Die Galazeitschrift im Gewand von "Cicero"

ADC - Wie aus dem "Magazin für politische Kultur" das "ADC Magazin für Kreativkultur" wurde.

persoenlich.com-Redaktor Adrian Schräder hat dieses Jahr zum zweiten Mal als Chefredaktor der Galazeitschrift des Art Directors Club Switzerland geamtet. Einer langen Tradition folgend, wird dabei jedes Jahr ein renommiertes Schweizer Medienprodukt adaptiert. 2014 wagte man sich erstmals über die Grenzen hinaus: In enger Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus Ringier und dem Berliner Produzententeam entstand eine Sonderausgabe der in der deutschen Hauptstadt beheimateten Zeitschrift "Cicero". Seraina Etter hat ihrem Redaktionskollegen dazu einige Fragen gestellt.

Adrian, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit "Cicero"?
Auf Initiative des neuen ADC-Präsident Frank Bodin. Es war an der ADC Gala 2013. Wir kannten uns noch keine Minute, da fragte er: "Was würdest Du davon halten, wenn wir 'Cicero' für eine Zusammenarbeit anfragen?"

Und, was hast Du geantwortet?
Dass ich Berlin mag. Und dass ich das für eine tolle Idee halte. "Cicero" bietet vertieften, anregenden Lesestoff.  Wenn ich ein Heft mache, ist das auch immer mein Ziel.

Nun liegt das Heft vor. Wie viel "Cicero" ist in der ADC-Galazeitschrift enthalten?
Das müsste man jetzt Geschäftsführer Michael Voss und Chefredakteur Christoph Schwennicke fragen. Ich hoffe natürlich, dass wir den Charakter nicht nur gestalterisch, sondern auch inhaltlich ein bisschen wiedergeben konnten. Viele der Rubriken haben wir übernommen. Aber klar: Im Original ist "Cicero" ein Magazin für politische Kultur mit vielen Beiträgen, die sich auf die Politlandschaft Deutschlands beziehen. Das haben wir natürlich nicht übernommen.

Im letzten Jahr entstand das Heft in Zusammenarbeit mit dem "NZZ Folio" (persoenlich.com berichtete). Die "Cicero"-Redaktion sitzt in Berlin. Wie eng hast Du diesmal mit der Redaktion zusammengearbeitet?
Durch die Distanz und die knappe Zeit war der Austausch mit der Redaktion in diesem Jahr schon etwas schwieriger. Ich habe mit Chefredaktor Christoph Schwennicke die Modalitäten geklärt und mir den Aufbau des Heftes erklären lassen. Dann hatte ich über Wochen engen Kontakt mit der Chefin vom Dienst Kerstin Schröer. Ende Januar war ich dann fünf Tage in Berlin, um gemeinsam mit ihr und Produzent Utz Zimmermann das Heft fertigzustellen. Es waren fünf schöne, aber extrem intensive Tage.

Die definitive Zusage von "Cicero" kam erst Mitte Dezember: Wie ist es möglich, in so kurzer Zeit ein 76-seitiges Magazin auf die Beine zu stellen?
Indem man immer all seine Kontakte nutzt und immer an das Unmögliche glaubt. Zum Glück bin ich schon eine ganze Weile in der Branche tätig und habe während dieser Zeit viele wunderbare Kollegen kennengelernt, die mich mit grossartigen Texten unterstützt haben. Daneben habe ich festgestellt, dass man meist Erfolg hat, wenn man nett fragt.

Das Magazin steht in diesem Jahr nicht mehr unter einem einzigen Schwerpunktthema. Was ist der rote Faden im Heft? Worum geht es inhaltlich?
Das "Folio" ist ein monothematisches Heft. Was ich erst als einschränkend empfand, entpuppte sich, sobald wir ein Titelthema gefunden hatten, als grosse Hilfe. "Cicero" ist im Original ein vor Inhalt strotzendes, komplexes Heft mit vielen Ressorts. Da jede Position zu besetzen, war nicht einfach. Den roten Faden bringt die Titelstory "Wie kreativ ist die Schweiz?" sehr schön auf den Punkt, finde ich. Im Heft kommen kreative Leute aus den verschiedensten Bereichen vor. Und natürlich ist so eine Galazeitschrift daneben auch immer ein bisschen Satireblatt.

