Herr Bühler, in zwei Wochen startet der Bündner Anzeiger. Hat es in der Bündner Zeitungslandschaft Platz neben der übermächtigen Südostschweiz
Im Inseratemarkt herrscht im Bündnerland derzeit eine ganz besondere Situation. Die Südostschweiz Mediengruppe hatte mit der Publicitas derart grosse Auseinandersetzungen, dass sich diese entschied, sich aus dem Kanton zurückzuziehen. Für uns bedeutet dies, dass eine Marktlücke entstanden ist. Wir haben mit der Gründung einer Vermittlungsagentur die Basis im Anzeigenverkauf gelegt. Damit besteht nun ein Markt für Alternativen. Auch sehen wir durchaus Chancen im Lesermarkt. Wir können mit einer neuen Wochenzeitung reüssieren, wenn wir andere und vor allem bessere Texte als die bestehenden, kostenlosen Wochenzeitungen anbieten.
Was verstehen Sie unter "besser"?
Unsere Aufgabe wird sein, für den Leser Stoffe aufzubereiten, die heute nicht abgedeckt werden. Wir werden unsere Geschichten ein wenig boulevardesker aufmachen, als jene der bestehenden Tages- und Wochenzeitungen, und konzentrieren uns auf People-Geschichten, die unsere Konkurrenz nicht bringt.
Ist der Bündner Anzeiger ein ernsthaftes journalistisches Produkt oder vor allem eine Plattform für PR-Geschichten der regionalen Wirtschaft?
Auf der Redaktion arbeiten zwei Personen vollamtlich. Zusätzlich dazu können wir auf einen Redaktionspool zurückgreifen und ich selbst werde auch mitarbeiten. Ich war während zehn Jahren Chefredaktor der Bündner Zeitung und bringe eine gewisse Erfahrung mit.
Die Südostschweiz hat bislang über ihr Zeitungsprojekt kein Wort verloren. Wie, glauben Sie, wird Verleger Hanspeter Lebrument auf die Lancierung antworten?
Der Bündner Anzeiger wurde zwar gegen aussen totgeschwiegen, gegen innen hat die Südostschweiz bereits reagiert. Die Auflage der Bündner Woche, die bislang in einer Auflage von 38'000 Exemplaren erschienen ist, wird auf Anfang Dezember in Kombination mit der Engadiner Woche auf 70'000 Stück erhöht. Die Inseratetarife werden aber nicht erhöht, obwohl der Anzeigenkunde ein doppeltes Angebot erhält. Für uns zeigt dies, dass die neue Konkurrenz in der Bündner Zeitungslandschaft sehr notwendig ist. Denn entweder hat man bislang zu viel für die Anzeigen verlangt und zu wenig Zeitung geboten, oder man reagiert damit auf uns. Weiter prüft die Südostschweiz Mediengruppe derzeit, ob sie den Erscheinungstag der Bündner Woche auf den Dienstag vorverlegen will -- eine klassische Kontermassnahme auf unser Produkt, das ebenfalls dienstags herauskommt.
Die faktische Senkung der Inseratepreise zeigt doch vor allem, dass die Südostschweiz ihre Marktmacht ausspielen kann.
Natürlich besitzt die Südostschweiz im Konkurrenzumfeld die stärkere Position. Wir können diesen Nachteil aber wettmachen, indem wir eine bessere Zeitung machen und unseren Inserenten eine bessere Dienstleistung anbieten. Für uns spricht weiter, dass wir in gewissen Kreisen auf Sympathien stossen, da das Quasi-Monopol der Südostschweiz im Bündnerland nicht überall gut ankommt.
Sie haben keine Angst, dass Sie mittelfristig in einem Preiskampf den Kürzeren ziehen werden?
Auch wenn unsere Inseratepreise höher sind als jene der Bündner Woche: Wir lassen uns nicht beirren. Wir werden an unserer Zeitplanung, unseren Tarifen und unserer Strategie festhalten. Denn wir haben die Dumping-Politik der Südostschweiz schon mehrfach erlebt. Zum Beispiel bei der Lancierung der Sonntagsausgabe der Südostschweiz. Im Mai hiess es, der Preis für das Jahresabonnement der Südostschweiz werde nicht erhöht. Bereits im selben Monat enthielten die Rechnungen jedoch für das Jahresabonnement einen Aufschlag von gegen vierzig Franken. Wir gehen deshalb davon aus, dass es einen Nachzug geben wird bei den Anzeigen der Bündner Woche. Mit der Senkung der Inseratepreise will die Südostschweiz der neuen Konkurrenz eins auswischen. Das ist zwar legitim, aber wir werden uns am Lesermarkt behaupten.
Hat ihr Verlag einen genügend langen Schnauf, um einen Preiskampf auch längerfristig durchzustehen?
Ja, selbstverständlich. Wir haben das Projekt einer neuen Wochenzeitung sicherlich nicht aufgegleist, um bereits nach einem halben Jahr wieder aufzugeben.
Wo lassen Sie ihre Zeitungen drucken?
Uns lag eine ganze Reihe von Offerten vor; so unter anderem von Ringier, Tamedia, NZZ und AZ Medien. Schliesslich haben wir uns für die Druckerei Adligenswil entschieden. Ringier hat uns das beste Angebot unterbreitet.
Falls der Bündner Anzeiger scheitert -- ist dann auch der Casanova Verlag in seiner Existenz gefährdet?
Das neue Zeitungsprojekt hat mir der Casanova Druck und Verlag AG nicht allzu viel zu tun. Wir sind eine Druckerei, besitzen zwei der grössten Bücherverlage Graubündens, sind zugleich auch Internetprovider und können uns auf langfristige Verträge mit unseren Auftraggebern verlassen. Das Risiko ist so eingegrenzt, dass das Zeitungsprojekt falls es denn scheitern würde nicht auf die Hauptfirma zurückfällt. Unter anderem ist die Anzeigenagentur eine unabhängige Firma, die nicht direkt an Casanova Druck angeschlossen ist.
Abschlussfrage: Sie haben 25 Jahre mit Hanspeter Lebrument zusammengearbeitet. Mittlerweile sind Sie sein grössster Konkurrent im Kanton. Wie würden Sie heute das Verhältnis zu ihrem einstigen Weggefährten umschreiben?
Es ist ein "Null"-Verhältnis.