Pauschalisierende Vorurteile bleiben solche, selbst wenn sie in Humor verpackt sind. Das lokale Davoser Wochenblatt "Gipfel Zytig" ging laut dem Presserat in einem Fall zu weit. Diskriminierend sei eine Pauschalisierung von Nationalitäten oder ethnischen Gruppen dann, wenn sie mit einem erheblichen Unwerturteil verknüpft werde, teilte der Presserat am Dienstag zu Beschwerden gegen das Davoser Wochenblatt mit.
Die "Gipfel Zytig" hatte letzten Sommer laut Presserat zwei "humoristische" Beiträge publiziert. Zuerst wurde die Leserschaft in einem fiktiven Wettbewerb aufgefordert, Fragen zu einem Bild von asiatischen Studentinnen und Studenten zu beantworten. Eine Woche später veröffentlichte die Zeitung einen "Vorschlag für eine neue Schweizer Landeshymne". Mehrere Beschwerden beanstandeten, mit dem "Wettbewerb" würden "Asiaten aufgrund ihres Aussehens aufs Übelste verunglimpft", und der Vorschlag für eine neue Landeshymne habe mit seiner "schockierenden Fremdenfeindlichkeit" ein grosses mediales Echo ausgelöst.
Der Presserat beurteilt die zwei Beiträge unterschiedlich, wie er mitteilte. Die Pauschalisierung, wonach alle Asiaten gleich aussähen, wird im beanstandeten Beitrag nicht mit einer Herabwürdigung dieser Gruppe verbunden. Demgegenüber bedient die "Gipfel Zytig" im "Vorschlag für eine neue Schweizer Landeshymne" mit einer Schimpftirade gegen verschiedene Nationalitäten reihenweise generalisierende Vorurteile gegen Ausländerinnen und Ausländer. (sda).