Die aktuellsten Leserzahlen der Schweizer Presse

- Die Auswertung der Reichweiten der Printmedien Mach Basic 2009-2 dürfte die Verlagsbranche freuen, denn durchs Band präsentieren die meisten Publikationen stabile Zahlen. Die Gratispresse weist wie von ihr gewohnt einen Reichweitenzuwachs aus. Ebenfalls im Plus ist der Sonntagsmarkt. Aber auch das Sorgenkind Tagespresse wird vermehrt gelesen. Von Genf bis Chur werden die hiesigen Blätter wieder mehr konsumiert. Man darf von einem guten Jahrgang sprechen. Die Zahlen im Überblick:

Die neusten Leserzahlen der Wemf sind erfreulich. Die Reichweiten der meisten Printmedien sind weitgehend stabil. Auch die Kaufzeitungen, die im Frühjahr noch ein uneinheitliches Auf und Ab verzeichneten, können auf eine treue Leserschaft zählen. Einzelne Titel verzeichnen sogar statistisch signifikante Veränderungen nach oben.

20 Minuten nach wie vor eine Erfolgsstory

Beginnen wir mit der Gratispresse. Die im Markt verbliebenen Gratiszeitungen stossen bei der Leserschaft nach wie vor auf steigendes Interesse. Das Pendlerblatt "20 Minuten" bleibt die mit Abstand meist gelesene Tageszeitung der Schweiz. Die vom Markt verschwundenen Gratisblätter "Cash" und ".ch" wirkten sich nicht sonderlich auf den Leserzuwachs von "20 Minuten" aus. Der grosse Sprung nach vorne blieb aus. Das Pendlerblatt erweitert seine Reichweite um 52'000 auf neu 1'417'000 Leser. Hält der Trend weiter an, dürfte die Marke von 1,5 Millionen wohl spätestens im nächsten Herbst überschritten werden.

Auch in der Westschweiz konnte "20 Minutes" deutlich zulegen (+38'000). Neu erreicht das Pendlerblatt 526'000 Leser, liegt aber weiterhin hinter "Le Matin bleu" zurück. Der einstige Konkurrent, Tamedia kaufte das Blatt von Edipresse, wuchs zwar nur um 25'000 auf neu 559'000 Leser, ist aber in der Romandie nach wie vor die Nummer eins. Des einen Freud, des anderen Leid, könnte man diese Entwicklung beschreiben. Denn der Zuwachs der Gratiszeitungen in der Westschweiz geht womöglich auf Kosten der Kaufzeitungen. Der Abwärtstrend von "Le Matin" (-20'000 Leser) hält weiter an. Das gleiche Schicksal teilt das Schwesterprodukt "Matin dimanche". Im Vergleich zu den im Herbst 2008 publizierten Zahlen verlor die Sonntagszeitung innert eines Jahres 24'000 Leser. Interessant ist allerdings, dass Westschweizer Zeitungen wie "Le Temps" oder "Le Nouvelliste" beide zulegen konnten. Somit leiden nicht alle unter dem Boom der Gratiszeitungen.

Zum ersten Mal sind auch die Zahlen der Pendlerzeitung "News" verfügbar. Der Titel kommt auf 334'000 Leser, was in der nächsten Befragung nach unten korrigiert werden dürfte, da "News" Ende August in den Ballungszentren Bern und Basel eingestellt wurde. Auch die Gratispostille "Blick am Abend" taucht zum ersten Mal in der Wemf-Auswertung auf. Mit 358'000 Lesern bringt es der Ringier-Titel auf eine beachtliche Anzahl Leser.

Lukrativer Sonntagsmarkt

Nebst den Gratiszeitungen erfreuen sich auch sämtliche Sonntagstitel über eine hohe Nachfrage. Der "Sonntag", das jüngste Projekt aus dem Haus AZ Medien, konnte die Leserschaft von 355'000 auf 370'000 noch oben schrauben. Aber auch die Konkurrenz machte Boden gut. Der "SoBli", in der letzten Befragung noch klarer Verlierer, stoppte den Leserschwund und verbucht neu einen leichten Zuwachs (+20'000). Grosse Gewinner im Sonntagsmark sind allerdings die "SonntagsZeitung" (+61'000), "NZZ am Sonntag" (+24'000) und die "Südostschweiz am Sonntag" (+11'000). In der Westschweiz ist der "Le Matin dimanche" wie bereits erwähnt rückläufig.

Tageszeitungen weitgehend stabil

Ebenfalls positiv ist die Entwicklung der bezahlten Tagespresse. Sie hält sich trotz verändertem Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung erstaunlich stabil. Von Bern bis Chur kann die Tagespresse auf eine treue Leserschaft zählen. Der "Tages-Anzeiger", die "Mittelland Zeitung", die "NZZ", die "Neue Luzerner Zeitung", "Die Südostschweiz", "Berner Zeitung", die "Thurgauer Zeitung" und der "Landbote" weisen alle solide Zahlen aus. Das "St. Galler Tagblatt“, der "Blick" und die "Argauer Zeitung" verlieren etwas an Terrain, jedoch auf bescheidenem Niveau. Einzig der "Züricher Oberländer", die "Zürcher Landzeitung" und die "Zürichsee Zeitungen" büssen an Reichweite ein. Sie verlieren zusammen rund 38'000 Leser. Auffallend ist die Entwicklung sämtlicher Tamedia-Titel. Waren die Leserzahlen im Frühjahr noch überall rückläufig, konnten die Stammblätter "Tages-Anzeiger", "Berner Zeitung", "Thurgauer Zeitung" und "Der Landbote" wieder Leser gut machen.

Wochentitel bleiben ebenfall stabil

Auch die von Tamedia herausgegebene "Finanz und Wirtschaft" kann sich über einen markanten Lesergewinn (+11'000) freuen. Und auch andere Wochentitel, die das Medienhaus an der Werdstrasse herausgibt, zeigen eine positive Bilanz: Das "Magazin" (+41'000), "Annabelle" (+29'000) und "Schweizer Familie" (+43'000). Aber auch die Konkurrenz hat keinen Grund zum Trübsal blasen. Bei den meisten Titeln zeigen die Leserzahlen nach oben. Wie zum Beispiel das "NZZ Folio" (+27’'000) oder die "Weltwoche“. In der letzten Erhebung noch rückläufig, konnte das Blatt von Roger Köppel die Leserzahl stabilisieren und weist 348'000 Leser auf. Interessant ist die Entwicklung des Magazins K-Tipp. Die grösste abonnierte Zeitschrift knackt die Ein-Millionen-Marke. In der Krise nimmt wohl die Nachfrage an Konsumentenschutzthemen zu.

Und wie schneiden die Ringier-Zeitschriften ab? Diese können ebenfalls eine positive Bilanz präsentieren. Die "Glückspost" konnte einen grossen Sprung nach vorne machen (+28’000 auf 412’000). Aber auch "SI Style" (+10'000) wird immer fleissiger gelesen. Die "Schweizer Illustrierte" verliert zwar auf hohem Niveau 1000 Leser, trübt das Bild jedoch keineswegs. (cl)

Reichweiten im Überblick

Die folgenden Tabellen zeigen eine Auswahl von wichtigen Zeitungen und Zeitschriften -- es handelt sich nicht um eine Abbildung sämtlicher Leserzahlen. Es wurden nur Daten von Titeln übernommen, die in der regulären Auswertung von Mach Basic 2009-2 aufgelistet sind.