"Der Abbau trifft die Redaktion emotional stark"

- Die Regionalisierungsstrategie fordert ihren Tribut: In der zentralen Redaktion des Tages-Anzeigers werden 24 Stellen gestrichen. Kostenumlagerung nennt sich das im heutigen Jargon. Doch kann eine Zeitung in diesem Umfang Stellen abbauen, ohne dass damit ihre journalistische Qualität angetastet wird? "Wir wollen unser hohes Niveau halten", sagt Peter Hartmeier, Chefredaktor des Tages-Anzeigers, im Interview mit "persoenlich.com". Der Leser dürfe keine Einbussen bemerken.

Herr Hartmeier, Sie mussten heute den Abbau von 24 Stellen bekannt geben. Wie ist die Stimmung nun auf der Redaktion?

Der Abbau trifft die Redaktion emotional stark. Wir schätzen die Arbeit der Kollegen der Korrektur, der Dokumentation und des technischen Layouts, wir kennen uns und arbeiten eng miteinander. Deshalb ist dieser Einschnitt schmerzhaft. Ich glaube aber, dass die Redaktion weiss, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Der Tages-Anzeiger finanziert mit diesen Massnahmen einen kleineren Teil seiner Wachstumsstrategie.

Ist es richtig, dass einige Tages-Anzeiger-Mitarbeiter gar zu Kampfmassnahmen aufriefen?

Nein, ich habe keine Forderungen nach Streik und dergleichen gehört. Erboste Reaktionen und verständliche Empörung dagegen schon. Ich komme eben von einer langen Redaktionskonferenz zurück, an der ich Red und Antwort stand und die Massnahmen begründet habe. Es gab relativ wenig Kritik an den Massnahmen selbst, aber am Prozess und dessen einzelnen Phasen.

Wieviele Mitarbeiter des Tages-Anzeigers werden nun entlassen?

Wir bauen bis Mitte 2007 24 Stellen ab: Das technische Layout und die Dokumentation werden aufgelöst. Diese Mitarbeiter werden entlassen.

Weshalb bietet Tamedia den Betroffenen keine Stellen innerhalb des Hauses an?

Wir versuchen so viele der betroffenen Mitarbeiter im eigenen Haus unterzubringen, wie nur möglich. Die entsprechenden Abklärungen laufen.

Die Kernredaktion blieb bislang verschont vom Abbau. Wird das so bleiben?

Von einem Stellenabbau in der Redaktion ist keine Rede: Wir bilden 70 neue Stellen. Wir bauen dort aus, wo wir die Konkurrenzfähigkeit des Tages-Anzeigers erhöhen können. Dies führt zu der seltsamen Situation, dass wir einerseits durch die Regionalisierung diese neuen Stellen schaffen, andererseits aber abbauen.

Der Tages-Anzeiger baut in der Redaktion 24 Stellen ab und behauptet, die journalistische Qualität nicht anzutasten. Wie soll das gehen?

Das ist eine Kardinalfrage. Das Korrektorat muss sich neu organisieren, um entsprechend schneller korrigieren zu können. Gleichzeitig müssen die Redaktoren künftig die Texte ihrer Kollegen auch auf Orthografie-Fehler gegenlesen. Zudem setzen wir den Spell-Checker ein. Damit soll der Tages-Anzeiger weiterhin eine fehlerfreie Zeitung bleiben. Was das Layout betrifft: Das Produzentensystem ist innerhalb der Zeitungswelt Allgemeingut. Wir wollen unser hohes Layout-Niveau halten. Für den Leser dürfen keine Einbussen bemerkbar werden. Zugleich bilden wir eine Arbeitsgruppe, die ein neues System evaluiert, das von der Redaktion einfacher zu bewältigen sein wird.

... und welches dem Konzern neue Argumente liefern wird, für einen neuerlichen Stellenabbau.

Nein. Das technische Layout ist abgeschafft und deshalb können wir in diesem Bereich keine weiteren Stellen abbauen. Auf einen Art Director und seine Crew werden wir aber nie verzichten können.

Schwächt der Tages-Anzeiger die Kernredaktion, um damit die nötigen Ressourcen für die Regionalausgaben schaffen zu können?

Diese These ist falsch. Die Regionalzeitungen sind ja nicht unsere einzige Konkurrenz. Wir stehen auch mit der Neuen Zürcher Zeitung im Wettbewerb auf den Gebieten Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Der Tages-Anzeiger hat den geplanten Relaunch abgesagt, zugleich werden nun Stellen abgebaut. Hat man sich mit der Regionalisierungsstrategie finanziell übernommen?

Nein. Auf das neue Layout wurde verzichtet, weil man nicht auf einen Schlag die fünf Regionalausgaben einführen wollte und gleichzeitig ein neues Layout realisieren. Der Tages-Anzeiger leidet nach wie vor an einem Rückgang der Inserate. Es ist unser Ziel, dass die Zeitung auch ohne Stellenanzeiger und Alpha schwarze Zahlen schreibt. Aus diesem Grund muss die Einführung der Regionalausgaben finanziell sorgfältig geplant werden. Deshalb erhöhen wir zwar das Budget, aber lagern gleichzeitig auch Kosten um. Der Tages-Anzeiger darf keine rote Zahlen schreiben. Nur eine rentable Zeitung, kann es sich leisten, journalistisch unabhängig zu sein.

Der Abbau war also von langer Hand geplant?

Wir haben vom Verwaltungsrat klare Vorgaben erhalten, unter welchen finanziellen Bedingungen wir die Regionalisierungsstrategie durchführen können. Es lag dann an uns, die Regionalisierung mit einer Organisation durchzuführen, welche die journalistische Qualität nicht gefährdet. Unser Verleger und sein Verwaltungsrat haben dies ganz klar von uns verlangt.

(Interview: David Vonplon)

Zum Thema: Tages-Anzeiger: Abbau von 24 Stellen unter

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