Thomas Sterchi, der Umgang von 3+ mit Produktionsfirmen hat für Schlagzeilen gesorgt. Auch aus ihrem Haus wurde Kritik laut. Hat Condor Films schlechte Erfahrungen gemacht?
Björn Hering und ich haben im letzten Sommer mit Dominik Kaiser betreffend der "Superstar-Produktion über einen längeren Zeitraum verhandelt. Nach langem Hin und Her mussten wir schlussendlich aufgrund völlig unrealistischer Termin- und Kostenvorstellungen von 3+ absagen.
Welche Konditionen hat 3+ denn angeboten?
Der Sender verlangte, dass wir ohne Gewinn- und Handlungsunkostenzuschläge produzieren -- also zu Selbstkosten und ohne Reserve. Er stellte uns lediglich eine sehr vage formulierte Gewinnbeteiligung an Werbeeinahmen in Aussicht. Aus diesem Grund habe ich auch bei einem Gespräch mit Dominik Kaiser im letzten Herbst eine Teilnahme von Faro-TV am Pitch für "Supermodel" ausdrücklich abgesagt.
Muss man einem TV-Sender nicht zugestehen, dass er versucht, für sich das Beste herauszuholen?
Es ist grundsätzlich legitim, dass jeder, der etwas einkauft, probiert die Preise zu drücken und optimale Konditionen auszuhandeln.
Aber?
Im Fall von 3+ waren die Vorstellungen von Dominik Kaiser überrissen, um nicht zu sagen eine Frechheit. Der Stil von Kaiser grenzt an Zynismus. Alle ausser ihm -- Produktionsfirmen, Mitarbeiter, Verleiher oder Werbekunden -- sollen den Sender finanzieren.
Das Budget für "Supermodel" ist laut Dominik Kaiser aber bereits zweimal erhöht worden.
Vielleicht hat er inzwischen etwas dazugelernt. Die aktuellen Konditionen für die Produktion von "Supermodel" kenne ich nicht. Ich weiss nur, was wir für Erfahrungen mit 3+ gemacht haben.
Unterscheidet sich das Gebaren von 3+ von anderen TV-Sendern?
Alle versuchen die Margen zu drücken, aber in der Art habe ich das nur bei 3+ erlebt. Faro-TV arbeitet insbesondere für das Schweizer Fernsehen und Sat.1 Schweiz und realisiert für diese Sender verschiedene Projekte. Auch da treffen wir auf harte Verhandlungspartner. Im Endeffekt wird aber beidseits eine Win-Win-Situation angestrebt.
Werden Produktionsaufträge oft nach Pitches vergeben?
Es ist in der Branche nicht unüblich, Produktionen im Pitch auszuschreiben. Ich würde mich aber nicht auf einen Wettbewerb wie bei "Supermodel" einlassen, bei dem 15 Produktionsfirmen teilnehmen. Nicht weil ich die Konkurrenz fürchte, sondern weil statistisch die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass ich den Zuschlag erhalte und für den Aufwand, den ich betrieben habe, entschädigt werde.
Warum stösst ihnen das Verhalten von 3+ dermassen auf?
Meine Statements sind lediglich eine Reaktion auf die erstaunlichen Äusserungen von Dominik Kaiser im letzten "persoenlich.com"-Artikel (Anmerk. der Redaktion: Titel des Artikels: "3+: Vorwürfe von Björn Hering zurückgewiesen") -- diese sind es vor allem, die mir "aufstossen"
Sind Sie auch enttäuscht, dass durch den neuen Sender nicht mehr Produktionen in Auftrag gegeben wurden?
Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, dass ein neuer Fernsehsender, der sich als das junge Schweizer Fernsehen rühmt, mehr Bewegung in die Produktionslandschaft bringt. Doch statt auf Eigenproduktionen setzt 3+ nur auf Konserven. Die Programmpolitik des Senders ist sicher nicht sehr förderlich für die Schweizer Produktionslandschaft.
Glauben Sie, dass es für 3+ in Zukunft schwieriger werden wird, Produktionsfirmen zu finden?
Wenn sich die Konditionen nicht ändern, wird es nicht einfach. Eine Partnerschaft sollte für beide Seiten aufgehen, es muss eine Win-Win-Situation entstehen. Bei Dominik Kaiser sieht es meiner Ansicht nach etwas zu stark nach einer I-win-you-lose-Mentalität aus. Ich glaube nicht, dass es sich eine Produktionsfirma mehr als einmal leisten kann, zu Selbstkosten eine Produktion zu realisieren.
Kann sich Condor Films bzw. Faro-TV künftig eine Zusammenarbeit mit 3+ vorstellen?
Es war weder Björn Herings Absicht, noch ist es die meine, möglichst aggressive Äusserungen zu 3+ abzugeben. Werden wir gefragt, sagen wir ganz einfach, wie es ist. Es gibt keinen Grund, nicht mit 3+ zusammenzuarbeiten, wenn ein Projekt inhaltlich und wirtschaftlich Sinn macht. Ich glaube aber nicht, dass wir für Dominik Kaiser, der meine Meinung kennt, in Zukunft der erste Ansprechpartner sind.
(Interview: Stefan Wyss)

