Seit einem halben Jahr läuft nichts mehr. Im vergangenen Juni gelangten die Gespräche um einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Medienbranche an einen toten Punkt (persoenlich.com berichtete). Zwar legte der Verlegerverband Schweizer Medien (VSM) einen Vorschlag auf den Tisch, aber die Sozialpartner befanden diesen für unzureichend. So hielten die Gewerkschaft Syndicom und der Berufsverband Impressum den vorgeschlagenen Mindestlohn von 4800 Franken pro Monat für zu tief. Sie verwiesen auf die Romandie, wo der entsprechende Betrag im geltenden GAV um 1000 Franken höher liegt.
1200 Unterschriften gesammelt
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben die Berufsorganisationen eine Petition lanciert. Am Dienstag übergaben Syndicom und Impressum dem Verlegerverband 1200 Unterschriften, die sie in den letzten Monaten gesammelt haben. Formal fordern die Berufsorganisationen, die GAV-Gespräche wieder aufzunehmen, inhaltlich wiederholen sie die bereits mehrfach geäusserten Forderungen nach besseren Konditionen in dem Vertragswerk und insbesondere einen höheren Mindesteinstiegslohn.
Was in der Romandie funktioniere, müsse auch in der Deutschschweiz und im Tessin möglich sein, formuliert Livia Lehner, Zentralsekretärin beim Berufsverband Impressum, die Erwartungen. Ihre Kollegin Stephanie Vonarburg, Vizepräsidentin der Gewerkschaft Syndicom, erwartet gemäss Medienmitteilung, dass die GAV-Verhandlungen weitergeführt werden mit dem Ziel, weiterhin im Journalismus gute Arbeit zu ermöglichen.
Verlegerverband spielt Ball direkt zurück
Am Ende ihrer gemeinsamen Medienmitteilung spielen die beiden Organisationen den Ball dem Verlegerverband zu, wenn sie schreiben: «Nun liegt es am VSM, eine für alle Medienschaffenden tragfähige, zukunftsgerichtete Lösung anzubieten.» Anstatt den Ball aufnehmen, spielt ihn der Verlegerverband direkt zurück. Als Reaktion auf die Petition schreibt der VSM in einer Mitteilung, die beiden Organisationen sollten ihre Forderungen überdenken.
Wie schon in früheren Stellungnahmen weist der VSM auf die in den bisherigen Verhandlungen erreichten Verbesserungen hin, etwa beim Kündigungsschutz oder den verbesserten Bedingungen für freie Mitarbeitende. «Das Resultat der Verhandlungen über den GAV wird unserer Ansicht nach zu stark auf den Mindestlohn für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger reduziert», wird VSM-Geschäftsführer Stefan Wabel in der Mitteilung zitiert. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen viele Medienunternehmen steckten, hält der Verlegerverband die Forderungen für «nicht nachvollziehbar». Damit ist klar: Auch die Petition ändert an der Pattsituation nichts.