Dank Staat lesen Junge wieder Zeitung

Frankreich - Mit Gratisabos gegen die Krise.

Seit Anfang des Monats können alle Franzosen zwischen 18 und 24 Jahren einmal pro Woche eine Ausgabe einer Tageszeitung ihrer Wahl kostenlos abonnieren. Die Zeitungen stellen die Exemplare dabei gratis zur Verfügung, die Lieferkosten trägt der Staat, die Abonnenten bezahlen nichts. Die entsprechende Entscheidung der französischen Regierung, die angeschlagene Pressewirtschaft mit zusätzlichen Subventionsgeldern in der Höhe von 600 Mio. Euro, aufgeteilt auf drei Jahre, zu unterstützen, hat in der europäischen Medienbranche zu Beginn des Jahres für einige Kontroversen gesorgt.

Seitdem wird rege diskutiert, ob es gerechtfertigt sei, dass der Staat die Presse, die mit sinkenden Anzeigeneinnahmen und mit ins Internet abwandernden Lesern zu kämpfen hat, mit hohen Fördergeldern versorgt. Eine wesentliche Frage, mit der sich Verlage und Politiker gleichermassen beschäftigen, ist, wie vor allem junge Menschen wieder zum Lesen von Tageszeitungen gebracht werden können. Mit der Gratisabo-Massnahme hofft Frankreich, den Medienkonsum der "Digital Natives" wieder auf Printmedien umleiten zu können.

Das französische Subventionskonzept stösst Verfechtern des marktwirtschaftlichen Realismus und der journalistischen Unabhängigkeit allerdings sauer auf. Den einen graut es vor einem stärkeren Einfluss des Staats in wirtschaftlichen Belangen, die anderen befürchten, dass Tageszeitungen dadurch zu willfährigen "Haus-und-Hof-Medien" der Regierung und des Staatsoberhaupts mutieren.

Das französische Konzept der Gratisabos für junge Erwachsene bewähre sich allerdings seit mehreren Jahren, berichtet die World Association of Newspapers (WAN). Jeanne-Emmanuelle Hutin, Mitglied im Direktorenkomitee der auflagenstärksten regionalen Tageszeitung Frankreichs "Ouest France" gab kürzlich auf der World Young Reader Conference bekannt, dass die Zeitung ihre Leserzahl in der Altersgruppe 18 bis 24 in drei Jahren um 22'000 steigern konnte. Zwölf Prozent hätten ihr Gratisabo nach Ablauf in ein kostenpflichtiges umgewandelt und 65 Prozent würden "Ouest France" nach Ablauf des kostenlosen Abonnements zumindest einmal pro Woche weiterlesen, so Hutin. Für die französische Medienmanagerin lautet das Erfolgsgeheimnis des Konzepts, dass "Ouest France" über Themen berichtet hat, die junge Leserschaft besonders interessieren. (pte)