28.02.2013

"Schawinski"

"Der Hinweis auf 'Roger gegen Roger' war notwendig"

Der Talkmaster nimmt Stellung zum Vorwurf der Schleichwerbung.
"Schawinski": "Der Hinweis auf 'Roger gegen Roger' war notwendig"

Herr Schawinski, warum haben Sie angesichts Ihrer 66. Ausgabe von "Schawinski“ auf Ihr eigentliches Sendungskonzept verzichtet und auf dasjenige von "Roger gegen Roger" Ihres Privatradios zurückgegriffen? 
Ich versuche hie und da etwas Neues. So hatte ich nicht immer nur einen, sondern auch schon zwei und drei Gäste im Studio. Eine Sendung sollte sich weiterentwickeln und Überraschendes bieten. In der SRG werden ja auch andere Radioformate am Fernsehen getestet. Ein Duell zu drei aktuellen Themen hat meiner Meinung nach einiges Potential auch fürs TV, vor allem weil man im Gegensatz zum Radio zusätzliche Bildelemente einbringen kann, was ich am letzten Montag auch getan habe.

Wieso haben Sie "Roger gegen Roger“ am selben Abend auf Radio 1 ausfallen lassen?
Das war zwingend. Ich nehme immer die drei aktuellsten Themen der Woche. Das kann ich nur einmal machen, um die Spontaneität nicht zu beeinträchtigen. Alles andere wäre Theater.

Newsnet-Redaktor Christian Lüscher wirft Ihnen in einem Kommentar deshalb vor, Sie hätten auf SRF Werbung in eigener Sache betrieben.
Das ist grotesk. Wenn schon Werbung in dieser Sendung gemacht wurde, dann für die "Weltwoche", für Köppel, für die "Bilanz" und für den "Schweizer Journalist", die alle ausführlich zitiert und gezeigt worden sind. Der einmalige Hinweis auf die Sendung "Roger gegen Roger" bei Radio 1 gleich zu Beginn war eine notwendige Information.

Sind Sie überrascht von dieser Kritik? War Ihnen bewusst, dass die Adaption des Formats "Roger gegen Roger“ ins öffentlich-rechtliche Fernsehen womöglich problematisch sein könnte, den Vorwurf von Schleichwerbung hervorrufen könnte?
Das Gegenteil ist richtig. Ich bewerbe meine TV-Sendung Woche für Woche sowohl mit einem Hinweis unter meiner Kolumne in der "SonntagsZeitung" als auch einem Interview bei Radio 1.

Das Bakom wollte die Adaption des Radiosendeformats nicht kommentieren und lässt ausrichten, dass eine "unzulässige Werbewirkung für Radio 1 nicht erkennbar sei". Anders sieht es der vom "Tagesanzeiger" zitierte Medienjurist Urs Saxer, der "eindeutig" eine Werbewirkung ausmacht, die seiner Meinung nach nicht zugelassen werden sollte. Was sagen Sie dazu?
Lüscher brauchte drei Tage, um wenigstens eine einzige Person zu finden, die seiner absurden These teilweise folgen kann. Für einen Online-Journalisten ist allein dies schon blamabel. Dabei war er sogar gezwungen, Etikettenschwindel zu betreiben. Denn "Medienjurist Prof. Urs Saxer“ ist nicht, wie Lüscher im Artikel insinuiert, eine neutrale Fachperson. Er ist sowohl Anwalt unseres Konkurrenten Radio 105 als auch der Vertreter von Peter Wanner im langjährigen und äusserst schwierigen Streit um die Radiokonzession im Kanton Aargau, der bis hinauf zum Bundesverwaltungsgericht ausgefochten wird. Als Medienjournalist musste Lüscher dies wissen, da dieses Verfahren oft und ausführlich in der Presse behandelt worden ist. Dass er diese Interessenbindung nicht offen gelegt hat, beweist, dass er selbst einfachste journalistische Prinzipien zu verletzen bereit war, um seinen schon länger geplanten peinlichen Rundumschlag doch noch irgendwie abzustützen. Ich frage mich, wie man im "Tagesanzeiger" ein solches Vorgehen beurteilt. Auch empfinde ich es als nicht statthaften Übergriff von Urs Saxer, dass er sich trotz seiner Position als Gegenanwalt für diesen Angriff gegen meine Person zur Verfügung gestellt hat.

