Die Blogs feiern ihren 5. Geburtstag

Tagesanzeiger.ch/Newsnet - Michael Marti, «Blog-Papa» und Leiter Digital, im Interview.

Herr Marti, die Blogs auf tagesanzeiger.ch feiern ihren 5. Geburtstag. Was ist anlässlich des Jubiläums genau geplant?
Gabriela Braun, Leiterin des Blog-Ressorts, hat ein attraktives Programm zusammengestellt. In den nächsten Tagen werden wir immer wieder spezielle Postings zum 5-Jahre-Jubiläum publizieren. Schriftsteller Philipp Tingler schreibt über den digitalen Stil, Politologe Claude Longchamp wird über das Thema Blogs und Politik posten. Und wir werden diejenige Frau vorstellen, die während fünf Jahren im Mamablog die meisten Kommentare schrieb; es sind tausende.

Sie haben auch «multimediale» Berichte angekündigt.
Ja. Denn Blogs sind nicht einfach nur Buchstaben. Wir drehten Kurzvideos, in denen wir viele unserer Blogger vorstellen – seien Sie gespannt darauf, was Sie beispielsweise über Thomas Widmer erfahren werden, Wandersmann der Nation, oder über Natascha Knecht, Buchautorin und Verantwortliche für den Outdoor-Blog.

Inzwischen gibt es ganze 15 Blogs auf tagesanzeiger.ch, neue sind bereits in den Startlöchern und seit März drucken Sie einige Blog-Highlights auf Seite zwei im Print-Tagi. Warum sind Blogs so beliebt?
Zum einen sind diese oft inhaltlich eine Bereicherung. Sie offerieren Themen, die der klassische Journalismus vernachlässigt, oder für die Ressourcen fehlen. Der Erfolg des Mamablogs ist dafür ein Beispiel: Vor fünf Jahren fand man klug aufbereite und überraschend präsentierte Gender-, Familien- und Erziehungsthemen in den traditionellen Medien kaum. Heute ist es anders – heute kann man sich kaum mehr davor retten. Zum anderen: Postings, gute Postings, sind formal attraktiv. Fokussiert, subjektiv, im Dialog mit den Leserinnen und Lesern. Bloggen ist ein extrovertiertes, ein dialogisches Handwerk. Und dies schätzt das Publikum.    

Welche Blogs lesen Sie selber? Gibt es einen Blog - ausserhalb von tagesanzeiger.ch - den Sie besonders gelungen finden?
Selbstverständlich. Bei "NZZ Online" schätze ich die Postings von Jeroen van Rooijen sehr. Auf watson.ch mag ich den Blog «Frag Frau Freitag». Und grossartig finde ich «Lens», den Fotografie- und Multimedia-Blog der "New York Times".

Im Sweet-Home-Blog weisen Sie Kunden explizit darauf hin, Ihnen Themenvorschläge zu schicken, über die dann gebloggt wird. Wie rege wird dieses Angebot genutzt?
Der Hinweis ist erst seit einigen Monaten auf der Site. Meistens erhalten wir Presseunterlagen und Medieninfos via E-Mails oder persönliche Kontakte – wie jede andere Redaktion.

Ein guter Werbekunde scheint das Möbelhaus Pfister zu sein, das in sehr vielen Sweet-Home-Beiträgen erwähnt wird. Wie viel kostet es ein Unternehmen, wenn Sie über dessen Produkte bloggen?
Wir bloggen nicht gegen Geld. Ich wurde von persoenlich.com schon einmal darauf angesprochen, aber halte es hier gerne nochmals fest: Wer in unseren Blogs werben will, und das kann ich nur empfehlen, der wende sich bitte an den Verlag, um Anzeigen zu buchen. Dass in einem Blog, der sich mit Konsumgütern wie etwa Möbeln auseinandersetzt, auch Firmen und Hersteller erwähnt werden, ist nicht nur normal, sondern unvermeidbar.

Was macht Blogs besonders attraktiv für Werbung?
Am besten würden Sie diese Frage wohl unseren Inserenten stellen. Aber sicher: Viele unserer Blogs wenden sich an klar definierte Zielgruppen wie Eltern, Outdoor-Fans oder Interior-Interessierte. Und die Userinnen und User sind sehr engagiert und verweilen lange in den Blogs – solch ein Umfeld ist selbstverständlich attraktiv für Werbung. Wir betreiben jedoch auch Blogs, die sich kaum kommerzialisieren lassen, etwa der zweisprachige Politblog, der wegen der Übersetzungen sehr aufwendig ist.

Nicht alle Blogger sind auch Tagi-Journalisten. Welche Anforderungen muss man als Blogger mitbringen?
Zunächst: Ich bin ausgesprochen glücklich darüber, dass immer mehr Tagi-Kolleginnen und –Kollegen das Bloggen entdecken, etwa in unserem neuen Fussballblog. Das ist für alle ein Gewinn. Und ja, in der Tat bloggen für uns auch Autorinnen und Autoren, die nicht eigentliche Journalisten sind. Etwa ein Tobias Straumann, Wirtschaftshistoriker und Privatdozent an der Universität Zürich: Er postet in "Never Mind The Markets". Oder ein Philipp Tingler, Schriftsteller und Publizist, der im Blogmag schreibt. Diese Autoren haben eine aussergewöhnlich hohe Themenkompetenz, ein Fachwissen, das sie mit uns und ihren Leserinnen und Leser teilen. Selbstverständlich muss ein Blogger schreiben können – und sich für sein Publikum interessieren, die Diskussion in den Kommentarspalten.

Sie haben neue Blogs nach dem 5-Jahre-Jubiläum angekündigt: Können Sie hier noch etwas konkreter werden?
Mit dem Datenblog, ein grosser Erfolg übrigens, besteht bereits eine Zusammenarbeit mit der "SonntagsZeitung". Die werden wir auf Beginn 2015 ausbauen. Es wird einen neuen gemeinsamen Blog von Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung und Newsnet geben, der verzahnt ist mit den Printausgaben. Ein ambitioniertes Projekt im Bereich Gesundheit und Wellbeing. Ein gemeinsames Team arbeitet derzeit titelübergreifend daran.

Herr Marti, zum Schluss noch etwas ganz Anderes: In der Branche immer noch zu reden gibt Ihre Analyse zu watson.ch und blickamabend.ch. Bereuen Sie mittlerweile, dass Sie diesen Text geschrieben haben?
Ich kann nicht beurteilen, ob der Text in der Branche tatsächlich so viel und immer noch zu reden gibt. Zu den Äusserungen über mich seitens Watson, veröffentlicht letzte Woche auf persoenlich.com, will ich mich nicht äussern. Diese Art der Auseinandersetzung entspricht mir nicht. Ich bin sicher, Sie werden das respektieren.

Fragen: Seraina Etter, Bild: zVg