Per Ende April 2026 wird Nathalie Wappler ihren Posten als Direktorin von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) räumen. In einem Podcast des Zürcher Pressevereins und der Zürcher PR-Gesellschaft steht sie ihrem ehemaligen Angestellten Reto Lipp (EcoTalk) Red und Antwort.
Sie wollte sich nicht länger verpflichten
Im Gespräch gibt Wappler detaillierten Einblick in die Beweggründe ihres Rücktritts, den sie im vergangenen Herbst angekündigt hatte. Es sei nicht der Spardruck an sich gewesen, sondern der Respekt vor dem anstehenden Transformationsprozess bis 2029, der den Ausschlag gab. Dieser neue Zyklus verlange eine langfristige Verpflichtung, die sie nicht mehr eingehen wollte. «Wenn du in diesen Prozess hineingehst, bedeutet das, dass du auch wieder das Commitment für fünf bis sieben Jahre abgibst: Ich mache das 24/7 mit allem, was das bedeutet», sagte Wappler im Gespräch mit Reto Lipp.
Diesen Zeithorizont bis zu ihrer Pensionierung wollte die 58-Jährige nicht mehr binden. Vor allem aber müsse die strategische Weichenstellung für die kommende Spar- und Umbauphase in der Hand jener Person liegen, die sie später auch verantwortet. Wappler wollte ihrer Nachfolge keine fertige Strategie hinterlassen. «Führungspositionen brauchen Gestaltungsspielraum. Man will nicht etwas ausführen, was jemand anders gebaut hat», so Wappler weiter.
«Man braucht einen wachen Blick»
Zudem zeigte sich die scheidende Direktorin selbstkritisch gegenüber zu langen Amtszeiten. Es bestehe die Gefahr, betriebsblind zu werden. «Man sollte sich nicht allzu sehr wiederholen. Man braucht einen wachen, frischen Blick und auch einen frischen Zugriff», wie Wappler im ComsumCast sagt.
Im Zentrum des Gesprächs steht der fundamentale Wandel der Mediennutzung. Wappler verweist auf die massive Zunahme der Streaming-Stunden in den letzten Jahren. Doch dieser Wandel bringt eine enorme organisatorische und finanzielle Herausforderung mit sich. Das Unternehmen muss einen schwierigen Spagat aushalten: Einerseits muss das klassische, lineare Programm für das Stammpublikum weiterlaufen, andererseits sind Investitionen in die digitale Zukunft nötig – und das bei sinkenden Budgets. «Es ist die Gleichzeitigkeit, die man bewältigen muss», so die SRF-Direktorin. Man müsse Finanzen für das Neue freischaufeln, die man eigentlich gar nicht habe, da das lineare Programm weiterhin Kosten verursache.
Wappler warnt vor einer Zentralisierung
Zur Halbierungsinitiative sagt Wappler, sollte sie angenommen werden, hätte dies gravierende Folgen für die föderale Struktur der SRG. «Man würde sofort zentralisieren. Aber die SRG muss in den Regionen sein, wir müssen wissen, wie dieses Land tickt», sagt Wappler im Gespräch mit Reto Lipp.
Gleichzeitig wehrt sie sich gegen den Vorwurf, SRF habe vorauseilend gespart. Die aktuellen Sparmassnahmen seien allein der Teuerung und dem politischen Gegenvorschlag des Bundesrates geschuldet. «Wir sparen jetzt, um den Gegenvorschlag überhaupt erfüllen zu können», stellt Wappler klar.
Ersatz läuft besser als abgesetztes «G&G»
Auch auf umstrittene Programmentscheide, wie die Einstellung des Gesellschaftsmagazins «Gesichter & Geschichten», kommt Lipp zu sprechen. Wappler verteidigt den Entscheid: Einerseits sei die zeitversetzte Nutzung der Sendung tief gewesen, andererseits habe das Format den linearen Fluss am Vorabend unterbrochen. «Es hat uns im Vorabend jedes Mal eine Delle gegeben», so Wappler. Das heutige Ersatzprogramm auf dem Sendeplatz laufe erfolgreicher.
Gleichzeitig räumt die Direktorin ein, dass durch den Wegfall des eigenständigen Formats etwas verloren gegangen ist. Die Strategie sei es nun, die Themen von «G&G» in die reichweitenstarken News-Gefässe wie «Tagesschau» oder «10 vor 10» zu integrieren.
Ihr wichtigster Karriere-Ratschlag
Für die Zeit nach ihrem Abgang bei SRF hat Wappler bereits eine neue Aufgabe: Sie wurde in den Medienrat von ARD und ZDF gewählt. Dort wird sie die Auftragserfüllung der deutschen Öffentlich-Rechtlichen überwachen.
Als wichtigsten Ratschlag, den sie in ihrer Karriere erhalten hat, nannte Wappler: «Vertraue der Irritation.» (nil)