Seit der neue "Bund der Minderheitsaktionäre von Radio Basel" letzte Woche Informationen über den Geschäftsgang des Basler Senders eingefordert hat, vermutete Radiogründer Christian Heeb wiederholt die Basler Zeitung Medien (BZM) hinter der Aktion stecke. Was ist von dieser Annahme zu halten und was sagt die BZM dazu? "persoenlich.com" ging auf Motivsuche und fragte nach.
Was für Heebs Verdacht spricht
Dass Heeb die BZM hinter Jascha Schneiders Bund vermutet, ist an sich nachvollziehbar: Schliesslich besteht der ganze Bund-Vorstand aus Personen, die in der Anwaltskanzlei von BZM-CEO Martin Wagner arbeiten. Zudem hatte Medienanwalt Schneider schon mehrere Mandate der BZM, vor einem Jahr zog er beispielsweise den Verkauf von Radio Basel 1 an Christian Heeb durch. Weshalb aber sollte die BZM nun einen Aufstand gegen Heeb anzetteln? Das theoretisch denkbare Motiv der BZM: Als Vermarkterin von Heebs Konkurrenzsender Radio Basilisk könnte sie daran interessiert sein, das junge Radio Basel im Hörer- und Werbemarkt in Misskredit zu ziehen. Allenfalls will sie den Sender auch übernahmereif klopfen.
Die BZM hat keine Lust mehr auf Radio
Auf solche Überlegungen angesprochen verneint BZM-Chef Wagner jedoch ein Interesse seines Verlags an einem Radio. "Obwohl wir Radio Basilisk vermarkten, gehört das Betreiben eines Radios dennoch nicht zu unserem Kerngeschäft. Wir fokussieren klar auf unsere Regionalzeitung", sagt er. Zudem glaube er, dass die Radios wegen der Digitalisierung bald in Bedrängnis kämen - auch deshalb wolle er kein Radio (zurück) kaufen. Im weiteren halte er nichts von inszenierten Störmanövern zwecks Übernahme. "Wer so vorgeht, kommt nicht zum Zug. Dies zeigt doch die jüngste BZM-Geschichte", sagt Wagner mit Verweis auf den gescheiterten Übernahmeversuch der NZZ.
Dass die geschäftlichen und personellen Verbindungen zwischen Schneider, Wagner und der BZM Auslöser für Heebs Misstrauen sein könnten, will der BZM-CEO nicht gelten lassen. Die Verhältnisse seien klar, sagt Wagner: "Schneider führt aktuell keine BZM-Mandate mehr, und ich selbst bin kaum mehr als Anwalt tätig." Er sehe deshalb keinen Grund, weshalb "der profilierte Schneider" die Minderheitsaktionäre von Radio Basel nicht vertreten soll. Wagner bezeichnet Heebs Vermutungen im weiteren als "Verschwörungstheorien" - ähnliche habe er in der Vergangenheit immer wieder vorgebracht. Letztlich seien sie aber als "Ablenkungsmanöver" zu betrachten: "Heeb will doch bloss Informationen zurückhalten, die er gemäss Aktienrecht herausrücken müsste", sagt Wagner.
(Text: Markus Knöpfli)