Dem Druck des Bundesrates gebeugt

Swisscom - Scharfe Kritik.

Swisscom beugt sich dem Verdikt des Bundesrates. Der Telekomkonzern hat den Deal mit der irischen Eircom widerwillig abgeblasen. Nun verlangt Swisscom vom Bund klare Vorgaben zur neuen Strategie. Diese sind für Konzernchef Jens Alder entscheidend.

Swisscom-Verwaltungsratspräsident Markus Rauh und Konzernchef Jens Alder haben am Montag in ihrer ersten Stellungnahme nach dem "Njet" des Bundesrates zu teuren Auslandengagements harrsche Kritik am Vorgehen des Mehrheitsaktionärs geübt.

"Ich bin erstaunt und konsterniert, dass der Bundesrat, dem die Swisscom in den vergangenen Jahren mehr als zehn Milliarden Franken in die Kasse geschwemmt hat, die Swisscom über Nacht als bedrohliche Altlast behandelt, die man lieber heute als morgen los ist", sagte Rauh in Zürich vor den Medien.

Auslandaktivitäten seien bislang stets vom Bundesrat mitgetragen worden, sagte Rauh zum abruptem Richtungswechsel. Der Bundesrat sei zudem über jeden Schritt bei den Verhandlungen um eine Beteiligung an der irischen Eircom informiert gewesen.

Die Argumente gegen das Engagement sind aus der Sicht des Swisscom-Managementes "unqualifiziert". Rauh wertet den Sinneswandel des Bundesrates als politischen Akt.

Klare Rahmenbedingungen

Swisscom erwartet jetzt, dass der Bundesrat bis zum 21. Dezember seine Ziele für den Planungszeitraum 2006 bis 2009 unterbreitet. Dabei müsse der Bundesrat unter anderem Haftungs- und Sanktionsfragen klären und die Kommunikation zwischen Bundesrat und Swisscom regeln. Swisscom soll für Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter wieder eine verlässliche Grösse sein.

Der Bund solle aber auch das Vorgehen im Privatisierungsprozess erläutern. Insbesondere will Swisscom künftige Sonderrechte des Bundes vermeiden. Zur Auslandstrategie sagte Rauh, dass die Swisscom bis zum Vorliegen der bundesrätlichen Ziele keine Entscheide über eine Beteiligung treffen werde.

Neue Strategie: Mit oder ohne Alder

Der Swisscom-Verwaltungsrat werde die neuen strategischen Ziele des Bundes prüfen und gestützt darauf eine neue Strategie erarbeiten. Bis dahin hat die Auseinandersetzung keinerlei personelle Konsequenzen. Es gebe eine Krise zwischen Konzernleitung und Mehrheitsaktionär, sagte Alder. In dieser Situation wolle er als Kapitän das Schiff nicht verlassen. Die künftige Strategie müsste aber Wachstum erlauben. Fehle dieses, sei fraglich, ob er der richtige Mann sei, sagte Alder.

Blocher verteidigt Veto

Justizminister Christoph Blocher verteidigte unterdessen das Auslandverbot. Der Bundesrat habe das Richtige getan, ob zum richtigen Zeitpunkt, werde sich zeigen. Auch der Vergleich von Swisscom mit Swissair sei zutreffend: Die Swisscom könne im Inland nicht mehr wachsen und suche Wachstum im Ausland. Dort wolle sie Unternehmen übernehmen, die zu Hause auch nicht mehr wachsen könnten. Das gehe nicht auf.