Der Fernsehblick in die 3. Dimension

Trend - Noch Jahre bis zur Tagesschau in 3D.

Dreidimensionales Fernsehen ist das neue Lieblingsthema der Unterhaltungsbranche. Bis allerdings der Tagesschau-Sprecher statt auf dem Bildschirm in der Stube sitzt, dürfte es in der Schweiz noch ein wenig dauern. 3D-Filme wie Avatar sind Kassenschlager. Dort hat man, mit einer Plastikbrille auf der Nase, das Gefühl seine Helden nicht nur zu betrachten, sondern mit ihnen durch den Urwald von Pandora zu streifen. Nun versprechen die TV-Hersteller, dass dieses dreidimensionale Erleben in die eigene Stube kommen wird. Dazu braucht es aber neben einem neuen Fernseher einige Zusatztechnik und vor allem viel Geduld.

Wir können dreidimensional wahrnehmen, weil jedes Auge ein leicht anderes Bild der Wirklichkeit sieht. Beim üblichen Fernsehbild und beim Zeitungslesen starren jedoch beide Augen auf eine identische Fläche. Will man TV oder Gedrucktes dreidimensional sehen, muss man dafür sorgen, dass jedes der beiden Augen wieder ein besonderes Bild zu sehen kriegt. Am einfachsten klappt das mit sogenannten Farbanaglyphen. Dabei wird ein Objekt im Augenabstand zweifach fotografiert und die beiden Halbbilder in Komplementärfarben übereinandergelegt. Hält man nun vor das linke Auge eine rote Folie und vor das rechte eine blaue Folie erkennt jedes Auge nur ein Halbbild und unser Hirn setzt es wieder zu einem dreidimensionalen Eindruck zusammen.

Passende Papierbrillen sind in jedem Spielwarenladen zu kaufen und entsprechende Bilder zieren neben Kinderbüchern auch mathematische Lehrwerke zur Trigonometrie. Selbstverständlich finden sich auch im Internet Tausende 3D- Fotos. Wer beim Filmschnipseldienst Youtube.com die Suchwortkombination "Anaglyph HD" eintippt, erhält sogar Dutzende 3D-Filme. So kann man beispielsweise, mit der Pappbrille auf der Nase, am PC-Bildschirm durchs All fliegen. Auch 3D am Fernseher ist nichts Neues. Bereits anfangs der 90er-Jahre forderten Spielshows wie Tutti-Frutti oder Filmklassiker wie "Der weisse Hai in 3D", den Zuschauer auf, sich Kartonbrillen aufzusetzen.

Moderne 3D-Filmtechnik hat allerdings mit der kopfwehträchtigen Anaglyphtechnik der 90er wenig zu tun. Statt farbigen Folien werden heute in den meisten 3D- Kinos Brillen mit zirkularen Polarisationsfiltern verwendet. Auf der Leinwand erscheinen abwechselnd Bilder für das rechte oder linke Auge, bei denen das abgestrahlte Licht jeweils im Uhrzeiger oder Gegenuhrzeigersinn "rotiert" wird. Die 3D-Brillen lassen links und rechts jeweils nur Bilder mit einer Rotationsrichtung passieren.

So kompliziert die Technik klingt, so gut ist das Ergebnis. Bezüglich Farbumfang und Schärfe kann 3D-Kino mit der bekannten zweidimensionalen Fassung konkurrenzieren. Der Kinobesucher darf sogar seinen Kopf neigen und drehen, ohne den 3D-Eindruck zu verlieren. Für den Heimgebrauch ist die zirkulare Polarisationstechnik noch zu teuer, die nötigen Projektoren kosten über 10'000 Franken. Die Besitzer von 3D- Fernsehgeräten müssen deshalb sogenannte Shutterbrillen tragen.

Dabei befinden sich vor dem linken und rechten Auge elektronische Scheiben, die blitzschnell verdunkelt werden können. Auf dem Bildschirm erscheinen abwechselnd linke und rechte Bilder, während synchron je ein Glas verdunkelt wird. Die Shutterbrille wird dabei meist durch ein Infrarotsignal vom Fernseher aus angesteuert. Soll die Darstellung nicht flimmern, müssen beim 3D-TV doppelt so viele Bilder wie bisher auf dem Fernseher angezeigt werden. Neben Brillensteuerung unterscheiden sich also 3D-Fernseher hauptsächlich durch einen schnelleren Bildaufbau von herkömmlichen Fernsehern.

Noch Jahre bis zur Tagesschau in 3D

Wer im Frühling einen 3D-Fernseher kauft, wird aber damit nicht dreidimensional fernsehen können. Bisher hat kein deutschsprachiger Sender 3D-Fernsehen angekündigt. In England und den USA solle 3D-Fernsehen zwar dieses Jahr Realität werden. Das Angebot beschränkt sich aber auf Bezahl-TV-Anbieter und bedingt spezielle Empfangsboxen. Auch die Ankündigung des Fussball Weltverbandes FIFA, dass man die WM 2010 teilweise in 3D filmen will, dürfte daran nichts ändern. Auf Schweizer Fernsehschirmen wird also der Ball wohl weiterhin zweidimensional aber wenigstens rund bleiben.

Die meisten 3D-Filme wird der Konsument deshalb auf Blu-ray Disc (BD) kaufen. Diese Scheiben enthalten im Prinzip den Film zweifach, mit je einer Version für das rechte und linke Auge. Das BD-Abspielgerät muss nicht nur beide Fassungen synchron abspielen und die nötigen Steuersignale für die Brille liefern. Heute gekaufte BD-Abspielgeräte können beides nicht. Sie spielen aber wenigstens die 3D-Filme in normaler 2D-Darstellung ab. Lediglich von der Spielkonsole Playstation 3 wird erwartet, dass sie nach einem Softwareupdate 3D- BD-Scheiben abspielen kann. Der Konsument muss für sein 3D-Heimkino tief in die Tasche greifen. Neben einem passenden Fernseher braucht er für jeden Zuschauer eine 3D-Brille sowie einen neuen BD-Abspieler. Die Euphorie um die 3D-Fernseher dürfte anfänglich vor allem auch das beschränkte Filmangebot dämpfen. (sda)