Alles, sofort, immer, überall und gratis – die digitale Herausforderung. Das war das Thema am diesjährigen Communication Summit, der am Dienstagabend im voll besetzten Auditorium Maximum der ETH Zürich stattfand. Organisiert wurde der Anlass vom Zürcher Presseverein (ZPV) und von der Zürcher Public-Relations-Gesellschaft (ZPRG). Pietro Supino, Verleger und Tamedia-Verwaltungsratspräsident, "Sonntagsblick"-Chefredaktorin Christine Maier sowie NZZ-CEO Veit Dengler diskutierten unter der Leitung von Reto Lipp, Moderator der SRF-Wirtschaftssendung "Eco", über den rasanten Umbruch der Medienrezeption und die künftigen Herausforderungen für Anbieter und Vermittler von Inhalten und Informationen.
Ungewissheit als Chance
Da neben Miriam Meckel auch Frank Schirrmacher, Herausgeber "Frankfurter Allgemeine Zeitung", nicht wie geplant an der Veranstaltung teilnehmen konnte, ist Tamedia-Verleger Pietro Supino spontan als Hauptreferent eingesprungen.
Supino erläuterte einige Haupttrends in der digitalisierten Medienwelt: "Wir sollten die Ungewissheit als Chance begreifen, denn Ungewissheit ist per se ergebnisoffen", begann er seinen Vortrag. Neben der Unsicherheit sei eine Vervielfachung des Medienangebots feststellbar: "Noch nie gab es so viel Niveauloses wie heute. Aber auch noch nie so viel Gehaltvolles." Dies hat laut dem Zürcher Verleger zur Folge, dass es künftig weniger, dafür umso hochwertigere Zeitungen gibt. Der Kostendruck auf die Branche werde zwar weiterhin steigen, "Medien sollen aber diesen Herausforderungen begegnen und sich nicht als Opfer sehen".
Als bedeutendste Veränderung nennt Supino die "Desintermediation" der Öffentlichkeit. Dank der neuen technologischen Möglichkeiten finden Kontakte vermehrt ausserhalb der traditionellen Medien statt, wodurch die journalistischen Vermittler teilweise ihre Funktion als Gatekeeper verlieren. Wie sich der öffentliche Raum verändere, sei offen. "Wir müssen aber dafür sorgen, dass die Vorteile der Digitalisierung überwiegen." Mit weniger Ressourcen mehr zu leisten, sei kein Widerspruch. Eine Möglichkeit seien Kooperationen. Als Beispiel wird u.a. der "Bund" angeführt, der erfolgreich mit dem "Tages-Anzeiger" kooperiert: Die Bundeshausberichterstattung kommt vom "Bund", der Rest aus Zürich.
Der Zwang zu Qualität und mehr Recherche
Nach seinem Einführungs-Referat diskutierte der Tamedia-Verwaltungsratspräsident unter der Moderation von Reto Lipp mit "Sonntagsblick"-Chefredaktorin Christine Maier sowie NZZ-CEO Veit Dengler.
Supino und Dengler sind sich einig, dass der Journalismus sich unter dem Druck der Gratiszeitungen verbessert hat. "Die Chronistenpflicht der Journalisten nimmt ab, dafür gewinnen Einordnung, Analyse und das Kommentieren von Ereignissen an Bedeutung", so Dengler.
Dass man den Journalisten aus diesem Grund genügend Zeit für umfassende Recherchen einräumen muss, erachten alle drei Diskutanten als wichtig. "Bei 'Google-Journalismus' krümmt es mich innerlich", kommentiert Christine Maier. Supino bestreitet indes Lipps Feststellung, dass die Stimmung bei Tamedia im Moment schlecht sei, weil man den Redaktoren die Zeit für aufwendige Artikel eben gerade nicht mehr zur Verfügung stelle.
Sein Schlusswort, auch bezüglich der Kritik an seinem Konzern und der Anzeige des Verbandes Impressum (persoenlich.com berichtete): "Für uns als Tamedia wäre es besser, wenn es einen GAV in der Deutschschweiz gäbe. Aber wir liegen sowieso darüber." (set)