Die neuen Radionamen sind bekannt (persoenlich.com berichtete). Wie zufrieden sind Sie persönlich mit dem Resultat?
Alex Hefter: Ich bin sehr zufrieden. Mich überzeugen sowohl die neuen Radionamen wie auch die grafische Gestaltung ihrer Logos. Wir hatten drei Ziele: Erstens wollten wir die Dachmarke SRF in allen Radiokanälen verankern. Zweitens galt es, mit den Logos bildlich eine Familie zu kreieren. Und drittens war uns wichtig, dass das Individuelle der einzelnen Kanäle emotional zum Ausdruck kommt.
Sie haben sich für die Strategie "branded house" entschieden, wieso?
Hansruedi Schoch: Die Strategie "branded house" ist die logische Folge der Medienkonvergenz: SRF ist ein Unternehmen mit vielen Gesichtern und einem vielfältigen Angebot auf verschiedenen Vektoren. Die neuen Marken stehen zum einen für Zusammengehörigkeit und ein Gesamtangebot "aus einer Hand": Das signalisiert die Dachmarke SRF, die überall aufscheint. Zum andern zeichnen sich die einzelnen Marken durch hohe Eigenständigkeit aus.
Von wem haben Sie sich inspirieren lassen?
Alex Hefter: Wir setzten uns intensiv mit den Radiomachern, ihren Kanälen und Zielgruppen auseinander. So konnten wir gemeinsam das Individuelle, die Idee hinter den einzelnen Radios herausschälen und in die Visualität umsetzen. Wir gingen also sehr strategisch vor: Positionierten die Marke, arbeiteten das Image heraus und gaben ihm ein "Gesicht".
Und von welchen anderen Radio- und Fernsehstationen im Ausland?
Alex Hefter: Da sticht einem natürlich BBC als positives Beispiel sofort ins Auge. Aber auch Frankreichs öffentlich-rechtliches Fernsehen France Télévision hat ein sehr schönes Brandingsystem über die Radio- und Fernsehkanäle. Abgeschreckt haben uns Individualmarken, bei denen wir die Dachmarke nicht mehr erkannten.
"DRS" ist in den Köpfen der Schweizer Hörer stark verankert. Ist es Ihnen schwer gefallen, diese Marke aufzugeben?
Hansruedi Schoch: Nein, nicht wenn man sich vergegenwärtigt, wofür das Kürzel DRS steht: es steht für "deutsche und rätoromanische Schweiz" und entspricht damit der Realität der Angebote schon länger nicht mehr. Das neue SRF-Branding bringt die heutige Unternehmens- und Angebotsrealität auf den Punkt. Und ja, selbstverständlich haben auch wir - wie alle Schweizerinnen und Schweizer - einen engen Bezug zur Marke DRS, wir alle sind damit aufgewachsen. Zentral ist letztlich aber nicht die Verpackung, sondern die hervorragende Qualität des Inhalts, unserer Programme. Und die wird sich selbstverständlich nicht ändern.
Wird man in Zukunft wirklich Radio SRF 1 sagen und nicht bloss Radio 1?
Alex Hefter: Radio 1 werden wir sicher nicht sagen. Die Schriftweise ist mit Radio SRF 1 definiert. Aber natürlich sprechen wir "inhouse" weiterhin abgekürzt vom Eins, Drei oder von den Vier News etc. Auch die Moderatoren werden selbstverständlich sehr publikumsnah und emotional mit den Kanalmarken umgehen und nicht den langen, Schrift-Namen brauchen.
Welche Rolle spielte in dieser Diskussion Roger Schawinski mit seinem Radio 1? Stand ein Kauf seiner Marke zur Diskussion?
Hansruedi Schoch: Keine und nein, wieso auch? Schweizer Radio DRS 1 gibt es als Marke seit bald 50 Jahren, Radio 1 gerade mal seit 4. Aus Radio DRS 1 wird jetzt Radio SRF 1, das hat mit Roger Schawinski doch gar nichts zu tun.
Aus SF 1 wird SRF 1. Wie unterscheiden Sie dann zwischen Radio SRF 1 und SRF 1, wenn abgekürzt bei beiden von der Eins gesprochen wird?
