Das Zehn-Jahre-Jubiläum als Turning Point?

Facts - Das Nachrichten-Magazin Facts begeht sein zehnjähriges Bestehen mit grossen Festivitäten. Doch gibt auch die aktuelle Situation des Wochentitels Anlass zum Feiern? "persoenlich.com" fühlte Uli Rubner, seit drei Monaten Zeitschriftenchefin der Tamedia, auf den Zahn. Im Interview sagt die frühere Verlagsleiterin der Weltwoche, wie Facts sein Glaubwürdigkeitsproblem löst und orakelt über eine neue Zeitschriftenidee.

Frau Rubner, Facts feiert sein zehnjähriges Bestehen. Wie weit gibt die Situation, in der sich Facts heute befindet, Anlass zum Feiern?

Ich glaube, Facts war in den letzten paar Jahren nie so gut aufgestellt wie heute. Nachdem es im vergangenen Jahr sehr viel Fluktuation gegeben hat, wächst die Redaktion nun zusammen. Und im Verlag ist nach einer Restrukturierungs- und Abbauphase Ruhe eingekehrt. Deshalb ist das Jubiläum für uns ein guter Zeitpunkt, nach vorne zu schauen, im Wissen, dass der Boden für eine erfolgreiche Zukunft geschaffen ist.

Man hört, Facts liege bei den Anzeigen hinter dem Plansoll zurück...

Wir sind zwar im Januar gut in das Jahr gestartet, lagen aber im Februar und März unter Budget. Seit April geht es wieder aufwärts und die Anzeigeneingänge für die kommenden Monate stimmen uns zuversichtlich. Ich gehe davon aus, dass wir den Rückstand der ersten Monate bis Mitte Jahr aufgeholt haben. Dabei sehe ich mit grosser Freude, dass wir gegenüber einiger unserer Konkurrenten Marktanteile gewinnen. Insgesamt jedoch bleibt das Umfeld jedoch schwierig, wir sehen für die Print-Branche keinen Wachstumstrend.

Wie wollen Sie Facts nach mehreren Wechseln in der Chefredaktion zu mehr Glaubwürdigkeit verhelfen?

Im Vergleich zu anderen Titeln war die Kadenz der Chefredaktorenwechsel bei uns gar nicht so hoch. Mit dem Relaunch ist es uns gelungen, mehr Seriosität zu vermitteln. Zum einen erhalten wir ein positiveres Feedback bei der Aboakquisition. Beim Stichwort Facts sind die Leute am Telefon heute eher bereit zuzuhören und sich für ein Abonnement zu entscheiden. Zum anderen konnten wir eine ganze Reihe neuer Anzeigenkunden für uns gewinnen, darunter Renommiermarken wie IWC, L’Oréal, Unisys, Mobiliar, Swiss oder Hotelplan etc. Es handelt sich um Kunden, die sich vor dem Relaunch noch davor scheuten, bei uns zu inserieren, und jetzt setzen sie wieder auf uns. Ich bin sicher, dass wir bald auch die letzten Zweifler überzeugen können, dass Facts als Anzeigenplattform wieder ein Must in jedem Mediaplan ist.

Sie haben als Zeitschriftenchefin auch publizistische Entscheidungsmacht. Wie stark wirken Sie auf Facts-Chefredaktor Stefan Barmettler ein?

Wir verstehen uns als Team. Natürlich ist es letztlich die Redaktion, die das Blatt macht. Dennoch sehe ich mich in diesem Prozess als Ideengeberin und als Mitverantwortliche und gebe der Redaktion sowohl positives als auch negatives Feedback. Ich glaube, dass ich mit der Chefredaktion eine sehr konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit etablieren konnte.

Sie gelten als Person, die nicht zögert, auch unpopuläre Entscheide durchzuziehen. Wo sehen Sie beim Facts Optimierungspotential?

Einiges wurde schon eingeleitet. Mit dem Relaunch hat man sehr stark auf die Verbesserung der Texte gesetzt. Dabei wurde jedoch die zweite Informationsebene ein wenig vernachlässigt. Hier wollen wir nach und nach feine Korrekturen vornehmen. Zudem verkauft Facts seine inhaltlichen Leistungen noch zu wenig gut. Das macht Die Weltwoche besser. Wir haben einen Werbetexter engagiert, der dafür sorgen soll, dass unsere Inhalte ansprechender verkauft werden. Weiter arbeitet die Redaktion an einer laufenden Optimierung der Bildsprache und des Layouts, mit dem Ziel, das Magazin sinnlicher, dynamischer zu machen und eine positivere Anmutung zu erzeugen.

