schliff an den 'frühen' Seiten, damit wir uns am Morgen voll auf die aktuellen Seiten, die "späten", konzentrieren können.

Die Nacht war -- nicht nur bei mir -- unruhig: Haben wir an dies gedacht, an jenes, die Gedanken purzeln munter durch den Kopf, Drehung nach links, Drehung nach rechts -- und irgendwann läutet der Wecker. Früh ist die Redaktion besetzt, früh machen wir uns an die Auswahl für die Fotoseite, eigentlich sollte alles früh sein. Denn ab 10 Uhr sind wir Objekt: Tagesschau, Le Journal, Telegiornale, die Privatradios aus Basel, Biel, Zürich, Solothurn, vom Zürichsee, alle wollen etwas, wenn möglich eine ganz spezielle Aussage, immer wieder die Frage, ob denn am Abend überhaupt gelesen werde.

Dazwischen versuche ich, die Texte zu den Bildern auf den Seite 10 und 11 zu schreiben, dabei aber die Blattstruktur im Auge zu behalten: Gigi Oeri spricht um 11 Uhr? Sind wir dabei? Haben wir Bilder? Wann ist der Text da? Was machen wir auf der Basler Regio-Seite? Wie hat Köbi bei Hakan Yakin entschieden? Was sagt Murat in seiner Kolumne? Was machen wir auf? Zeitungsmache ist die Summe vieler kleiner Entscheide...

13.15 Uhr, es ist soweit, alle Seiten produziert und auf dem Weg zu unseren drei Druckereien. Ich trommle nochmals alle zusammen, sage ein paar Worte, dann schneiden wir die Prachtstorte an, die uns zum Start unsere Kommunikationsabteilung spendiert hat. Die Stimmung schwankt zwischen euphorisch, gestresst und erschöpft. Ein Bissen tut allen gut. !

14.00 Uhr, Zwischenmeldung von der NZZ-Druckerei: Maschinen laufen, sieht auch in Bern und Basel gut aus. 14.30 Uhr, nach einem weiteren Radio-Auftritt: Die ersten Transporter sind unterwegs. 15.00 Uhr: Radio della Sivizzera Italiana. 15.10 Uhr: Am Hauptbahnhof Zürich werden die ersten Exemplare verteilt. Um 16.00 Uhr stehe ich selbst am Bahnhof Stadelhofen. Tatsächlich: Da stehen und sitzen reale Menschen und lesen unsere Zeitung. Hurra!"

(Text: Bernhard Weissberg)

Zum Thema:

Ruf Lanz: Startschuss für heute-Kampagne https://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=60077


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