Das Wiedersehen mit einem "Oldie"-Format

- Nach der Rückkehr von Roger Schawinskis zum Fernsehen, steht nun schon das zweite TV-Comeback an: Filippo Leutenegger moderiert wieder. Für persoenlich.com hat Ex-Tagi-Chefredaktor Peter Studer die erste Ausgabe von "Filippos Politarena" unter die Lupe genommen. Studer arbeitete unter anderem bei Schweizer Fernsehen, wo er als Chefredaktor der Vorgänger von Leutenegger war. Unter Studers Führung entstand vor 14 Jahren die originale SF-Arena. Was hält der Patenonkel von der "alt-neuen" Leutenegger-Arena? Zur Analyse:

FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger hat sich am Mittwochabend wieder einmal die Moderatorenhosen angezogen und auf Sat 1, übernommen auch von mehreren Schweizer Kommerzsendern, eine nach ihm benannte politische Diskussionssendung geleitet. Offensichtlich wollte er bis auf wenige Einzelheiten das "Urformat" aus dem Jahr 1993 wiederbeleben, das er in einer Arbeitsgruppe mitentwickelt hatte. Anders als damals nannte er sich selber schon im Titel ("Filippos Politarena") – mit der "Arena" war der frühere Wirtschafts – und Regionalreporter ja bekannt geworden. Übername damals: "Zampano". Wie damals gab es wieder eine Gruppe von Exponenten – Christoph Blocher (SVP), Fulvion Pelli (FDP), Hilde Fässler (SP). In einer "zweiten Reihe" warteten einige Experten auf den Einsatz – ein Gewerbeverbandsdirektor, ein emeritierter Wirtschaftsprofessor, ein Gewerkschaftsführer. Weitere Politicos aus den hinteren Reihen konnten sich ein paar mal in der 55-Minuten-Sendung einbringen.

Leutenegger liess Blochers Ausrede unhinterfragt

Filippos erste Frage ging an Christoph Blocher. Er, Blocher, habe auf Nationalbankchef Hildebrand eingeprügelt, und seit letzter Woche lobe er ihn – was stimmt jetzt? Blocher liess sich den Steilpass nicht entgehen:"Beides". Zuerst habe Hildebrand sich mit Währungen "katastrophal" verrechnet, und jetzt lobe er nicht ihn, sondern "die Nationalbank", die das Richtige tue. Leutenegger liess die Ausrede unhinterfragt stehen, was er vor 18 Jahren wohl nicht getan hätte. Wer leitet denn die Nationalbank, wereli wer? Nachher ging es dann im bekannten "Arena"-Stil weiter; Hilde Fässler war Blocher gewachsen, auch wenn sie im Ganzen weniger zu Wort kam und sich zuletzt höflich darüber beklagte. In den ersten Voten konnten die Exponenten je rund zweieinhalb Minuten ausholen. Man hörte die bekannten Positionen über "mehr arbeiten" (auch die Kader, betonte ein Wirtschaftsvertreter), "Krise nicht auf dem Buckel der Arbeitnehmer lösen", "weniger Regulierung " oder "erst recht griffigere Regulierung". Leutenegger führte behutsam und bat immer wieder darum, konkrete Massnahmen vorzuschlagen. Die Debatte war lebhaft. Zwei, dreimal entgleiste sie, vor allem als Jungsozialisten und Blocher heftig aneinander gerieten. Aber das hatte es früher auch schon gegeben.

Das Schlusswort erhielt Fulvio Pelli; Tradition war früher, dass am Anfang und Ende die Antipoden das Sagen haben: Demnach wäre das Schlusswort an Fässler gegangen. Sei's drum. Im ganzen kamen die Hauptargumente beider Lager zum Vorschein.

Fraglich ist, wer die Kosten bezahlt

Das "Problem" mit der Sendung lag anderswo. Darf der Politiker Leutenegger mitten in der Entscheidungsphase des nationalen Wahlkampfs achtmal eine "Politarena" unter seinem eigenen Namen samt auf ihn zugeschnittenen Trailern veranstalten, nachdem das Radio- und Fernsehgesetz 2006 Fernsehwerbung "für Personen, die um politische Ämter kandidieren", als "unzulässig" erklärt? Leutenegger hatte dieses Verbot vor einigen Wochen als "Willkürartikel" gegeisselt. Aber es steht nun einmal da. Nur wendet ihn das Bundesamt sehr einschränkend an: Um Werbung handle es sich bloss, wenn sich Geldflüsse mit Gegenleistung zugunsten eines Kandidaten öffneten. Das sei bei "Filippos Politarena" glaubhaft nicht der Fall. Man wird sicher eines Tages näher erfahren, wer die laut Experten rund 200'000 bis bis 250 000 Franken kostenden Sendungen bezahlt. Jedenfalls hat Nationalrat Filippo, um den es in den letzten Monaten stiller geworden ist, eine schöne Plattform erhalten, was auch seine Mitbewerber auf der Zürcher FDP-Liste grämen dürfte. An der Sendung selbst gibt es sonst nichts Ernsthaftes auszusetzen.

"Filippos Politarena" ist auch im Internet verfügbar.

Text: Peter Studer