Alex Hefter: Die Sprache fürs TV werden wir noch entwickeln. Ich gehe aber davon aus, dass man immer von SRF 1 sprechen wird.
Die Konvergenzstrategie wurde 2010 beschlossen. Warum werden die Namen erst jetzt angepasst?
Hansruedi Schoch: Es wäre Augenwischerei gewesen, als erste Massnahme die Namen und Logos zu ändern. Zuerst mussten Schweizer Radio DRS und das Schweizer Fernsehen organisatorisch und wo sinnvoll auch inhaltlich zusammengeführt werden. Inzwischen haben wir auf vielen Redaktionen von Radio und TV eine hervorragende Zusammenarbeit und erste neue Angebote, die weder dem einen noch dem anderen Medium zuzuordnen sind. Hier ist es wichtig, das Publikum nicht mit einem Logo-Salat zu verwirren, sondern einen klaren Absender zu haben. Deshalb lancieren wir die neuen Marken auch erst dann, wenn es wirklich wichtig wird: mit dem Start des neuen, gemeinsamen Webauftritts srf.ch, der gegen Ende dieses Jahres die Inhalte von drs.ch und sf.tv zusammenführt.
Verschiedene Fernsehsignete ("10v10", "Tagesschau") wurden vor noch nicht einmal einem Monat erneuert. Jetzt sind sie bereits wieder veraltet. Haben Sie schlecht getimt?
Alex Hefter: Nein, das konnten wir nicht anders planen. Wir mussten die News-Signete auf Ende Februar HD-tauglich machen. Es hätte sich nicht gelohnt, die alten Signete für die kurze Zeit noch abzuändern. Nun müssen wir nur noch SF durch SRF ersetzen. Das ist schnell gemacht, es ist alles vorbereitet.
Günstiger gewesen wäre es, wenn Sie die neuen Namen vor der Umstellung auf HD lanciert hätten?
Alex Hefter: Die HD-Anpassung bringt eine technische Umstellung mit sich, die mit dem Rebranding nichts zu tun hat. Die Signete liegen bereits mit SRF vor und müssen zum entsprechenden Zeitpunkt nur noch aufgeschaltet werden.
Optisch wirken die Logos sehr frisch. Sie fallen auf. Welche Überlegungen stecken dahinter?
Alex Hefter: Die Ideen kommen aus der Emotionalität der Kanäle heraus. Wir suchten für alle das Design, die Bildsprache und die Farbe, welche ihr Lebensgefühl in Bezug auf das Publikum am besten repräsentierten. Jugendlichkeit strahlen beispielsweise die Drei und Virus aus. Sie haben ein eher jüngeres Publikum. Mit den entsprechenden Grafiken und den Farben Schwarz und Leuchtgrün tragen wir ihnen Rechnung. Bei der Musikwelle kreierten wir ein frisches Design in einem hellen Blau, welches wiederum zum Musikstil und zur Hörerschaft dieses Senders passt.
Mit wem haben Sie das Design kreiert?
Alex Hefter: Den gesamten Brandingprozess - von der Markenpositionierung, über die Namensentwicklung bis hin zum Logodesign haben vier weiteren Spezialisten von SRF und ich in den vergangenen neun Monaten entwickelt. Vereinzelt holten wir zum Beispiel bei Markenexperten Zweitmeinungen ein, im Designbereich unterstützte uns die englische Agentur DunningPenneyJones für den letzten Feinschliff.
Was kostet das Rebranding der Namen?
Alex Hefter: Ohne unsere eigenen Löhne rund 70'000 Franken.
In den letzten 25 Jahren wechselte die SRG alle fünf Jahre die Namen der verschiedenen Sender. Wie lange sollen die Neuen halten?
Alex Hefter: Auf jeden Fall sehr lang! Ein Rebranding von diesem Ausmass geschieht zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens und sicher nicht alle paar Jahre. Bei der SRG wurde der Namens- und Markenlaunch durch das Umsetzen der Konvergenz von Radio und Fernsehen dringend nötig.
Interview: Christine Schnyder