Deutscher Bundeskanzler nimmt Stellung

Rechtschreibreform - Schröder gegen Rücknahme der Schreibreform -- Nachbesserungen möglich.

In der Debatte um die künftige Rechtschreibung hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder gegen eine Rücknahme der Reform gewandt. Auch mehrere deutsche Politiker wiesen Forderungen nach einer Volksbefragung zur Rechtschreibung zurück. Nach jüngsten Umfragen lehnen 55 bis 75 Prozent der Deutschen die neuen Schreibregeln ab. Der Druck, schnell Lösungen zu finden, stieg indessen. Kultusminister der Bundesländer stellten die Rücknahme einzelner besonders umstrittener Schreibweisen durch den im Herbst geplanten Rat für deutsche Rechtschreibung in Aussicht. .

Rund 70 Rechtsprofessoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz forderten eine Volksabstimmung. Der Sprecher der Initiative, der Münchner Rechtsanwalt Johannes Wasmuth, sagte, die Entscheidung über die Reform müsse den Kultusministern genommen werden. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Doris Ahnen, wandte sich am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" gegen eine Volksabstimmung. Die SPD-Politikerin verwies erneut auf den "einstimmigen Beschluss" in der KMK, die Rechtschreibreform nach mehrjähriger Übergangszeit zum 1. August 2005 verbindlich zu machen.

Auch der Vorsitzende der Zwischenstaatlichen Rechtschreibkommission, Karl Blüml, räumte ein, dass Nachbesserungen der Reform nötig seien. "Dass sie modifiziert und weiterentwickelt werden muss", sei sicher, sagte Blüml im DeutschlandRadio Berlin. Grundsätzlich werde die Reform aber Bestand haben. Die Kultusminister hatten die Reform 1995 unter der Voraussetzung beschlossen, dass die Regierung in Berlin und die Ministerpräsidenten zustimmen. Der Bund stimmte am 17. April 1996 zu.

Auch eine mögliche Verlängerung der Übergangsfrist, in der alte Schreibweisen nicht als Fehler, sondern nur als überholt angestrichen werden, ist bereits nach dem KMK-Beschluss von 1995 möglich. Die Axel Springer AG kündigte unterdessen an, "in etwa vier Wochen" auf die alten Regeln umzustellen.

Bei der "Süddeutschen Zeitung" werde "intern diskutiert, ob und welche Regelungen der neuen Rechtschreibung bei der Rückkehr zur alten beibehalten werden", sagte Sebastian Lehmann, Sprecher des Süddeutschen Verlags dem "Tagesspiegel". Auch der Spiegel-Verlag will künftig auf Basis der alten Regeln schreiben. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rief die Medien zu einer einheitlichen Linie bei der künftigen Rechtschreibung auf.

Der deutsche Schriftstellerverband PEN verlangte erneut eine möglichst schnelle Rücknahme der neuen Orthografie. Der Deutsche Lehrerverband und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels forderten lediglich eine schnelle Einigung. Vertreter von Politik und Medien in Österreich sprachen sich für die Beibehaltung der neuen Rechtschreibung aus. "In den Schulen ist die Reform gut angekommen", sagte die österreichische Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Die Schüler machten weniger Fehler als früher.