Welche Veränderungen in den Verlagsstrukturen haben Sie in den ersten drei Monaten schon durchgesetzt?

Wir haben die Leitung Lesermarkt mit Markus Will neu besetzt. Er hat per ersten Februar seine Arbeit begonnen. Anschliessend hat er die Mitarbeiter der Abteilung zu neuen Titelteams gruppiert, und damit die Verantwortlichkeiten und Kompetenzen klarer geregelt.

Wenn Sie das Betriebsklima von Facts mit jenem der Weltwoche vergleichen, wo sehen Sie kulturelle Unterschiede?

In meiner Zeit bei der Weltwoche gab es schätzungsweise fünf verschiedene Phasen. Das Klima schwankte dabei zwischen völlig deprimiert bis hin zu himmelhoch jauchzend. Die Ära unter Fredy Gsteiger etwa unterschied sich völlig von jener unter Roger Köppel. Bei Köppel gab es vor allem nach den Erfolgen des Relaunch zuerst eine Hochphase, die dann abgelöst wurde durch eine Periode, als viele wegen der SVP-nahen Berichterstattung sauer waren und nach der Reihe kündigten. Dann gab es die Phase, als klar war, dass Roger Köppel weggehen würde und lange unklar blieb, wer die Nachfolge übernehmen sollte. Und dann kam mit Simon Heusser der Wunschkandidat der Redaktion und es war wieder alles anders. Sie sehen, ich kann kaum von einer spezifischen Weltwoche-Kultur sprechen. Im Gegenzug kenne ich Facts nur aus der gegenwärtigen Optik. Ich sehe dort eine sehr motivierte, fleissige und kritikfähige Crew, die gewillt ist, Facts in neue Höhen zu führen.

Wie schätzen Sie den Zeitschriftenmarkt ein: Gibt es hierzulande zu viele Wochentitel?

Die Märkte sind meines Erachtens auf Leserseite keineswegs starr. Mit innovativen Produkten lassen sich Leserpotentiale erschliessen -- wenn man es besser oder anders macht als andere. Dabei glaube ich an die Kraft des guten Journalismus’, verstanden nicht als elitär, sondern im Sinne der Befriedigung eines Bedürfnisses. Ein Beispiel hierfür ist etwa der Erfolg von Focus, dem in Deutschland niemand eine Chance eingeräumt hat, nachdem zuvor rund 40 Versuche gescheitert waren, den Spiegel anzugreifen. Denken Sie auch an den Markt der Programmzeitschriften, der wirklich bereits gut besetzt war. Die neue Gattung der 14-täglichen hat die Gattung neu belebt. Neue Angebote erschliessen also zusätzliche Leser-Segmente. Im Anzeigenmarkt dagegen haben wir es mit einem starren Markt zu tun. Hier geht das Wachstum meistens auf Kosten des Anderen. Das Problematische an diesem Mechanismus ist, dass es es für neu lancierte Produkte in einem kleinen Markt sehr teuer ist, den Lesermarkt soweit zu entwickeln, bis er attraktiv genug für die Anzeigenkunden ist. Viele gute Ideen scheitern daran.

Trotzdem: Könnte es sein, dass Tamedia sich früher oder später zwischen Das Magazin und Facts entscheiden muss -- und nur einen der beiden Titel weiterführen kann?

Wissen Sie, man könnte umgekehrt auch argumentieren, dass es wichtig ist, zu einer starken Gattung zu gehören. Wenn das Segment der Wochenzeitschriften insgesamt erstarkt, ist die Gattung bei den Mediaplanern wieder relevanter. Wir kennen das Phänomen von der Sonntagspresse her. Der Mediaplaner macht ja vielfach zuallererst einen Gattungsentscheid. Die Aussage des Entweder-Oder ist deshalb nur bedingt richtig. In Österreich etwa gibt es drei starke Wochenmagazine, die allesamt überleben können. Zusammen besitzen die Titel die Kraft einer Gattung.

Könnten Sie sich denn mittelfristig gar vorstellen, eine neue Zeitschrift zu lancieren?

Ich habe bis vor kurzem immer gesagt, es gibt keine Idee, die mich fasziniert. Seit kurzem aber habe ich eine Idee -- es ist jedoch noch viel zu früh, um darüber zu reden. Ausserdem ist Facts im Moment meine oberste Priorität. Hier gilt es Fortschritte zu machen, damit wir personell und finanziell wieder die Ressourcen für Neues haben.