Warum haben Sie, wie im Artikel steht, auf die Anfragen des "Tagesanzeigers" in dieser Angelegenheit nicht reagiert?
Nachdem sich Christian Lüscher nicht nur in der Schweiz, sondern selbst in Deutschland mit unsachlichen Einwürfen gegen mich zu profilieren versucht hat, und nachdem selbst ein längeres Gespräch mit ihm und seinem Chef Peter Wälty keine Klärung gebracht hat, habe ich auf seine häufigen telefonischen und schriftlichen Kontaktversuche nicht mehr reagiert. Das Resultat meiner Verweigerung, ihm wie früher Aufmerksamkeit zu schenken, ist offenbar eine tiefe Verletzung seines Egos, die nun dazu geführt hat, dass er sogar noch weiter geht als selbst Köppel/Gut in ihrer Kampagne gegen seinen Chef Res Strehle. Im Gegensatz zur in diesem Punkt zurückhaltenden "Weltwoche" fordert er in seinem Kommentar nichts weniger als meine Absetzung. Das empfinde ich als äusserst bemerkenswert!

Was meinen Sie zur Kritik, dass Sie wegen Ihres Interviewstils, nicht die spannendsten und aktuellsten Gäste kriegen? Wenn Daniel Vasella gefragt wäre, bringen Sie Pascale Bruderer, ist Res Strehle der Mann der Stunde (was der Tagi freilich nicht schreibt), kommt Roger Köppel in Ihre Sendung.
Diese Vorwürfe zeigen die ganze Unbedarftheit von Lüscher. Er hat keine Ahnung, wie das läuft. So habe ich natürlich länger mit seinem Chef Res Strehle schriftlich diskutiert, um ihn in meine Sendung einzuladen. Er aber hat eine Stellungnahme abgelehnt, und dies wie mit Ausnahme vom "Schweizer Journalist" bei allen anderen Medien. Das ist sein Privileg. Mir daraus einen grundsätzlichen Vorwurf zu machen, erscheint mir grotesk. Besonders pikant ist dabei, dass ich Strehle in der von seinem Mitarbeiter Lüscher inkriminierten Sendung gegen die weitgehend unsachlichen und stillosen Angriffe der "Weltwoche" mit ganz deutlichen Worten in Schutz genommen habe.

Was meinen Sie zum Vorwurf der tiefen Quoten?
Welche Quoten? Seit zwei Monaten gibt es keine, was Lüscher wohl als Einzigem im Land entgangen ist. Und im letzten Jahr lagen die Quoten im Vergleich etwa zur deutschen Talk-Konkurrenz beträchtlich höher, und dies mit der einzigen Ausnahme der Sendung von Günther Jauch, welche mit einem Supervorlauf durch den Tatort ganz andere Startbedingungen hat als meine Sendung.

Ist die Sendung zum "must see“ geworden und wird Sie Ihren eigenen Ansprüchen gerecht?
Eine Sendung braucht lange, um sich zu etablieren. Das weiss jeder Profi. Ein Talk mit nur einem Gast ist die Königsdisziplin, an die sich in den grösseren deutschen Sender keiner mehr heran wagt. Die sehr späte Sendezeit ist ebenfalls nicht unbedingt Vorteil. Auch ist nicht jede Sendung von gleicher Brisanz. Aber wer schafft das schon? Ja, ich bin sehr zufrieden, weil ich weiss, dass es Woche für Woche ein Wagnis ist, mit einem Gast eine halbe Stunde zu reden. Und das Echo, das ich erhalte, gibt mir recht.

Wie sehen Sie die Zukunft von "Schawinski"?
Hervorragend. Und ich werde weiter experimentieren. So habe ich es in meiner Laufbahn bisher immer gehalten.

Interview: Benedict Neff


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