Will der neue "Bund der Minderheitsaktionäre von Radio Basel" tatsächlich bloss mehr Informationen von Radiopionier Christian Heeb und sonst nichts, wie Bund-Präsident Jascha Schneider sagt? Oder steckt doch ein heimlicher Plan der französischen Radiokette Nostalgie dahinter, wie Heeb vermutet. Fest steht: Je mehr man nachfragt, desto verwirrender wird die Sache: Nostalgie, dessen französisches Mutterhaus NRJ sowie Ringier verhalten sich sehr merkwürdig.
Was für Heebs Verdacht spricht
Heebs zweite Vermutung, der "Bund der Minderheitsaktionäre" könnte auch von Radio Nostalgie gesteuert sein, baisert auf dem Aktienanteil von 24,2 Prozent, den Nostalgie bei Radio Basel hält geschichtlich bedingt. Zweitens trat die Radiokette als einer der ersten Mitglieder dem neuen Bund bei. Drittens gehört Nostalgie zum französischen Medienkonzern NRJ, der in der Schweiz zusammen mit Ringier die Jugendradios Energy Zürich und Energy Bern betreibt. Das theoretisch mögliche Motiv von Nostalgie an einer Störaktion: Nostalgie könnte aus Radio Basel einen dritten Sender im Energy-Stil machen wollen. Jedenfalls verfolgen NRJ und Ringier in der Deutschschweiz schon länger die Idee einer Radiokette mit Energy-Sendekonzept.
Merkwürdiges Dementi von Ringier...
Darauf angesprochen hält Marco Castellaneta, Geschäftsführer Ringier Entertainment, fest, "dass weder Ringier noch Radio Energy Zürich oder Radio Energy Bern Initianten der Aktion der Minderheitsaktionäre von Radio Basel sind." Zwar gehöre Radio Nostalgie tatsächlich zur NRJ-Gruppe, "es hat aber mit Radio Energy Zürich und Radio Energy Bern nichts zu tun." Und dann verweist Castellaneta auf einen gewissen Francis Rivollet als Vertreter von Nostalgie. Er könne allenfalls weitere Informationen geben.
Rivollet, ein Franzose, ist in der Schweizer Radioszene kein Unbekannter. Er sass bis vor einem Jahr im Verwaltungsrat von Radio Basel 1, trat dann aber zurück, weil Heeb nach dem Kauf des Radios keinen Entertainment-Sender im Sinne Rivollets machen wollte. Darüber hinaus sitzt Rivollet im Verwaltungsrat von Ringiers Radio Energy Zürich und er präsidiert die NRJ Holding Suisse, die gemäss Handelsregister seit 2006 die NRJ-Beteiligungen (!) an Radio Energy Zürich und an Radio Basel hält. Und zu guter Letzt hat Rivollet vor kurzem zusammen mit Castellaneta und andern Ringier-Exponenten die neue Energy Schweiz Holding gegründet. Kurz: In der Schweiz treten Nostalgie und NRJ firmlich und personell identisch auf, ein Zusammenspiel zwischen NRJ/Nostalgie/Ringier ist offenkundig.
...und undurchsichtiges Verhalten von NRJ
Doch nicht nur Castellaneta, auch Rivollet bestreitet zunächst einen Zusammenhang zwischen Radio Basel und Ringiers Energy-Sendern in Bern und Zürich. Nostalgie Paris sei direkt an Radio Basel beteiligt, sagt er. Als er dann auf das Handelsregister und seine diversen Funktionen angesprochen wird, versucht er zu erklären, schafft es aber nicht, den geschäftlichen und personellen Knäuel glaubhaft zu entwirren. Vor allem aber bleibt undurchsichtig, weshalb Castellaneta und Rivollet die offensichtlichen Verbindungen überhaupt bestreiten. Umso mehr als beide bestätigen, mit Heeb schon "über gemeinsame Radioaktionen" (Zitat Castellaneta) gesprochen zu haben. Rivollet seinerseits sagt, er habe vor einem Jahr mit Heeb über die Möglichkeit diskutiert, Radio Basel zu einem Sender im Energy-Stil zu machen. Heeb habe dies aber abgelehnt.
So oder so: Rivollet betont, dass es beim Bund der Minderheitsaktionäre weder um einen Putsch gegen Heeb noch um die Lancierung eines dritten Radios im Energy-Stil gehe, sondern bloss darum, als Aktionär Informationen zu erhalten. Doch weshalb war Rivollet dann nicht an Heebs Generalversammlungen (es gab bereits deren zwei), um sich über den Geschäftsgang zu informieren? Er habe dazu entweder keine Einladung erhalten oder er sei im Ausland gewesen, vermutet Rivollet. Vielleicht sei alles aber auch nur ein sprachliches Missverständnis, fügt der Franzose am Ende beschwichtigend hinzu. Man darf gespannt sein.
(Text: Markus Knöpfli)