Das deutsche Nachrichtenmagazin portraitiert Roger Köppel

Der Spiegel - «Der Spiegel» widmet dem «Weltwoche»-Verleger und SVP-Nationalrat viereinhalb Seiten.

Grosse Ehre für den Zürcher SVP-Nationalrat Roger Köppel: Das deutsche Nachrichtenmagazin widmet ihm in der aktuellen Ausgabe ein viereinhalbseitiges Portrait. In der Schweizer Teilausgabe ziert er sogar den Titel. Diese Auszeichnung wurde bislang nur Köppels Landsmännern Max Frisch und Christoph Blocher zuteil. Titel des Artikels «Köppel! Ein Rechtspopulist verwandelt die Schweiz». Es ist bereits das dritte Mal, dass der «Spiegel» ein Köppel-Portrait bingt. Autor des Artikels ist der bekannte «Spiegel»-Journalist Thomas Hüetlin. In Deutschland hat Köppel aufgrund seiner unzähligen Talkshowauftritte eine grosse Bekanntheit.

Mit der «Sprache und Haltung eines Rechtspopulisten» sei Köppel zu «einem der Stars der Schweizer Politik geworden», so der «Spiegel». Köppel hingegen führt seinen Erfolg auf seine «protestantische Unerbittlichkeit» zurück. Früher hingegen sei Köppel für «einen unkonventionellen Blick auf die Welt» gestanden. Als Chefredaktor des «Magazins» und der «Weltwoche» habe er Ende der Neunzigerjahre einen «coolen und provokativen Journalismus» erfunden. Damals, interpretiert Hüetlin, sei Köppel «noch nicht offen» zu seiner rechten Gesinnung gestanden. Erst seit seiner Rückkehr aus Deutschland, wo er während zweier Jahre die Tageszeitung «Die Welt» leitete, lasse er keine Zweifel aufkommen, dass für ihn die «Wahrheit rechts zu finden» sei.

Er sei aber «kein dumpfer Spiesser wie das freakhaft wirkende Personal der AFD», so Hüetlins Einschätzung. Trotzdem kritisiert der «Spiegel»-Autor die Titelbilder der «Weltwoche» und die Härte, mit denen Kampagnen gefahren würden. Köppel, der früher den neckischen Übernamen «Harry Potter» getragen habe, sei heute ein «mächtiger Mann», vor dem heute viele Angst hätten. Als Schlüsselerlebnis für Köppels Politisierung sei ein Interview mit SVP-Übervater Christoph Blocher gewesen.

Schawinski als Gegenpol

Im viereinhalbseitigen Artikel kommen nur Kritiker Köppels zu Wort, dafür aber ausschliesslich solche mit klingenden Namen. Medienpionier Roger Schawinski, Bestsellerautor Martin Suter oder «Magazin»-Redaktor Bruno Ziauddin, der soeben einen Schlüsselroman über Roger Köppel publiziert hat. Schawinski wird im Portrait als journalistischen Gegenpol von Köppel dargestellt. Für den Medienpionier ist sein langjähriger Kollege, mit welchem er bis vor kurzem eine wöchentliche Radiosendung bestritt, eloquent und fleissig aber auch «sehr gefährlich», da ihm ein moralisches Fundament fehle. Köppel selbst kann im Artikel auf solche Aussagen nicht reagieren. Mit dem langjährigen «Weltwoche»-Kolumnisten Martin Suter beispielsweise, der ihn als «mehr rechtshaberisch als rechts» bezeichnet, hat Köppel seit einem Jahrzehnt keinen Kontakt mehr.

Bei aller Kritik, bei allem Unverständnis über Köppels Werdegang, lässt Autor Hüetlin auch eine gewisse Faszination, ja sogar Bewunderung für Köppel durchblicken. Hüetlin kennt Köppel noch aus seiner Berliner Zeit, als dieser die «Welt» leitete. «Das Anything-Goes seiner früheren Blattmacherjahre», so Hüetlins Schlussfazit, «hat er umgewandelt: Alles geht, ohne Tempolimit, aber nur auf der rechten Spur. Für einen Intellektuellen wie ihn gibt es dort viel Raum. Wenn man ihn aber von früher kennt, wirkt der Roger Köppel von heute wie ein Geisterfahrer». (ma).