Seit 1956 erscheint das Jugendmagazin "Bravo" wöchentlich, unterhält und informiert bereits drei Generationen von Lesern. Dr. Sommer und die Foto-Lovestories haben Kultstatus erreicht und Millionen Jugendliche wurden von der deutschen Zeitschrift "belustigt und getröstet", wie es Matthias Kohlmaier in der "Schweiz am Sonntag" vom 13. Oktober schreibt. Eine Million Leser soll das bunte Blättchen in der Zwischenzeit jedoch verloren haben. Im ersten Quartal 1998 betrug die abgesetzte Menge an "Bravos" noch 1'241'469 Stück, wie aus eine Analyse der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) hervorgeht. Fakt ist, dass im zweiten Quartal 2013 lediglich 224'722 Exemplare gekauft wurden, was einem Rückgang von 81 Prozent entspricht.
Diesem Trend hat "Bravo" im aktuellen Jahr bereits versucht Gegensteuer zu geben, indem die Redaktion um 14 Personen verkleinert und eine neue, jüngere Chefredaktorin aufgeboten wurde. 25 Jahre wirkte Alex Gernandt als Chefredaktor, Nadine Nordmann sollte "auf das veränderte Mediennutzungsverhalten reagieren und die Marke 'inhaltlich und optisch'" den Erwartungen der heutigen Leserschaft zuschneiden, so hiess es laut "Schweiz am Sonntag" in einer Medienmitteilung.
Das Resultat der neuen Richtung: Skandalträchtige Stories, grosse Lettern samt einer Vielzahl an Ausrufezeichen und möglichst leichtbekleidete Prominente. Die Zeitschrift ziele damit darauf ab, Aufmerksamkeit zu erhaschen, schreibt Kohlmaier weiter. Das Magazin übe sich immer noch darin, "das zu inszenieren, was nach Meinung der Verantwortlichen der Durchschnittsjugendliche denkt", erklärt Medienwissenschafterin Maya Götz gegenüber der Sonntagszeitung zur Frage nach der eingeschlagenen Richtung des Hefts. Das Internet gelte als Hauptgrund für den Auflagenschwund, denn im Netz lassen sich per Mausklick rasch die gleichen Informationen und Bilder finden, wie sie früher nur in der Bravo gedruckt wurden. "Wer braucht da noch Dr. Sommer?", fragt Kohlmaier. Die Zeiten des Magazins als "selbsternanntes Leitmedium der Jugend", seien klar vorbei. (lf)
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