Watson: «Es gibt keinen Deal, und das bedeutet auch, dass es dem russischen Präsidenten nicht gelungen ist, seinen amerikanischen Amtskollegen einzuseifen und auf Kosten der Ukraine mit dem US-Präsidenten eine schäbige Vereinbarung zu treffen», schrieb Watson zum Trump-Putin-Gipfel in Alaska. Sein erklärtes Ziel, dem russischen Präsidenten einen sofortigen Waffenstillstand abzubringen, habe er nicht erreicht. «Der US-Präsident war auch für seine Verhältnisse äusserst diszipliniert», so das Newsportal weiter. «Auch der russische Präsident hat sein Ziel noch nicht erreicht.» Nach Zehn Minuten sei die Pressekonferenz vorbei gewesen. «Immerhin dürfen wir feststellen, dass ein zweites Jalta verhindert werden konnte. (...) Ob Trump sich tatsächlich dazu durchringen kann, endlich mit aller Härte gegen den Kriegsverbrecher Putin vorzugehen, weiss wahrscheinlich nicht einmal der Himmel.»
SRF: «Noch nie blieben wir Journalisten nach einem Auftritt von US-Präsident Trump mit so vielen Fragezeichen zurück», schrieb das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in einer Analyse. Fragen habe weder Trump noch Putin beantwortet. «So wie es unmittelbar nach diesem gemeinsamen Auftritt von Trump und Putin aussieht, war dieser Gipfel in Anchorage ein Erfolg für Russlands Präsidenten Putin, aber keiner für Donald Trump», schrieb SRF. Das Bild, das dieses Gipfeltreffen wohl am besten beschreibe, sei jenes des zufrieden lächelnden Putin im ‹Beast›, der schwer gepanzerten Limousine des US-Präsidenten. «So bleibt von diesem Gipfel ein schales Gefühl und noch mehr Verwirrung.» Trump habe offenkundig nicht erhalten, was er wollte. Doch Putin scheine ihm genügend geboten zu haben, dass der US-Präsident engagiert bleibe. «Was das ist, wusste die Welt zu dem Zeitpunkt, als die beiden Präsidentenmaschinen kurz nacheinander und nach sehr viel kürzerem Aufenthalt als geplant wieder von Anchorage abhoben, nicht.»
Tamedia: «Geht es um Frieden in der Ukraine oder nur um Selbstdarstellung?», fragen die Tamedia-Zeitungen in einer Analyse. Das Treffen zwischen Trump und Putin bezeichnete die Zeitung als «verstörend». Für Putin sei im kühlen Alaska der rote Teppich ausgerollt worden, «obwohl Putin vom Internationalen Gerichtshof wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen angeklagt ist und in zahlreichen Ländern verhaftet würde.» Knapp drei Stunden nach Beginn ihrer Unterredung hätten sich Trump und Putin an je ein Pult mit der amerikanischen und russischen Flagge gestellt. «‹Pursuing peace› steht als Motto dazwischen, ‹Streben nach Frieden›, doch von Frieden kann keine Rede sein. Die Ukraine wird wie gehabt angegriffen, auf dem Schlachtfeld wird gestorben.»
NZZ: «Fest steht: Das Treffen war sehr gute PR für beide [Staatschefs]», heisst es in einer Video-Analyse der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Wladimir Putin konnte sich als Anführer einer Grossmacht in Szene setzen. Und er konnte die internationale Isolation durchbrechen, mit der ihn der Westen seit Kriegsbeginn bestraft hat. Donald Trump wiederum war sichtlich geschmeichelt, als Putin die Schuld am Krieg vor der ganzen Weltöffentlichkeit den vorherigen US-Präsidenten Joe Biden in die Schuhe schob. «Für Wladimir Putin und Donald Trump war das Treffen ein grosser Erfolg. Ob das auch für die Ukraine gelten wird, darf im Moment bezweifelt werden», so die NZZ.
Aargauer Zeitung: Die schlimmsten Befürchtungen hätten sich nicht bestätigt, schrieben die CH-Media Zeitungen. «Am Freitag willigte Donald Trump wohl nicht dazu ein, dem russischen Machthaber Wladimir Putin ein grosses europäisches Land zum Frass vorzuwerfen.» Das sei eine gute Nachricht für die Demokratien dieser Welt und eine schlechte für Russland. Und Trump könne weiterhin darauf hoffen, für seine Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg dereinst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet zu werden. «Aber so richtig freuen kann man sich über das abrupte und mysteriöse Ende des Gipfels im hohen Norden Amerikas eigentlich auch nicht. Denn der Krieg und damit auch das Blutvergiessen, für das die russischen Streitkräfte verantwortlich sind, wird nun weitergehen», so die Zeitungen weiter.
Blick: Wichtig am Trump-Putin-Gipfel in Alaska war laut dem Blick, was nicht gesagt wurde. «So erwähnte weder Trump noch Putin das Wort ‹Waffenstillstand›. Und keiner der beiden machte spezifische Angaben darüber, wo man sich angenähert habe», schrieb der Blick. Ein Gipfel ohne Resultate sei für Putin klar vorteilhaft. «Er konnte den steigenden Druck aus den USA vorerst abbauen. Neue Wirtschaftssanktionen stehen aktuell nicht mehr im Raum. Putin kann weitermachen in der Ukraine.» Trump dagegen hätte gehofft, einem Waffenstillstand deutlich näherzukommen. «Dieses Ziel hat er verfehlt.» Gleichzeitig habe er mit dem Treffen Putin viel Respekt erwiesen, ihm einen roten Teppich ausgerollt und in seiner Limousine chauffiert. «Damit konnte sich der vom Westen sanktionierte Putin wieder als Vertreter einer militärischen Weltmacht präsentieren, die auf demselben Niveau steht wie die USA», so der Blick. «Immerhin war das Treffen auch keine Katastrophe für die Ukraine. Es wurde kein unvorteilhafter Landtausch über die Köpfe der Ukrainer hinweg beschlossen. Der Weg zum Frieden bleibt aber völlig unklar.» (sda/spo)