"Per Stichtag 30. Juni 2010 schrieb die Basler Zeitung Medien (BZM) schwarze Zahlen" - dank Restrukturierungsmassnahmen, die der ehemalige BaZ-Verleger Matthias Hagemann vor dem Verkauf des Unternehmens noch eingeleitet hatte. Diese Aussage machte der neue BZM-CEO und Mitinhaber Martin Wagner gestern Abend an einer Podiumsdiskussion im Basler Schauspielhaus über die «Zukunft der Basler Zeitung». Weiter hob Wagner hervor, dass er für sein Blatt im publizistischen Bereich keine Kooperationsmöglichkeiten sehe. "Die BaZ soll in Basel gemacht werden, für Basel, aus der Sicht von Basel - das ist entscheidend." Aus diesem Grund verschiesse sich die BZM auch einem Newsroom- oder Mantelkonzept. Spielraum für eine Zusammenarbeit mit andern Verlagen sieht Wagner aber auf der Ebene Druck, Werbeverkauf ("durch gescheite Pools"), bei der Wochenendbeilage und beim Onlineauftritt. In den drei letztgenannten Bereichen hat die BZM derzeit laufende Verträge mit Tamedia.
Für die weitere Zukunft seien aber auch Kooperationen mit Peter Wanner, Chef der AZ Medien (Basellandschaftliche Zeitung, Aargauer Zeitung, Solothurner Zeitung) "denkbar". Aktuell fänden "zu den Bereichen Sonntagsausgabe, Druck und Online auch Gespräche statt", sagte Wagner. Er wehrte sich aber gegen die Vermutung, es handle sich dabei um eigentliche Fusionsgespräche. Zwar wünsche sich Wanner tatsächlich ein Zusammengehen, sagte Wagner. "Ich denke aber, dass wir uns jetzt zuerst positionieren, unsere Hausaufgaben machen und diese Firma in eine gesunde Zukunft führen müssen, bevor wir einen ganz engen Schulterschluss machen."
Wagner hatte die BZM vor sechs Monaten zusammen mit dem Tessiner Investor Tito Tettamanti von der Basler Verlegerfamilie Hagemann übernommen. Der 50jährige Wagner ist zu 25 Prozent beteiligt, der 80jährige Tettamanti zu 75 Prozent. Doch wie schon an der ersten Pressekonferenz nach der Übernahme war Wagner auch gestern nicht willens oder in der Lage, ein Konzept für die Basler Zeitung vorzulegen. «Die BaZ soll in der Nordwestschweiz ein erfolgreich operierendes Medienunternehmen werden mit einer wirtschaftsfreundlichen Haltung und einer nationalen Wahrnehmung», sagte er etwa. Um dann gleich anzufügen: «Das Konzept ist klar, offen ist die Umsetzung.»
Auf die Frage der Diskussionsleiter Dieter Kohler und Gaudenz Wacker vom DRS Regionaljournal, ob denn mit der Umsetzung noch nicht begonnen worden sei, meinte Wagner: "Doch. Wir haben den Verwaltungsrat strukturiert, Bankengespräche geführt, einzelne Neubesetzungen vorgenommen, Konzepte diskutiert, Reorganisationen gemacht und einige Sparrunden umgesetzt." Weiter betonte er mehrmals, dass er in Recherche und Journalismus investieren wolle. Woher er aber das nötige Geld beschaffen will, blieb einmal mehr unklar. Hier einige weitere Aussagen von Wagner im O-Ton: "Gehen Sie davon, dass die Tageszeitung als Printmedium innerhalb eines Medienkonzerns an ein Businessmodell geknüpft wird, und dass Ertragsquellen generiert werden, so dass es finanziell aufgeht."
"Wir haben die Aufgabe, aus der BaZ ein Erfolgsmodell zu machen. Printmedien und Tageszeitungen sind Geschäftsmodelle wie alle andern auch: Sie müssen unter dem Strich wirtschaftlich erfolgreich werden."
"Warum sind wir bei der BaZ eingestiegen? Weil wir auf der Medienlandkarte viele Businessmodelle sehen, die man realisieren und mit denen man ein Printmedium durchaus auch in die Zukunft führen kann vielleicht mit anderer Ausrichtung, vielleicht mit anderen Konzepten. Aber im Verbund mit andern Medien, mit Radio, TV, Print, Film und auch Events. Denn die Medien wachsen zusammen."
Auf die Frage, wie langfristig Wagner sein Engagement bei der BZM sehe, witzelte er: "Bis die BaZ eine starke Regionalzeitung mit nationaler Wahrnehmung sein wird." Sollte sie dieses Ziel aber bis zu seiner Pensionierung nicht erreichen haben, "werde ich halt nochmals zehn Jahre anhängen."
Natürlich wurde Wagner auch auf seinen Kanzleipartner Jascha Schneider angesprochen, der den Bund der Minderheitsaktionäre von Radio Basel präsidiert und seit einer Woche Radio-Basel-Gründer Christian Heeb angreift. Hiezu wiederholte der BZM-CEO im Wesentlichen aber bloss, was er schon gegenüber "persoenlich.com" gesagt hatte. Heeb, der selbst im Publikum sass, war mit Wagners Antwort aber überhaupt nicht zufrieden. Dies sagte er nach der Diskussion gegenüber "persoenlich.com".
(Text: Markus Knöpfli)