Am Freitag hat in Zürich das erste Schweizer Reporter-Forum stattgefunden. 130 Teilnehmer trafen sich zu Workshops, Diskussions-Panels und Referaten. Das Forum war seit Monaten ausverkauft. "Wir haben damit offenbar einen Nerv getroffen", sagt Vorstandsmitglied Julian Schmidli gegenüber persoenlich.com. Der SRF-Journalist zeigt sich begeistert über das rege Interesse am Beruf des Reporters.
Das Programm bestand aus 15 teilweise parallel laufenden Programmpunkten. In Textworkshops haben die mehrheitlich jungen Teilnehmer ein Feedback auf zuvor eingesandte Texte erhalten. Mit ihren Helden an einem Tisch zu sitzen und ehrliche, aber direkte Rückmeldungen zu erhalten, sei einfach grossartig, berichtete eine Teilnehmerin.
'Text als Medium ist klug - nicht doof. Naivität ist schwierig in Reportagen.' Textarbeit mit @GuidoMingels #rfch15 pic.twitter.com/TpRertS00O
— Hannes Grassegger (@HNSGR) 9. Oktober 2015Die Textschule war für viele ein Highlight des Tages, sagt auch Schmidli: "Im Berufsalltag kommt das Handwerkliche, das Arbeiten an sprachlichen Finessen oft zu kurz."
Die Planung für das Reporter-Forum hat vor einem Jahr begonnen. Die Teilnehmer zu inspirieren, ihnen einen Raum für kritische Reflexion zu bieten, ist den 16 jungen Gründungsmitgliedern dabei besonders wichtig. "Wir wollten eine Plattform für streitbare Diskussionen bieten und das ist uns gelungen", sagt Schmidli. Als Beispiel nennt er die lebhafte und emotionale Debatte zwischen Schriftsteller Lukas Bärfuss und Reporterin Margrit Sprecher.
"Ich habe den Eindruck, dass die Schweizerische Presse gekauft ist." Lukas Bärfuss #rfch15 pic.twitter.com/ZRAmJsaId3
— Reporter-Forum CH (@reporterforumCH) 9. Oktober 2015Ein weiteres Highlight war das Referat von Mathieu von Rohr. Der stellvertretende Auslandchef beim "Spiegel" erzählte, wie zehn Reporter an einem gemeinsamen Text arbeiten. Carlos Dada berichtete aus seiner Heimat El Salvador und wie er im Land mit der höchsten Mordrate investigativen Journalismus betreibt.
"Titel-Reportagen von @DerSPIEGEL werden nicht geschrieben, sondern gebaut." @mathieuvonrohr erklärt Inputs. #rfch15 pic.twitter.com/V7DpgNabCp
— Konrad Weber (@konradweber) 9. Oktober 2015NZZ-Reporterin Inga Rogg hat via Skype-Verbindung ihren langjährigen Stringer aus Bagdad vorgestellt – ein Vertreter einer Berufsgruppe, von der im Journalismus so viel abhängt und die doch so unbekannt ist.
Live-Schaltung nach Baghdad mit NZZ-Korrespondentin @ingarogg zu ihrem Stringer am #rfch15 - spannend! pic.twitter.com/sm9mq8GOrp
— Eva Hirschi (@EvaHirschi) 9. Oktober 2015Das Ziel des Forums, Wissen zu bündeln und dieses weiterzugeben damit alle etwas besser werden, wurde aus Sicht der Veranstalter erreicht. Darf nach der erfolgreichen ersten Durchführung also mit einer Wiederholung im nächsten Jahr gerechnet werden? Julian Schmidli zeigt sich optimistisch: "Ich würde mal vorsichtig ankündigen, dass es ein nächstes Mal gibt. Entscheiden muss das aber der gesamte Verein Reporter-Forum."
Das Beste am #rfch15: Mit Dutzenden Journalisten im Raum zu sein, die alle bis in die Haarspitzen motiviert sind Journalismus zu machen.
— Corsin Zander (@CorsinZander) 9. Oktober 2015Text: Boas Ruh, Bilder: Markus Forte