Herr Walder, weshalb unterziehen Sie den SonntagsBlick einer Renovation?
Bei meinem Antritt im Februar habe ich die Erneuerungs-Planung gemacht: Per sofort die redaktionelle und strukturelle Veränderung des SonntagsBlicks und des Sportbundes. Dann für April/Mai kompletter Relaunch des SonntagsBlick-Magazins. Die eigentliche Überarbeitung des aktuellen Bundes und des Sportbundes habe ich für Oktober definiert.
Ist es notwendig, den SonntagsBlick von Grund auf neu zu positionieren?
Nein, das werde ich auch nicht tun. Der SonntagsBlick ist gut im Schuss. Er ist die grösste Zeitung der Schweiz und er ist auf dem attraktiven Sonntags-Markt einwandfrei positioniert. Sowohl im Leser- wie im kommerziellen Markt. Wir wollen ihn nicht neu positionieren, wir frischen ihn auf, so wie das alle grossen Titel regelmässig tun.
Was ändert sich konkret am Blatt?
Der bevorstehende Relaunch hat folgende Ziele: Neues Layout -- es wurde gestaltet anhand der neusten internationalen Zeitungstrends, es ist noch eine Spur magaziniger und femininer als das bestehende Layout. Wir haben eine neue Seitenarchitektur, neue Schriften und eine neue Farbpalette definiert. Bei der Blattstruktur haben wir leichte Anpassungen gemacht, vor allem im Sportbund. Dazu haben wir einige neue Gefässe gestaltet, die ich noch nicht verraten möchte. Der optische Relaunch wurde von Stéphane Carpentier geleitet, der bereits das neue Magazin gestaltet hat.
Der SonntagsBlick stagniert im Lesermarkt. Wie kann er noch zulegen?
Die Formel ist einfach: Wir wollen die Themenführerschaft am Sonntag haben! Dies gilt für die Ressorts News, Politik, Wirtschaft, People und selbstverständlich Sport. Das ist ehrgeizig, das gelingt uns nicht immer, aber wir sind auf gutem Weg. Es sei erwähnt, dass mehrere Arenas des Schweizer Fernsehens direkte Konsequenz der Berichterstattung des SonntagsBlicks waren, dies nur als Beispiel.
Der SonntagsBlick setzt vor allem auf People-Geschichten, seit Sie der Redaktion vorstehen. Relevante Polit-Recherchen sind dagegen selten. Ist dieser Kurs beabsichtigt?
Ich bin mit dieser Analyse nicht einverstanden. Beginnen wir mit der Politik: Am vergangenen Sonntag beispielsweise sind wir mit fünf Seiten Politik rund um die Blocher-Wahl und die SVP eingestiegen! In den vergangenen Monaten hatten wir alle relevanten und grossen Polit-Storys beziehungsweise Wahlkampf-Themen im Blatt. So zum Beispiel die Rütli-Debatte oder die Sozialhilfe-Diskussion. Wir haben auch nicht mehr People-Storys im Blatt, sondern einfach andere. Selbstverständlich habe ich den Inhalt des SonntagsBlicks verändert: wir haben eine andere Themensetzung, ein anderes Storytelling. Mein Motto war aber keinesfalls: Mehr People, weniger Politik. Im Übrigen bin ich der festen Überzeugung, dass die Leser nicht in Ressorts denken, sondern sich einzig und allein fragen: War das jetzt eine gute und oder eine schlechte Story?
In zehn Tagen erscheint "Sonntag" erstmals, dessen Redaktion sich zu einem beträchtlichen Teil aus ehemaligen SonntagsBlick-Journalisten zusammensetzt, unter ihnen auch Chefredaktor Patrik Müller. Erwarten Sie einen Angriff auf den SonntagsBlick?
Wir haben einen klaren Vorteil: Wir sind einzigartig positioniert. Ich würde sagen: Wir machen Premium Boulevard. Das heisst: Wir wollen intelligent sein, unterhaltsam, ästhetisch und lesenswert. Wir sind quasi per Definition anders als die Konkurrenten. Die drei anderen werden sich ein bisschen auf den Füssen herumstehen.
Sie haben einen Grossteil der Redaktion ausgewechselt. Ist der SonntagsBlick damit personell gut genug aufgestellt?
Ich habe nicht nur ein weitgehend neues Team aufgebaut, sondern auch eine neue Mannschaftsaufstellung. Dazu ist die Vernetzung zwischen Aktuellem und Magazin massiv verstärkt worden. Wir sind gut aufgestellt. Auch die Sportredaktion hat einige markante Wechsel erfahren, unter anderem ein neues Blattmacher-Team.
Nicht wenige Journalisten entliessen Sie ohne Vorwarnung. Weshalb dieses unzimperliche Vorgehen?
Jeder dieser Fälle ist individuell gelagert. Ich hatte klare Vorstellungen, einerseits was Journalismus und andererseits was Integration ins Redaktions-Team anbelangt. Wo ich mit dem einen oder dem anderen nicht zufrieden war, bin ich hingegangen und habe gesagt: Es ist besser, wir trennen uns. Ein in der Arbeitswelt normaler Vorgang.
Inwiefern steht der Relaunch des SonntagsBlick in Zusammenhang mit der Erneuerung des Blicks?
Der SonntagsBlick ist der SonntagsBlick und der Blick ist der Blick. Und trotzdem pflegen wir die Philosophie, dass alles, was der eine macht, eine Relevanz für den anderen hat. Wir sind ja eine Familie.
Konkreter?
Der SonntagsBlick geht mit seiner Neugestaltung voraus, der überarbeitete SonntagsBlick ist ja am 21. Oktober bereits erstmals auf dem Markt. Die Erneuerung des Blicks, die von Bernhard Weissberg geleitet wird, orientiert sich an gewissen Punkten an jener des SonntagsBlicks. So ist der Designer mit Stephane Carpentier der gleiche.
Früher war Bernhard Weissberg als Zeitungschef Ihr Vorgesetzter. Nun sind Sie als Zeitungdirektor sein Chef. Wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit aus?
Bestens! Wir verstehen uns hervorragend. Beruflich - und privat. Ich darf auch für Bernhard Weissberg sprechen: Wir beide freuen uns auf diese grosse Aufgabe.
(Die Fragen wurden Marc Walder per E-Mail zugestellt. Interview: David Vonplon)