"Der Hinterhalt hat bei der SRG System"

Dreikönigstagung 2016 - Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument forderte die Politiker auf, die Sorgen der Privaten ernster zu nehmen.

Die unternehmerische, kulturelle und politische Vielfalt habe die Schweiz gross und stark gemacht, sagte Lebrument am Dienstag anlässlich der Dreikönigstagung des Verbandes Schweizer Medien in Zürich. Als Verlegerpräsident trat er traditionell als erster aufs Podium. Im Fokus seiner Ansprache stand dieses Mal nicht nur die SRG, sondern auch die Politik, respektive die National- und Ständeräte.

Die Zahl der Parlamentarier, die die SRG immer noch als sakrosankte Institution betrachten würden, sei gross. Lebrument appellierte an sie, die Sorgen der privaten Medienhäuser ernster zu nehmen. Denn: "Der Machtwille der SRG ist ein ernsthaftes Problem für die Privaten."

Kritik an der Werbeallianz

Die Verleger seien längst zu Medienunternehmern geworden, die seit Jahren daran arbeiteten, auch nachwachsenden Generationen eine funktionierende Medienlandschaft zu hinterlassen. "Auch in zehn Jahren wird es die privaten Medienhäuser auf allen Kanälen noch geben", so Lebrument. Denn die Verlage würden den Strukturwandel gut meistern. Doch es brauche die entsprechenden Rahmenbedingungen. Das geplante Joint Venture von SRG, Swisscom und Ringier laufe dem zuwider.
 
Käme es zustande, entstünde mit einem Schlag der grösste Werbevermarkter der Schweiz. Andere Medienunternehmen würden stark benachteiligt. Mit einer Bündelung der Angebote und personalisierten Werbeformen hätte die neue Allianz erhebliche Vorteile gegenüber allen Konkurrenten - und dies teilweise mit Gebühren finanziert.
 
Schalmeien und Hinterhalt
 
Heftig ins Gericht ging Lebrument namentlich mit der SRG. Deren Führung habe in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie keinen Konsens suche. Die Kooperation der drei Partner sei der vorläufige Höhepunkt in einer Strategie, die aus dem Hinterhalt entwickelt worden sei.
 
"Der Hinterhalt hat bei der SRG System", sagte Lebrument. Die SRG habe in den letzten Jahren trotz Schalmeienklängen immer wieder bewiesen, dass sie mit privaten Anbietern keinen Konsens finden wolle. 
 
 
Knallharter Machtausbau
 
Vordergründig werde den Politikern und dem Volk vorgegaukelt, die SRG wolle nur  das tun, was die privaten Anbieter nicht könnten. Diese These sei längstens  widerlegt. Es gehe der SRG um knallharten Machtausbau. Die Verleger seien mit dieser Feststellung nicht allein. Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der früher selbst für das Schweizer Fernsehen tätig war, habe dies unlängst kritisiert.
 
Auf offene Ohren stiess Lebrument mit seiner Kritik an der SRG bei SVP-Nationalrat und Verleger Roger Köppel. In seiner Rede sprach Köppel von einer ordnungspolitischen Verwahrlosung, die bei der SRG Einzug gehalten habe. Lebrument und Köppel versicherten, sie wollten die SRG nicht schwächen. Aber das öffentlich finanzierte Radio und Fernsehen müsse sich auf das Kernangebot beschränken. Werbeeinnahmen seien dafür nicht nötig.
 
Wachsende Skepsis im Parlament
 
Im Parlament nehme die Skepsis gegenüber der SRG zu, sagte der Verlegerpräsident. Die Einsicht wachse, dass die privat finanzierten Medien in Gefahr seien und in ihrem Kampf gegen die SRG unterstützt werden müssten. Das Parlament wolle keine Machtballungen. (sda/wid)
 
Bilder: Keystone, wid