"Die BaZ betreibt Etikettenschwindel"

- Nach dem Anschluss der Basellandschaftlichen Zeitung (bz) an den Mittelland-Verbund (MZ) spricht man mittlerweile auch in der Nordwestschweiz von einem Zeitungskrieg. Auf das Eindringen der Rüebliländer reagierte die Basler Zeitung (BaZ) mit einem Ausbau der Land-Redaktion und einer kostenlosen Grossauflage im Baselbiet. bz-Verleger Mathis Lüdin (Bild) zeigt sich davon wenig beeindruckt: "Was die BaZ liefert, ist nicht viel mehr als die bisherige Notportion", sagt er im Interview mit "persoenlich.com".

Herr Lüdin, Sie haben die Publikation einer Gratulationsanzeige der BaZ in der bz abgewiesen. Empfanden Sie das Inserat als Affront?

Nein, das nicht. Aber die Anzeige, die in der bz hätte erscheinen sollen, ist inhaltlich schlicht falsch. Darin heisst es, Peter Wanner sei Verleger der Mitteland Zeitung, zu der neu auch die bz gehöre. Damit wird doch auf perfide Art und Weise suggeriert, dass die bz Wanner gehört. Das konnten wir nicht akzeptieren.

Die Anzeige illustruiert, wie das Baselbiet durch Rüebliländer unterwandert wird. Haben Sie mit diesem Bild kein Problem?

Man kann diese Darstellung lustig finden, oder nicht. Letztlich ist es doch der krampfhafte Versuch der BaZ uns zu unterstellen, wir seien eine Zeitung des Rüeblilands. Auch das ist falsch, aber als Karikatur hätten wir das durchgelassen.

Immerhin stammt rund die Hälfte der Inhalte der neuen bz aus der Mantelredaktion der MZ.

Richtig ist, dass wir rund einen Drittel von der MZ übernehmen. So die Ausland- und Inlandberichterstattung, dazu kommen einzelne Artikel aus den Ressorts Kultur, Wirtschaft und Sport. Alle anderen Ressorts produzieren wir eigenständig.

Nach 174 Jahren selbständiger Produktion erschien die bz am Samstag erstmals im Verbund mit der Mittelland-Zeitung. Kein Anlass zu Wehmut?

Nein, der Anschluss an den MZ-Verbund ist ein logischer Schritt, um zu überleben. Es wäre deshalb dumm gewesen, uns auf eine hundertprozentige Unabhängigkeit zu versteifen. Die bz bleibt ja auch so eine eigenständige Zeitung. Nur kommt sie nun weit professioneller daher. Bislang mussten wir uns für den In- und Auslandteil stets ein wenig schämen.

Gab es im Verlag keinen Widerstand gegen die Kooperation?

Einige Aktionäre hatten anfänglich Vorbehalte. Diese sind jedoch längst einer umfassenden Zustimmung gewichen. Es herrschte Einigkeit, dass unsere Zeitung dank dem Anschluss an die Mittelland Zeitung besser wird.

Der Zeitungskrieg in Basel wird in der Regionalberichterstattung entschieden, sagen Branchenkenner. Wie reagieren Sie auf den Ausbau der Regionalberichterstattung der BaZ?

Die BaZ hat viel angekündigt, diese Versprechen aber noch nicht eingelöst. Denn der neue Regionalteil der BaZ fürs Baselland ist im Vergleich zu unserer Zeitung immer noch ziemlich dünn. Wo die von BaZ-Verleger Matthias Hagemann angekündigte Verdoppelung der regionalen Berichterstattung bleibt, ist mir ein Rätsel. Was die BaZ liefert, ist doch nicht viel mehr als die bisherige Notportion.

Die grosse BaZ ist im Baselbiet also keine Konkurrenz für die kleine bz?

Doch, grundsätzlich ist sie eine Konkurrenz. Es ist jedoch alles eine Frage der Interessenlage. Nicht alle Städter sind erfreut über einen Ausbau der Regionalberichterstattung. Bis jetzt kann ich die Verdoppelung des Regionalteils nicht erkennen. Mit dieser nicht erfüllten Ankündigung wird die BaZ noch Probleme erhalten.

Die BaZ hat sehr scharf auf die Kooperation mit der MZ reagiert. Haben Sie damit gerechnet?

Ja, davon sind wir ausgegangen. Dazu aber eine Anmerkung: Die BaZ hat in den vergangenen vier Jahren massiv mehr Stellen in der Regionalredaktion abgebaut, als sie nun neu geschaffen hat. Den zehn neuen Stellen stehen rund dreissig verlorene Stellen gegenüber. Sie sehen, die BaZ betreibt auch hier Etikettenschwindel.

Nicht nur in der Region Zürich, auch in der Region Basel wird mittlerweile von einem "Zeitungskrieg" gesprochen. Entspricht dieser Ausdruck Ihrer Wahrnehmung?

Nein. Krieg ist ein grosses Wort. Für mich ist es eine Auseinandersetzung zwischen zwei Zeitungen, die in einem Wettbewerbsverhältnis stehen. Mehr nicht.

Könnte man von einem Verdrängungskampf sprechen?

Auch den sehe ich nicht. Natürlich steht -- zumindest theoretisch -- hinter den Bestrebungen das Ziel, den anderen zu verdrängen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass Matthias Hagemann im Ernst glaubt, er könne uns verdrängen. Mit der MZ-Partnerschaft sind wir in unserer Region doch weit stärker als er.

Die BaZ will das Anzeigengeschäft von der Publigroupe lösen. Wie wollen Sie darauf reagieren?

Fakt ist: Die BaZ hat einen Vertrag mit der Publicitas, aus dem sie nicht so rasch aussteigen kann.

Und falls doch?

Das würde heissen, dass sich die Publigroupe stärker auf uns und auf die MZ konzentrieren müsste. Die "P" wird doch den Raum Basel nicht einfach aufgeben! Ich würde eine Loslösung deshalb für uns als einen Vorteil betrachten.

Im Interview mit dem Schweizer Journalist sagt AZ-Verleger Peter Wanner, er glaube, dass es im Basler Zeitungskrieg nur Verlierer geben werde. Gehen Sie mit Ihrem Kollegen in dieser Einschätzung einig?

Nein. Es könnte einen Sieger geben. Aber warten wir ab, oder wie man im Baselbiet sagt: "Mir wei luege".

(Interview: David Vonplon)

Zum Thema: BZ: Gratulations-Inserat von BaZ abgelehnt