Das Baselbiet wird nicht so bald eine "BaZ-Nordwestschweiz"

- Kooperationen sind in der Verlagsbranche derzeit das "Mot du Jour", kaum eine Veranstaltung, an der nicht auf den Zwang zu vermehrter Zusammenarbeit hingewiesen würde. Doch auch hinter den Kulissen laufen Gespräche, allesamt selbstverständlich "informell" und "unverbindlich". Nachdem "persoenlich.com" vor einer Woche die Chancen einer regionalen Expansion der Tamedia untersuchte, haben wir uns jetzt bei möglichen Partnern der Basler Zeitung umgehört.

"Ich habe bereits mit einigen Verlagen aus der Region geredet und bin auf einige offene Türen gestossen", sagte Matthias Hagemann im vergangenen September gegenüber "persoenlich.com". Wenige Tage zuvor hatte der BaZ-Verleger in Pratteln (BL) am "Tag der Baselbieter Wirtschaft" in einem Referat "einen möglichen Königsweg" skizziert: Analog jenem Modell, das Verleger Hanspeter Lebrument mit seiner Südostschweiz und 14 Partnerblättern praktiziert, könnte auch in der Nordwestschweiz eine verlegerische Zusammenarbeit vereinbart werden -- redaktionell oder anzeigenseitig. Hagemann versprach damals, einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen.

Seither herrscht Funkstille, weder mit der Basellandschaftlichen Zeitung in Liestal, noch mit der Volksstimme (Sissach) oder der Fricktaler Zeitung (Rheinfelden) haben weitere Gespräche stattgefunden. Hagemann: "Erst müssen wir die neue Basler Zeitung konzipieren, sonst gackere ich über ungelegte Eier."

Klar ist immerhin, dass für die BaZ neben der 50-Prozent-Tochter Fricktaler Bote (Auflage gut 6000 Exemplare) als Partner primär die bereits genannten Titel in Frage kommen: Die Kleinräumigkeit der Schweiz verunmögliche eine weitere Expansion Richtung Jura oder Mittelland, und für eine vertiefte Kooperation über die Landesgrenze hinweg seien Anzeigen- und Lesermarkt zu verschieden, so Hagemann. "Die Regio Basilensis ist in weiten Teilen ein Kunstprodukt."

Doch auch bei den potentiellen Bräuten in der Basler Landschaft ist der Wunsch zur Partnerschaft nicht überall gegeben. Zwar kann sich Volksstimme-Chefredaktor Rolf Wirz, der das drei Mal wöchentlich erscheinende Blatt gemeinsam mit der Inhaberfamilie führt, eine Zusammenarbeit "unter gewissen Voraussetzungen vorstellen". Die Volksstimme (Auflage: 8000 Exemplare) leide darunter, dass sie bei nationalen Werbekampagnen nicht bebucht werde. Aber: "Redaktionelle Kooperationen sehe ich weniger, das wäre eine Selbstaufgabe." Denn auf der lokalen Ebene verfüge man über einen USP, mit dem das Blatt als Zweitzeitung eine Nische besetze. Immerhin teilen sich die Volksstimme und die Basellandschaftliche Zeitung einzelne Freie Mitarbeiter, ausserdem bieten die beiden Blätter gemeinsam mit der Fricktaler Zeitung das Inserate-Kombi "Hattrick" an.

Walter Herzog, Inhaber der ebenfalls drei Mal pro Woche publizierten Fricktaler Zeitung (Auflage knapp 4400 Exemplare), hält sich alle Optionen frei. "Für Möglichkeiten muss man immer offen sein." Entscheidend sei, dass das Blatt mit seiner 140-jährigen Tradition eine unabhängige Lokalzeitung bleibe. "Das ist für diese eigenständige Region wie das Fricktal (Aargau) ganz wichtig." Zudem dürfe der Leser nicht vergessen gehen, was bei verlegerisch motivierten Zusammengängen doch oft der Fall sei. In welcher Form sich Herzog eine allfällige Kooperation vorstellen könnte, will er aber nicht sagen. "Man muss den konkreten Fall prüfen."

Viel klarer fällt demgegenüber die Antwort von Mathis Lüdin aus, dem Verlagsleiter der Basellandschaftlichen Zeitung: "In dieser Region wird sich auf absehbare Zeit gar nichts bewegen." Entsprechend gibt der Chef der mit einer Auflage von 24'000 Exemplaren grössten lokalen BaZ-Konkurrentin dem Ansinnen von Hagemann auch "nur eine sehr geringe Chance". "Die BZ hat keinen Bedarf, die Synergien sind sowieso nicht riesig." Zum Modell der Südostschweiz findet Lüdin: "Das würde die Selbstaufgabe bedeuten, dort ist ja sowieso alles in der Regie von Lebrument." Vor dem Hintergrunde der Geschichte der beiden Blätter sei es jedenfalls "unsinnig" wenn "die einzige Baselbieter Tageszeitung" mit der BaZ kooperierte. "Eher würde ich mit Zürcher oder Aargauer Verlegern zusammenarbeiten, das wäre sinnvoller und würde die Konkurrenz beleben." Doch auch davon sei er zur Zeit weit entfernt, so Lüdin, wenngleich sich nach jeder Tagung die Gerüchte überböten, von wem er nun übernommen werde. "Uns geht es gut, eine Übernahme ist kein Thema", sagt Lüdin, der sich über Hagemanns wiederholte Äusserung ärgert, die Basellandschaftliche dürfe keinesfalls in Zürcher Hände fallen. "Das ist mühsam und imageschädigend -- wenn nicht gar eine Frechheit."

So verharrt denn das Baselbiet bestenfalls in Warteposition. Walter Herzog etwa sieht "keinen unmittelbaren Handlungsbedarf", und Rolf Wirz meint: "Wir warten auf Hagemanns Vorschläge." Der BAZ-Verleger wiederum gibt zu: "Es läge nun tatsächlich an uns, etwas Sinnvolles zu präsentieren. Man muss uns aber noch eine gewisse Zeit geben. Es handelt sich um ein langfristiges Projekt."

Immerhin beurteilt Hanspeter Lebrument die Chancen, sein Modell in der Nordwestschweiz umzusetzen, als intakt: "Prinzipiell könnte das funktionieren." Allerdings müssten die regionalen Eigenheiten berücksichtigt werden. Wichtig sei zudem, dass eine Kooperation nicht als Vorstufe zur Übernahme verstanden werde. "Matthias Hagemann könnte es von seiner Art her schaffen, das nötige Vertrauen einzuflössen."