"Der deutsche TV-Markt ist reif für den ersten Telenovela-Kanal"

- Intrigen, Drama, Leidenschaft und Liebesglück: Mit diesen Ingredienzen erobern Telenovelas weltweit die Herzen des TV-Publikums. Das Geschäft mit den grossen Gefühlen erkannt hat die Dori Media Group mit Sitz in Zürich: Sie produziert Telenovelas in Südamerika und vertreibt die Serien in der ganzen Welt. 2006 startet sie mit sechs neuen Telenovela-Kanälen, einem davon im deutschsprachigen Raum. "persoenlich.com" sprach mit Conrad Heberling, CEO der Dori Media International. Das Interview:

Herr Heberling, wie sicher ist es, dass Dorimedia im Frühjahr seinen Telenovela-Kanal im deutschsprachigen Raum lanciert?

Der deutsche TV-Markt ist reif für den ersten Telenovela-Kanal. Es ist beschlossene Sache, dass wir im kommenden Jahr auf Sendung gehen werden. Ob es nun schon im April sein wird, wie wir angekündigt haben, kann ich nicht mit letzter Sicherheit sagen. Unsere Vorbereitungen sind aber sehr weit fortgeschritten. Schon haben sich einzelne Investoren hinzugesellt. Sie müssen jedoch sehen, dass es enorme Investitionen braucht, um einen Kanal zu lancieren. Schliesslich wollen wir mit erstklassigen Telenovelas das Publikum überzeugen.

Wird man den Kanal auch in der Schweiz über Kabel empfangen können?

Ja. Wir werden im gesamten deutschsprachigen Raum zu empfangen sein. In der Schweiz befinden wir uns noch in Verhandlungen mit den Distributoren. Die zuständigen Stellen waren sehr offen und kooperativ hinsichtlich der Verbreitung unserer Inhalte.

Welche Reichweite peilen Sie an?

Sobald sich die Distributionswege konkretisieren, kann ich dazu mehr sagen. Wir sprechen derzeit mit einer Reihe von interessierten Partnern. Der Entscheid, welches der effizienteste und beste Weg ist, der uns langfristig die besten Marktanteile ermöglicht, steht noch aus. Es gilt, mit einer optimalen Reichweite bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Was wird Ihr Sender dem Publikum bieten?

Wir werden ausschliesslich Telenovelas ausstrahlen. Die Programmierung sieht jeweils sechs bis sieben Telenovelas vor, mit täglich jeweils einer neuen Folge und entsprechenden Wiederholungen. Dazu kommen sogenannte Shorts, Zusammenfassungen z.B. der schönsten Kuss-Szenen, der dramatischsten emotionalen Ausbrüchen etc. Auch beinhaltet unser Programm Merchandising-Specials, in denen wir unsere Produkte zu den Serien anbieten. Weitere Details werden wir in Kürze verraten.

Im kommenden Jahr planen deutsche Sender die Lancierung von nicht weniger als sechs neuen Telenovelas. Besteht da nicht die Gefahr der Übersättigung?

Nein, das sehe ich überhaupt nicht. Wie beim Genre der Krimis unterscheiden sich auch hier die Inhalte und deren dramaturgische Umsetzung. Zuschauerattraktive Produktionen werden nie zu einer Sättigung führen. Das zeigen sehr eindrucksvoll all diejenigen Länder, in denen Telenovelas seit Jahrzehnten laufen.

Weshalb, glauben Sie, dass sich ihre südamerikanischen Telenovelas gegen deutsche Produktionen wie "Julia" durchsetzen können?

Wir sind das Original und das ist nicht zu toppen. Unsere Telenovelas werden auch insbesondere in den deutschsprachigen Ländern, also auch in der Schweiz, erfolgreich sein.

Warum sollte sich das deutsche Publikum eher mit einer südamerikanischen Darstellerin identifizieren können, als mit der deutschen "Julia"...

Die Milieus, in denen unsere Telenovelas spielen, sind problemlos auf Deutschland übertragbar und die Schauspieler geben eher ein westeuropäisches als südamerikanisches Image ab. Für unsere Zuschauer stellt sich also nicht die Frage nach der Nationalität eines Darstellers. Die Handlung ist es und seine Protagonisten sind es, die überzeugen. Nur Authentizität bringt die gewünschte Identifikation.

Wieviele Telenovelas produziert ihr Unternehmen pro Jahr?

Drei bis vier mit bis zu 350 Folgen.

Welche europäischen Sender strahlen Produktionen ihres Unternehmens aus, mit welchen stehen Sie in Verhandlungen?

MTV Networks startet im Februar die erfolgreiche Telenovela "Rebelde Way", übrigens die erste Teenager-Telenovela im deutschsprachigen Gebiet. In Ländern wie Spanien und Kroatien laufen unsere Telenovelas bereits mit grossem Erfolg, mit Frankreich, Belgien, Polen und Österreich, Italien, und Skandinavien laufen erfolgversprechende Verhandlungen.

Wie erklären Sie sich den weltweiten Siegeszug von Telenovelas?

Das hat mehrere Ursachen: Zum einen finden weltweit RealityTV-Serien und Talksendungen immer weniger Publikum, fiktionale Formate hingegen erleben derzeit eine Renaissance. Und das hat sicherlich damit zu tun, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Menschen nach einem Ventil für die Konfliktsituationen suchen. Es ist der Traum vom und die Sehnsucht nach dem Happy End. Die Telenovela wird diesem am Ende einer jeden Folge gerecht.

Das eigentliche Zielpublikum Ihrer Serien sind die Frauen. Gibt es eigentlich auch Telenovelas für Männer?

Ja natürlich. Wir bieten Produktionen für alle Zielgruppen an -- für Kinder, Teens und Erwachsene, Männer wie Frauen, Jungen wie Mädchen. Unsere Telenovela "Brave Father John" zum Beispiel -- eine Robin Hood-Geschichte, die in den fünfziger Jahren spielt – richtet sich in erster Linie an ein männliches Zielpublikum. In Südamerika hat man schon vor vielen Jahren erkannt, wie wichtig zielgruppenorientierte Telenovelas sind. Dori Media International kann daher viel schneller und auch leichter die Programmanforderungen der Sender erfüllen.