Florenz Schaffner, Leiter E-Medien AZ (Tele M1/TeleTell):
"Es wird grosse Unterschiede geben. Wieviel Gebührenanteile unsere Sender schlussendlich bekommen werden, ist noch vollkommen offen. Klar ist nur, dass beide seit Jahren rote Zahlen schreiben und dies ohne Abgeltung der Service public Leistung auch weiterhin tun müssen. Dies nota bene obwohl die Zuschauerzahlen weiterhin markant steigen. Wenn wir pro Sender zwischen 1.5 Mio. und 2.5 Mio. Franken mehr zur Verfügung hätten, könnten wir unsere Informationsleistungen weiter ausbauen, uns technisch auf einen besseren Stand bringen und trotzdem endlich eine ausgeglichene Rechnung erreichen. Das ist unser Ziel.
Tendenziell müsste TeleTell in der Zentralschweiz sicher mehr Gebühren erhalten als das Mittelland, wo Tele M1 sendet. Einen regionalen Service public für sechs Kantone mit teilweise komplizierter Topografie zu erbringen ist sehr aufwändig. Aber ob es konkret einige hunderttausend Franken mehr oder weniger sein werden, ist für TeleTell und Tele M1 weniger wichtig. Wir sind uns gewohnt, die Leistungen und Kosten den finanziellen Rahmenbedingungen anzupassen. Wichtig wäre einfach, dass die Anteile rasch kommen, damit wir, unser Publikum und unsere Kunden endlich eine Ueberlebensgewissheit haben. Über die kürzlich gehörte Aussage des Bakom, dass voraussichtlich erst im 2009 Gebühren an Regionale fliessen werden, kann sich höchstens die SRG freuen. Als Verantwortlicher für zwei regionale Service public Sender finde ich dies absoluten Horror."
Christian Heeb, Geschäftsführer Nordwest 1:
"Die Schlussabstimmung findet erst am Freitag in einer Woche statt. Vorher steht das neue Radio- und Fernsehgesetz noch nicht. Dass nun bereits das Theater um das Geld angefangen hat, kommt für mich nicht überraschend, ist aber politisch instinktlos und zeugt nicht von allzu grosser Achtung vor unserem Parlament. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir umgeben sind von Heissspornen, die schon lospreschen wollen, bevor das Parlament entschieden hat. In Basel wird es mit aller Wahrscheinlichkeit eine Vollkonzession geben. Tele Basel und NW1 müssen sich einigen -- auch wenn damit einige Exponenten Mühe haben. Einen anderen Weg gibt es nicht."
Willy Surbeck, Geschäftsführer Telebasel:
"Gebührensplitting kommt in keinem Telebasel-Budget vor. Da wir aber schon jetzt erfolgreich kostendeckend arbeiten und keine Verluste oder Investments refinanzieren müssen, würde jeder zusätzliche Franken vom ersten Tag an ins Programmm in dichtere Bildabfolgen aus lokaler Politik (BL, BS, AG, SO), Kultur-, und Sportszene fliessen. Somit hat Telebasel gemäss RTVG-Kriterien die grössten Chancen auf eine Konzession, zumal Marktpartner NW1 im Jahr 2004 (damals NW5) im Konzessionsgesuch explizit auf Gebührensplitting-Gelder verzichtet und gleichzeitig ein weitgehendes Kooperationsangebot von Telebasel ausgeschlagen hat."
Marc Friedli, Geschäftsführer/Programmleiter TeleBärn:
"Man soll ja bekanntlich kein Fell verteilen, bevor der Bär endgültig erlegt ist - schliesslich fehlt die entsprechende Verordnung noch... Dennoch: Für die 28 Millionen Franken, die der Bund ausschüttet, werden zwischen 10 und 14 Konzessionen vergeben. Auch wenn die Kriterien der Vergabe noch nicht abschliessend ausformuliert sind, gehe ich davon aus, dass der Grundsockelbetrag für Sender mit Leistungsauftrag strukturell bedingt relativ hoch sein wird. Es werden für die Sender wohl etwa 2 Millionen Franken sein. Für Regionalsender wie Telebärn sind die Gebühren auf jeden Fall überlebenswichtig -- das hat der Gesetzgeber klar erkannt."
Günter Heuberger, Geschäftsführer Tele Top:
"Ich war seinerzeit gegen das Gebührensplitting, da ich es ordnungspolitisch für falsch halte. Ausserdem werden fast überall Fernsehstation Gebührengelder erhalten, welche gut gehenden Multimedia-Verlagsunternehmen gehören. Das Geld, das sie dann erhalten würden, können sie einsetzen, um im Zeitungsbereich die Medienkonzentration fortzusetzen und damit kleinere Zeitungen zu verdrängen."
Silvio Lebrument, Geschäftsführer Tele Südostschweiz:
"Wir rechnen damit, dass die Bergregionen und wirtschaftsschwächeren Gebiete berücksichtigt werden im Gebührensplitting. Wie hoch die Beiträge ausfallen und wann sie erstmals ausgeschüttet werden, ist zum heutigen Zeitpunkt noch offen."
Norbert Neininger, Schaffhauser Fernsehen:
"Wir rechnen noch nicht mit Geld. Aber wir rechnen damit, dass Schaffhausen ein eigenes Konzessionsgebiet erhält, und das Schaffhauser Fernsehen dieses betreiben darf. Über die Verteilung möchten wir erst nach der Schlussabstimmung sprechen. Wir gehen davon aus, dass nach diesem langen politischen Prozess die meisten Fragen schon geklärt sind und anfangs 2007 das neue Gesetz in Kraft tritt."
Die Tamedia, Eigentümerin von TeleZueri, verzichtete auf eine Stellungnahme. Der Konzern will sich seine Position nicht vor der Pressekonferenz vom Verband Schweizer Presse am kommenden Montag darlegen.