Herr Wildberger, wie sehr schmerzt es Sie, dass Facts heute zum letzten Mal erschienen ist?
Ich finde es ganz einfach schade. Dass Facts verschwindet, ist zweifellos ein publizistischer Verlust. Umgekehrt verstehe ich, dass der Titel bei sinkenden Leserzahlen und rückläufigem Inserate-Aufkommen nicht mehr finanziert werden konnte.
War die Einstellung unvermeidbar?
Angesichts der heutigen Zahlen musste die Tamedia Facts einstellen. Eine andere Frage ist, ob es nicht möglich gewesen wäre, den negativen Trend früher zu brechen. Als wir 1995 angefangen haben, hatten wir das Glück, dass die besten Journalisten des Landes für uns schrieben. Wir sorgten in den ersten Jahren mit sehr vielen Artikeln für Aufsehen. Eine Vielzahl der Titelgeschichten wurde landesweit diskutiert. Mit über 600'000 Lesern schrieben wir bereits nach drei Jahren schwarze Zahlen. Dann fing die Erosion an -- und für die gibt es verschiedene Gründe.
Welche denn?
Die vielen Konzeptwechsel zwischen Nachrichten- und Unterhaltungsmagazin wirkten sich negativ aus. Ebenso die permanenten Chefredaktorenwechsel, bis am Schluss gar ein Teilzeitchefredaktor ins Amt berufen wurde, der zwar viel arbeitete aber immer eine Fallback-Position hatte. In dieser Konstellation wurde es schwierig, die besten Journalisten für das Blatt zu gewinnen.
Welche Fehler beging der Verlag?
Tatsache ist, dass Facts in den letzten Jahren kein Blatt mehr war, das die laufende publizistische Debatte prägte. Selbst gute Geschichten wurden nicht mehr wahrgenommen, was auch mit der Aufbereitung der Texte zu tun hat. Jüngere Leser wurden nicht mehr systematisch angesprochen. Ein Wochentitel, der sich aus der Diskussion verabschiedet, ist publizistisch kein Erfolg.
Welche publizistische Idee stand bei der Gründung hinter Facts?
Wir hatten einen sehr breiten Nachrichtenbegriff. Themen aus den Ressorts Wissen, Gesellschaft, Kultur und Sport wurden gleich gewichtet mit den politischen und wirtschaftlichen Geschichten. Das Blatt war thematisch sehr breit ausgerichtet. Wir richteten uns systematisch mit der Themenauswahl immer wieder auf die jungen Leser aus und hatten damit auch Erfolg. Unser grosser Vorteil war, dass die einzelnen Ressorts hervorragend besetzt waren. Wir hatten damals zum Beispiel das beste Inlands-, Wirtschafts- und Wissenschaftsressort. Viele Journalisten der Gründungscrew machten später Karriere im In- und Ausland. Dank diesem Fundament konnten wir auch problemlos People- und Unterhaltungsgeschichten publizieren. Wir hatten zu jedem Zeitpunkt genügend Substanz im Blatt.
Facts war nur in einem Jahr nicht defizitär. War dieses Konzept rückblickend gesehen falsch?
Ich war in den ersten drei Jahren dabei. Und da ging es stets aufwärts. Ich glaube, dass es möglich gewesen wäre, mit dem richtigen journalistischen Konzept erfolgreich zu sein. Dass die Zahlen nun so eingebrochen sind, hat aber auch andere Gründe. Inserateseitig gibt es den Trend weg von den Titeln unter der Woche hin zum Sonntag.
Mit der Einstellung von Cash und Facts entsteht Raum für einen neuen Titel. Wie müsste der aussehen?
Das kann ich nicht sagen. Das Aus von Cash und Facts ist zuallererst ein Geschenk an die Weltwoche, die mit Sicherheit vom Verschwinden dieser Titel profitieren wird Einige hundert Inserateseiten schwirren heute heimatlos umher, zugleich werden einige Leser auch in Zukunft eine Zeitschrift am Donnerstag lesen wollen.
(Interview: David Vonplon)
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