"Deltenre lästert im gleichen Stil wie ihr Vorgänger"

Roger Schawinski - Streit der TV-Chefs eskaliert.

Die Breitseite von SF DRS-Chefin Ingrid Deltenre gegen den Sat.1-Chef Roger Schawinski im Blick vom Freitag (siehe auch "Ingrid Deltenre: Kann Schawinski 'einfach nicht ernst nehmen'") hat dieser als Kriegserklärung interpretiert. Zu diesem Schluss kommt man zumindest, wenn man seine Replik im Blick vom Samstag liest. Unter dem Titel "Deltenre wirkt hypernervös und hilflos" läutete "Schawi" die nächste Runde ein im "Streit der TV-Chefs", wie der Blick seine Kampagne betitelt.

Im Interview, das von Blick-Chefredaktor Werner De Schepper geführt wurde, zeigt sich Roger Schawinski "überrascht, wie hypernervös Frau Deltenre ist." Sie habe nicht nur wenig Erfahrung mit Fernsehmachen, sondern offenbar auch mit öffentlicher Kritik, so der Sat.1-Chef. Er fühle sich an die Ära des früheren TV-Direktors Peter Schellenberg zurückerinnert. "Schawi": "Die bisher so charmante Ingrid Deltenre lästert plötzlich im gleichen Stil wie ihr Vorgänger. Kritiker werden persönlich im Lästerstil niedergemacht."

Gar nicht goutiert hat Schawinski Deltenres Aussage, er sei neidisch auf ihre neue Sendung "Traumjob", da sie ihm dieses "quasi weggeschnappt" habe. In Tat und Wahrheit sei ihm das Format bereits im letzten April angeboten worden. Er habe es aber "nach eingehender Prüfung" abgelehnt, weil es ihm zu zynisch gewesen sei und er nicht an die Umsetzung geglaubt habe.

Deltenre Aussage, der ganze Sender Sat.1 sei "letztendlich eine Kopie", empfindet Schawinski als "echt peinlich". So würde Sat.1 im Gegensatz zu SF DRS etwa eine eigene Telenovela produzieren. "Schawi": "Und wir lassen sie uns nicht -- wie bei der TV-Serie 'Bianca' -- täglich per Kassette vom ZDF zuschicken." Sat.1 produziere von 5.30 Uhr an den ganzen Tag über eigene Sendungen. Da verbiete sich ein Vergleich mit der SRG, wo man etwa -- wie beim Dienstagkrimi -- "das Meiste im Ausland postet und erst am Vorabend richtiges Programm offeriert". Weiter verwies er auf die rund 50 eigenproduzierten TV-Spielfilme im Jahr, die zehn wöchentlich selbst produzierten Serien und Comedy-Formate und die "extrem innovativen" eigenen Unterhaltungsformaten, wie "Genial daneben" und "Schillerstrasse". Etwas ähnliches sehe er bei SF DRS "weit und breit" nicht.

In den Augen Schawinsis ist der ganze Informationsbereich bei SF DRS "eine grosse Baustelle", "Tagesschau" und "10vor10" verlören massiv junge Zuschauer. Der Sat.1-Chef: "Der sollte sich Frau Deltenre zuwenden, statt bei sachlicher Kritik an ihrem Sender wild um sich zu schlagen."

Werner De Scheppers Einwurf, Ingrid Deltenre halte ihn für "einfach neidisch", konterte Schawinski mit dem Hinweis, dass ein grosser Teil von Deltenres wichtigsten Mitarbeitern wie Reto Brennwald, Urs Leuthard, Katja Stauber, Daniela Lager, Roman Kilchsperger und Eva Wannenmacher aus seiner Küche stammten. Um süfisant anzufügen, dass diese "mit Sicherheit weiterhin hervorragende Arbeit für SF DRS leisten" würden.