Welche Autoren konntest Du für diese Ausgabe gewinnen?
Verschiedene namhafte Exponenten der Werbe- und Medienszene: so zum Beispiel Matthias Daum, Reini Weber, Alexander Jaggy, Roger Köppel, Wolfgang Koydl von der "Süddeutschen", Raphaela Haenggi von der "SI Style" oder David Hesse, den USA-Korrespondenten des "Tagi". Mit David hab ich übrigens die Schulbank gedrückt und 1999 unsere Maturazeitung gemacht. Aber es waren ja nicht nur Autoren beteiligt: Florence-Academy-Absolvent Ingo Kesselring und Leonie Moeri haben gezeichnet, Corinne Lüthi, unsere Inhouse-Kraft vom "persönlich", hat das Cover, die Titelstory und die Rubrik "Stadtgespräch" gestaltet und illustriert, Lukas Mäder hat die Porträts geschossen und zwölf weitere hervorragende Schweizer Fotografen haben mir gratis Bilder für das Fotoessay zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle!

Hinter wem warst Du am Längsten her?
Hinter Frank A. Meyer. Der gehört einfach zu "Cicero" dazu. Und er hat von Berlin aus eine andere Perspektive auf die Schweiz. Deshalb wollte ich ihn unbedingt dabeihaben. Schliesslich haben wir eine Stunde telefoniert – und ich glaube, seine Gedanken zur Schweiz und Kreativität sind äusserst lesenswert.

Was sind die Highlights der diesjährigen ADC-Galazeitschrift?
Puh, da gibt es gleich einige: Der Text von Wolfram Knorr über Hitchcock, der Text von Axel Eckstein über die verschiedenen Arten von Kreativität, der Text von David Torcasso über den Zürcher Gastronom und Lebemann Yves Spink zum Beispiel. Mein persönliches Highlight ist aber der Text von meinem Freund Laurent Dan Moeri, ehemals designierter Sprecher von Occupy Paradeplatz. Er beschreibt, wie er über 3000 Kilometer nach Athen radelte, um dort aus nächster Nähe zu erfahren, wie man sich abseits von staatlichen Strukturen organisieren kann. Ich weiss, wie viel persönliches Engagement dahintersteckt. Er passt auch gut in ein Heft, das sich mit politischer Kultur befasst. Und ich glaube, er hat zuvor noch nie einen journalistischen Text geschrieben. Dass ihm dies so gelungen ist, macht mich glücklich. Vielleicht lasse ich ihn deshalb beim nächsten Tischtennis-Duell gewinnen.

Du durftest jetzt bereits zum zweiten Mal Chefredaktor spielen: Was hast Du anders gemacht als beim letzten Mal?
Ich habe mittlerweile stärkere Nerven und einen besseren Überblick, glaube ich. Viele der Aufgaben, mit denen man bei der Konzeption und Organisation eines solchen Heftes konfrontiert ist, unterscheiden sich ziemlich stark von denjenigen eines Schreiberlings. Ich glaube, es klappt von Jahr zu Jahr besser.

Das Heft wurde am Samstag an der ADC Gala verteilt. Wie kommt der Normalsterbliche an das Heft?
Es wird der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "persönlich" beigelegt und damit an über 8000 Abonnenten verschickt. Ausserdem werden wir im Laufe des Monats Februar hier auf der Online-Plattform einige der Texte veröffentlichen.

Hast Du schon eine Idee für 2015?
Klar, viele. Ich habe sogar schon die Zusage von einem hochkarätigen Autor, der dieses Mal aus zeitlichen Gründen leider nicht mittun konnte. Fehlt nur noch der Auftrag vom ADC.

Interview: Seraina Etter//Illustration: Leonie Moeri