Der Berliner PPS Presse-Programm-Service hat den Markt der kleinformatigen Programm-Zeitschriften im deutschsprachigen Raum unter die Lupe genommen. Dies, nachdem Premiere für anfangs Mai den Starts eines TV-Magazins im Pocketformat angekündigt hatte ("persoenlich.com" berichtete). Zum Hintergrund, warum deutsche Verlage nicht auch schon längst in den Markt der Pocketformate investieren, wurden Verlagsentscheider des Axel Springer Verlages, der Verlagsgruppe Bauer, Milchstrasse sowie Gruner und Jahr, aber auch der Schweizer Jean Frey AG befragt.
In den deutschsprachigen Verlagshäusern gibt es eine zwiespältige Einschätzung zu Pocket-Formaten. Fast alle von PPS befragten Verlagsentscheider würden persönlich einen kleinformatigen TV-Titel nutzen. Dennoch sehen die Blattmacher keine wirtschaftlichen Perspektiven für TV-Zeitschriften im Pocketformat. Eine fundierte Kundenakzeptanz ist nach zahlreichen Marktforschungen des Axel Springer Verlages nicht erkennbar. "Acht von zehn Befragten gaben an, das Format für Blödsinn zu halten", gibt der Verlagsgeschäftsführer Programmzeitschriften des Axel Springer Verlages, Jochen Beckmann, zu bedenken. Auch den erkennbaren Kundenvorteil eines mobilen Programmheftes stellt er in Frage. "Programm zum Mitnehmen macht keinen Sinn", so Beckmann. Um TV-Zeitschriften als Kleinformate zu akzeptieren, müssten Leser seiner Meinung nach erst einmal komplett umgewöhnt werden. Diese würden Pocketformate derzeit immer mit "umsonst" und "zum Mitnehmen" verbinden. Beckmann unterstreicht seine Position: "Programm trägt man nicht mit sich herum, das liegt zu Hause auf dem Fernsehtisch. Aus welchem Grund sollte man da auf ein Kleinformat zurückgreifen?"
Andreas Schoo, Verlagsgeschäftsführer der Heinrich Bauer Programmzeitschriften Verlags KG, sieht ebenfalls keine wirtschaftliche Basis für eine kleinformatige Neueinführung. Dr. Michael Kleinjohann, Verlagsleiter von TV Spielfilm, Dr. Sven Hasselmann, stellvertretender Verlagsleiter von TV Today, und Wolfgang Meier, Herausgeber von TV Media in Österreich, wollen keine Stellung zu verlagsinternen Überlegungen nehmen.
Auch Heinz Scheiner, Verlagsleiter des Super TV Verlages, ist nicht von einer Marktchance für Mini-Programmies überzeugt. Er sieht aufgrund der Sender-Vielzahl Probleme in der übersichtlichen Darstellung des TV-Programmes. Darüber hinaus ist auch ein eindeutiger Kostenvorteil durch die Produktion des kleineren Formates nicht erkennbar. Premiere hingegen weist auf erkennbare Porto- und grosse Papierkosten-Reduzierungen hin, räumt aber gleichzeitig ein, dass sich die Kostensenkungen weniger im Druckbereich zeigen.