Herr Felix, das Schweizer Fernsehen lehnt es ab, eine Spendengala für die Krebsliga zu senden. Was ärgert Sie daran?
Die Bittschrift der Krebsliga Schweiz, auf SF eine Spendengala zu übertragen, ist zum wiederholten Mal aus Gründen des Prinzips abgelehnt worden. Mit einem kurzen Formbrief aus obersten der SRG-Chefetage. Als ob die Initianten irgendwelche Nobodys wären.
Weshalb muss das Schweizer Fernsehen Ihrer Ansicht nach dem Thema Krebs eine breitere Plattform verschaffen?
Es sterben hierzulande jährlich 15'000 Menschen an Krebs. Der Kampf gegen die noch unbesiegte Krankheit muss auch auf SF intensiver geführt werden. Wir sollten medial alles Erdenkliche tun um aufzuzeigen, was man gegen den Krebs machen kann. Sonst werden wir zum Krebsfoschungs-Entwicklungsland zurückdatiert.
Tut SF für das Thema Krebs generell zu wenig?
In der Medizinsendung wird das leidige Thema manchmal aufgegriffen. Dies hinterlässt jedoch niemals die Wirkung, die man mit einem "Grossen Abend" erzielen könnte. Spannender und emotionsbeladener Stoff ist im Übermass vorhanden. Man muss nur wollen.
Das Schweizer Fernsehen sagt, es werde von Anfragen von Spendenorganisationen überhäuft. Weshalb sollte die Krebsliga da eine Vorzugsbehandlung erhalten?
Ich verstehe die Situation der Programm-Oberen, wenn täglich irgendwelche Anfragen ins Haus flattern. Doch Krebs ist die Krankheit, vor der die Leute am meisten Angst haben. Wohl zu recht!
Die Spendengala von Ringier fuhr eine Magerquote ein. Ist eine Spendengala nicht zu wenig publikumswirksam für SF1?
Aber hallo! Wo sind wir denn? Was ist der Auftrag unseres öffentlich-rechtlichen Senders? Quoten zu bolzen? Selbst wenn die Einschaltzahlen nicht den Wert von "Die grössten Schweizer Hits" erreichen: Eine gut und überzeugend inszenierte "Krebsgala" ist die einzigartige Chance, ein breites Publikum über diese Krankheit von A bis Z zu informieren. Zur Vorsorge zu raten. Hilfe anzubieten. Hoffnungen zu wecken. Und natürlich für die Krebsforschung und Krebsverhütung die notwendigen Mittel zu beschaffen.
Sie sind auch schon in der ZDF-Gala zugunsten der Krebshilfe aufgetreten. Welche Erfahrungen haben sie da gemacht? War die Sendung erfolgreich?
Höchst erfolgreich sogar! Ich trete bei unseren TV-Nachbarn öfters in Sendungen dieser Art auf und staune jeweils, wie grosszügig das Deutsche Fernsehen dem Thema Krebs die besten Sendzeiten zur Verfügung stellen. Mein Einsatz gilt vor allem der Kinderkrebsklinik Freiburg i.Br.
Das Schweizer Fernsehen hat die Krebsliga und RingierTV, das die Spendengala produziert, scharf kritisiert. Der "Kassensturz" warf RingierTV vor, mit der "Krebsgala" aus Spendengeldern der Krebsliga Profit zu schlagen. Eine berechtigte Attacke?
Nein, eine "geschämige" Unterstellung. Bei der Ombudsstelle ist eine Beanstandung hängig. Ich nehme an, dass daraus noch ein Rechtsfall wird.
Der "Kassensturz" berichtete letzte Woche, dass die Krebsliga in einem Spendenaufruf Emotionen mit falschen Patienten wecke. Was ist davon zu halten?
Dieser "Kassensturz"-Beitrag war wohl der unfairste, den ich seit 1974 gesehen habe. Es ging um den TV-Spot, in dem gezeigt wird, wie Reto dank erfolgreicher Krebsbehandlung das Spital verlassen kann. Der Vorwurf, es handle sich dabei "nur" ein einen jungen Schauspieler, ist an Perfidität nicht zu überbieten. Niemals dürfte man mit einem echten Leukämie-Kind Fernsehwerbung für einen Spendenaufruf machen. Sowas gäbe in den USA eine Millionenklage! Ich vermute, dass der "Kassensturz" der Krebsliga Schweiz aus Rache eins auswischen wollte, weil sie sich gegen die Negativ-Berichterstattung der letztjährigen Spendengala gewehrt hat.
Glauben Sie, dass die Petition, welche die Krebsliga lanciert hat, Armin Walpen zum Umdenken bringt?
Ich meine, dass nicht jedes Prinzip in Stein gemeisselt ist und dass man seine Programmpolitik überdenken und der Zeit und den Bedürfnissen anpassen sollte. Diese Petition wird Herr Walpen sicher veranlassen, seine Position zu überdenken. Dies müsste man auch beim "Kassensturz" tun. Denn die Leidtragenden sind am Schluss die Krebskranken.
(Interview: David Vonplon)