"Der Fluch von 'Week' ist, dass es neben '20 Minuten' koexistieren muss"

- Das Ausgehmagazin 20 Minuten "Week" erscheint am Freitag zum letzten Mal regulär. Ab Ende Oktober lancieren "20 Minuten", "Annabelle" und tilllate.com ein neues People-Magazin als Ersatz. Der designierte Chefredaktor Marco Boselli erläutert im Gespräch mit "persoenlich.com" den Konzeptwechsel und begründet, warum man sich von fünf Mitgliedern der "Week"-Redaktion trennen muss. Das Interview:

Herr Boselli, wird das People-Magazin mit dem Projekttitel 20 Minuten "Youngster" lanciert, weil "Week" nicht erfolgreich war?

Nein, "Week" ist ein erfolgreiches Produkt und schreibt schwarze Zahlen. Wir haben beim Ausgehmagazin aber zu wenig Potential für weiteres Wachstum gesehen -- sowohl was den Anzeigen- als auch den Lesermarkt angeht. Der Fluch von "Week" ist, dass es neben dem sehr erfolgreichen Schwesterntitel "20 Minuten" koexistieren muss. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.

Was versprechen Sie sich vom Konzeptwechsel?

Mit dem People-Magazin erreichen wir eine grössere Zielgruppe als mit "Week", die zudem auch attraktiver ist für die Werbewirtschaft. Wir reden da in erster Linie von jungen Frauen zwischen 16 und 30 Jahren, denen wir mit dem neuen Titel eine Heimat bieten wollen. Das Magazin wird aber auch sicherlich Themen beinhalten, die junge Männer ansprechen.

Will man mit der Lancierung von "Youngster" im Fahrwasser der "Schweizer Illustrierten" fischen?

Die Fische befinden sich zum Teil sicher im gleichen Teich. Mit unserem Titel steuern wir aber eher ein jüngeres Publikum an als die SI.

Befürchten Sie keine Kannibalisierung der "Annabelle"?

Nein, Chefredaktorin Lisa Feldmann, die auch im "Youngster"-Projektteam ist, hat immer gesagt, man muss mit der "Annabelle" in Würde altern können, aber gleichzeitig ein junges Standbein haben. Wir rechnen nur mit einem geringen Kannibalisierungseffekt, weil wir der Werbewirtschaft nicht ein identisches, sondern ein neues Zielpublikum bieten.

Die Redaktion von "Youngster" soll aus 20 Vollzeitstellen bestehen. Woher werden die Mitarbeiter rekrutiert?

Das Personal kommt zum grossen Teil von "20 Minuten". Weitere Mitarbeiter stossen von der "Annabelle" und von tilllate.com zum People-Magazin. Zudem werden neue Leute rekrutiert. So beispielsweise die Co-Redaktionsleiterin Sabine Eva Wittwer, die vom "Blick am Abend" zu uns stösst.

Die Redaktion von "Week" wird also nicht komplett integriert. Kommt es zu Entlassungen?

Aus dem bestehenden achtköpfigen "Week"-Team werden neben Redaktionsleiterin Kerstin Netsch noch ein oder zwei Mitarbeiter für die neue eigenständige Redaktion des People-Magazins übernommen. Von fünf Mitarbeitern werden wir uns trennen müssen, da "Youngster" anders positioniert ist als "Week" und deshalb von einem neuen Team mit anderen Kompetenzen und Erfahrungen erstellt wird

Welche Online-Pläne verfolgen Sie mit "Youngster"?

Gerade ein Produkt wie unser neues People-Magazin hat sehr grosses Online-Potential. "Youngster" wird sicher von Anfang an eine Internetpräsenz mit eigenen Inhalten und Aktivitäten erhalten. In einem ersten Schritt wird es sich aber primär um eine Einstiegsseite handeln, welche für die speziellen Kompetenzen an die einzelnen Auftritte von "20 Minuten", "Annabelle" oder tilllate.com weiterleitet. Ein eigenständiger starker Online-Auftritt ist aber bei intakten Marktchancen später durchaus denkbar.

Wird auch eine Kooperation mit den neuen "Newsnetz" angestrebt?

Nein, mit dem "Newsnetz" ist keine Zusammenarbeit vorgesehen. Die Idee hinter dem "Youngster"-Projekt ist eine ganz andere. Das Online-Portal tilllate.com bekommt mit dem People-Magazin ein Print-Standbein, die "Annabelle" kann ein wenig jünger sein und "20 Minuten" bietet sich die Gelegenheit, den News-Teil mehr vom Magazin-Teil zu trennen.

Am 31. Oktober soll das People-Magazin erstmals erscheinen. Wie weit sind die Vorbereitungen vorangeschritten?

Eine Projektgruppe arbeitet bereits seit längerem an der Umsetzung. Ungefähr 80 Prozent der inhaltlichen Gefässe sind definiert und werden jetzt noch einem Feinschliff unterzogen. Bis Anfang September soll eine Nullnummer produziert werden. Dies übrigens in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Grafikbüro Raffinerie AG für Gestaltung. Einem pünktlichen Start steht nichts im Weg.

(Interview: Stefan Wyss)