Herr Kaiser, am Montag startet die "Bachelorette". Für einen kleinen Sender ist so eine Eigenproduktion mit grossen Risiken behaftet, oder?
Eine grosse Eigenproduktion wie die Bachelorette ist selbstverständlich mit Risiken verbunden. So ist das bei jeder neuen Eigenproduktion. Die Bachelorette lief bisher international unter den Werten vom Bachelor. Unsere Sendungen sind richtig toll geworden, und das mediale Interesse im Vorfeld war extrem hoch. Gute Voraussetzungen.
Wie hoch sind die Kosten für eine solche Eigenproduktion ungefähr?
Zwei Millionen Franken.
Einige der Teilnehmer sind schon vor Sendestart voll ins mediale Messer gelaufen. Emanuel Brunner wurde gegen seinen Willen als vermeintlich bisexuell geoutet. Schlecht für ihn, aber gut für Sie, oder?
Jeder Kandidat hat seinen Rucksack, seine Erfahrungen und seine Geschichten aus der Vergangenheit. Emanuel ist ein sehr extrovertierter Typ, der auch mit seiner Sexualität sehr locker und offen umgeht. Wichtig für uns als Sender war seine Zusicherung, dass er heute auf Frauen steht und mit ernsten Absichten die Bachelorette kennenlernen wollte. Und das hat er uns im Casting zugesichert.
Dann das "Skandälchen" um die Vaginal-Tabletten der Bachelorette. Wie bereiten Sie die Kandidaten auf solche Dinge vor?
Solche Dinge passieren schnell und schlagen grosse Wellen. Unser PR Team brieft die Kandidaten vorab. Aber wirklich vorbereiten kann man darauf niemanden. Man kann nur richtig darauf reagieren. Und das hat Frieda sehr souverän gemacht. Profile in sozialen Medien gehören heute bei Boulevardmedien zur Pflicht-Recherche. Da sollte man aufpassen, was man postet.
Mit Bachelor Beutl erreichten Sie letztes Jahr Traumquoten (20 Prozent Marktanteil bei den 15- bis 49-Jährigen). Warum ein erfolgreiches Konzept ändern?
Wir ändern das Konzept nicht, wir nehmen ein neues Konzept in unser Portfolio auf. Das Prinzip der Sendung ist dasselbe wie bei "Der Bachelor" – einfach unter umgekehrten Vorzeichen. Wobei man in den Sendungen sehen kann, dass die Herren etwas anders mit der Situation umgehen als die Damen. Die Vorproduktion für "Der Bachelor" ist parallel wieder angelaufen. Wir casten fleissig und sind ab nächster Woche auch weit weg am Locations scouten. Ausgestrahlt wird dann wieder wie gewohnt im Herbst.
Haben Sie keine Angst, dass eine Show mit 20 hübschen Frauen besser funktionieren könnte als eine Show mit nur einer schönen Frau?
Wir werden es bald wissen. International lief "Die Bachelorette" weniger gut als "Der Bachelor" (lacht). Wir wären auch mit 18 Prozent Marktanteil extrem zufrieden. Angst, dass die Sendung schlecht laufen wird haben wir nicht. Wir haben eine tolle Bachelorette und einen super Cast.
Von anderen Eigenproduktionen wie den Bellers oder Mike Shiva hat man weniger gehört. "Jung Wild und sexy" war hingegen ein Überraschungserfolg. Haben Sie ein "Gspüri", was funktioniert und was nicht?
Zum Glück kamen bisher deutlich mehr Eigenproduktionen gut oder sogar sehr gut bei unserem Publikum an. Ein paar, die nur durchschnittlich liefen haben wir jedoch auch produziert. Das gehört dazu. Die Idee alleine macht den Erfolg jedoch nicht aus. Die richtig tolle Umsetzung ist entscheidend. Und da haben wir ein Topteam.
Das Bachelor-Konzept wird eines Tages ausgelutscht sein. Schon auf der Suche nach "dem nächsten grossen Ding"? In welche Richtung könnte es gehen?
Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Erfolgsformaten. Wir verwenden viel Zeit damit, uns neue Sendungen in den interessanten Märkten anzuschauen und besuchen auch regelmässig Programmmessen und Screenings auf der ganzen Welt.
Von 3+ und 4+ hört man immer wieder "Good News". Läuft es wirklich so gut, oder macht ihre Presse-Abteilung einfach einen guten Job?
Wir sind mit dem Geschäftsverlauf über die letzten Jahre sehr zufrieden. Das Unternehmen ist zum Glück kerngesund, kann jedes Jahr mehr in teure Schweizer Eigenproduktionen investieren und besteht unterdessen aus drei Sendern. Auch für die Zukunft sind wir sehr gut aufgestellt.
Wenn ich durch die Kanäle zappe, läuft bei 3+ in gefühlten 70 Prozent der Fälle irgendeine Serie von 2008. Täuscht mich mein Gefühl?
Da täuscht ihr Eindruck. Wir zeigen auf 3+ und 4+ sehr viele Erstausstrahlungen, neue Schweizer Eigenproduktionen und grosse Blockbuster.
Wie schlecht ist Ihr Verhältnis zur SRG?
Wir haben kein schlechtes Verhältnis zur SRG, obschon das SRF ein Mitbewerber von uns ist. Auch macht das SRF im Bereich der Information einen hervorragenden Job. Immer mal wieder pitchen wir gegen die SRG um Sendungsformate, Serien oder Spielfilme. In wie weit die SRG im Bereich Unterhaltung einen Service Public Auftrag wahrzunehmen hat, ist eine politische Frage, die man im Moment berechtigterweise hinterfragt. Ich bin Unternehmer und muss aus der bestehenden Situation das Beste machen.
Ich fasse Ihre Meinung mal so zusammen: Die SRG soll sich aus dem Unterhaltungsbereich raushalten. Korrekt?
Die Grundfrage ist, ob Gebührengelder für Inhalte im Unterhaltungsbereich verwendet werden soll, welche private Anbieter wie wir, auch ganz ohne Gebührengelder, zeigen würden. Für mich klingt das nach einer Verschwendung von Steuergeldern.
Ich habe zwar schon einen Verdacht, wie die Antwort ausfallen könnte: Was sagen Sie zur Revision des Radio- und Fernsehgesetzes?
Bevor man über ein neues Geld-Verteil-System diskutiert, müsste man darüber sprechen, wie heute – in Zeiten der Digitalisierung – der Service Public zu definieren ist. Danach sollte man überlegen ob der Service Public von nur einem Anbieter erbracht werden soll oder ob alle Sender sich darum bewerben können. Falls es dann immer noch einen Service Public Unterhaltungsauftrag geben würde, könnten sich alle Sender darum bewerben und das beste Angebot würde gewinnen. Das gleich würde auch für Newssendungen oder das Kulturangebot gelten.
Hat Frieda Hodel Vujo-Potential?
Frieda und Vujo sind beides sehr authentische Persönlichkeiten, aber dann doch charakterlich ziemlich verschieden. Wir sind aber überzeugt, dass Frieda bei den Zuschauern – genauso wie Vujo – sehr gut ankommen wird. Mit ihrer herzlichen und authentischen Art und nicht zuletzt wegen ihrem tollen Aussehen. Gut möglich, dass auch sie zum Publikumsliebling wird.
Interview: Michael Sahli
Bild: Keystone